Zeitabschnitt Ständestaat (1933 - 1938)

Der Zeitabschnitt des Ständestaates bezeichnet auf TOWN jene Phase der österreichischen Zeitgeschichte, in der nach dem Staatsstreich durch Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuß ("Selbstausschaltung des Parlaments") eine autoritäre Staatsführung bestand, die mit der Annexion Österreichs 1938 endete. Ab 1934 bestimmten blutige politische Auseinandersetzungen den Alltag, wie beispielsweise die Niederschlagung des Arbeiteraufstandes im Februar 1934, der Juli-Putsch und die Ermordung von Bundeskanzler Dollfuß. Die "rote Hochburg" Wiener Neustadt, wurde nunmehr von einer christlich-sozialen Stadtregierung mit Bürgermeister Hans Zach an ihrer Spitze geführt, die sich darum bemühte, die drückende Arbeitslosigkeit in der "sterbenden Stadt" zu bekämpfen. Politisch versuchte man in der Zeit des Austrofaschismus über Parteiverbote, das Vorgehen gegen Kommunisten, Sozialdemokraten und Nationalsozialisten sowie die Gründung der Einheitspartei der "Vaterländischen Front" einen christlich-deutschen Staat zu etablieren. Gegner internierte man im Anhaltelager Wöllersdorf. Die römisch-katholische Kirche erhielt im Ständestaat besonderen Einfluss - sei es in der Gesellschaft oder in der Politik der Provinzstadt. Aber trotz mancher Initiativen zur "Arbeitsbeschaffung" in Wiener Neustadt ließen die wirtschaftlichen Verbesserungen auf sich warten. Das Ausbleiben von merklichen Veränderungen ließen den Unmut in der Bevölkerung wachsen und das Vertrauen in die Zukunft eines selbstständigen österreichischen Staates schwinden. Aufgrund der sichtbar besseren Lebensbedingungen in Deutschland und der nach außen getragenen Stärke des nationalsozialistischen Nachbarstaates richteten viele ihren Blick auf dieses vermeintliche Erfolgsmodell und sahen im "Anschluss" die Lösung aller Probleme. 1938 war es dann soweit: Das Ende des Ständestaates war zugleich auch das Ende Österreichs.

Wiener Neustadt - Luftaufnahmen im Ständestaat

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Die vorhandenen Luftaufnahmen aus der Zeit des "Ständestaates" sind nicht die letzten Bilder einer "friedlichen Zeit", wie manche behaupten, schon gar nicht in politischer Hinsicht. Die politischen Spannungen nahmen damals bekanntlich zu, und die Jahre 1934 bis 1938 waren keineswegs friedlich. Mit dem "Anschluss" 1938 und dem Kriegsbeginn 1939 änderte sich das Stadtbild vorerst merklich nur an der Peripherie - durch den Ausbau der Industrie und der militärischen Infrastruktur, ansonsten blieb das Bild der Stadt, primär der Innenstadt - aus der Luft betrachtet - gleich. Insofern zählen die seltenen Luftbilder aus der Zeit des "Ständestaates" zu den letzten vor den Bombardements 1943, denn während der NS-Zeit wurden aus militärischen Gründen keine Luftaufnahmen veröffentlicht.

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Erkennungskarte

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1936 wurden österreichischen Staatsbürgern so genannte Erkennungskarten ausgestellt, die ein Foto (Lichtbild) und persönliche Daten enthielten. Die Erkennungskarte zählte zu den Ausweisen bzw. Ausweispapiere, die - im Unterschied zum Reisepass - nur innerhalb Österreichs ihre Gültigkeit hatten. Diese Karten wurden von den Bürgern und Bürgerinnen damals mitgeführt und mussten auf Verlangen (zum Beispiel eines Polizeibeamten) vorgewiesen werden. Sie hatten zwar unterschiedliche Farben, waren aber in ihrem inhaltlichen Aufbau ohne Unterschied: Karten-Nummer, Vor- und Zuname, Geburtsdatum, Geburtsort, Beruf, Bundesland, Verwaltungsbezirk, Einwohnermeldestelle/Meldeamt/Gemeinde, Ausstellungsdatum, Unterschriften. Damit waren die Karteninhaber für die Exekutive und Verwaltung rasch zuordenbar. Mit der Einführung der Erkennungskarten sollten die Kontrolle und die Sicherheit in Österreich verbessert werden.

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Besuch von Emil Fey

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Der damalige Vizekanzler und Offizier Emil Fey, der am1. Mai 1934 auch zum Sicherheitsminister ernannt worden war, besuchte immer wieder die Stadt Wiener Neustadt. Dies geschah entweder zu offiziellen Anlässen oder war privater Natur, denn sein Sohn Herbert Fey war Militärakademiker. Fey, der im Rang eines Majors stand, wurde dann in der Akademie feierlich empfangen. Bekanntlich nahm sich Emil Fey, gemeinsam mit seiner Gattin Malvine und seinem 19-jährigen Sohn, am 16. März 1938 das Leben. Fey flüchtete in den Selbstmord, weil er glaubte, sichere Informationen zu besitzen, dass von der nationalsozialistischen Führung ein Schauprozess gegen ihn veranstaltet werden würde.

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Einwohnermeldestelle im Magistrat

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Die Einwohnermeldestelle war in Wiener Neustadt Teil der Magistratsdirektion und befand sich im Rathaus, im zweiten Stock (Tür 29). Mit der Einführung der Erkennungskarten wurden hier diese Dokumente ausgestellt. Die Stadtregierung hatte mit der Erkennungskarten-Kartei ab 1936 in der Folge einen aktuellen Überblick über alle österreichischen Staatsbürger der Stadt. Während das Meldezettel-System (Melderegister) die Basis aller hier gemeldeten Einwohner dokumentierte, waren die Erkennungskarten (Kartei in der Einwohnermeldestelle) mit ihrem Foto ein Vorläufer des Personalausweises. Natürlich hatte es aber bereits damals Personalausweise gegeben, zum Beispiel für Beamte bestimmter Behörden oder für Arbeiter und Angestellte in einzelnen großen Industriebetrieben und ihren Abteilungen.

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Flugfeldkaserne

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Die Flieger-Kaserne musste nach dem Ende des Ersten Weltkriegs geschlossen werden. Gebäude, die auf dem militärischen Gelände lagen, waren einer zivilen Nutzung zugeführt worden. 1936 übergab die Stadtgemeinde eine ganze Reihe von Fliegerkasernenobjekten an den Bund. Dies hatte zur Folge, dass die seit der Adaptierung der Fliegerkaserne für Wohnungen lebenden Mieter in Ersatzwohnungen untergebracht werden mussten. Aber auch soziale Einrichtungen der Stadtgemeinde, wie die Bezirksfürsorgekommission (die damals sogar erst sehr kurzfristig in die Kaserne eingezogen war), das Jugendamt II, ein Kindergarten, eine Tagesheimstätte, eine Wärmestube und anderes, wurden verlegt. Mitglieder der so genannten "Revolutionären Sozialisten" verwendeten das Hauptgebäude der Flieger-Kaserne im Widerstand gegen den "Ständestaat" bzw. Austrofaschismus auch als Fläche für ihre Botschaften. So malte man am 1. Mai 1933 mit Kalkfarbe in großen Lettern auf das Dach das Wort Freiheit und zudem das Zeichen der drei Pfeile (also das Kampfabzeichen der Sozialisten und Revolutionären Sozialisten).

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Domplatz - nördlicher Bereich zwischen Dom und Propstei

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Der Domplatz war in der Zeit des "Ständestaates" immer wieder Aufmarschplatz für die Organisationen des christlich-sozialen Staates, in dem bewusst die Nähe zur katholischen Kirche (keineswegs zur evangelischen Kirche oder jüdischen Gemeinde) gesucht wurde. Insofern bot es sich an, den Domplatz und die Propstei als Treff- und Sammelpunkt zu bestimmten sowie dort an kirchlichen Feier- und Festtagen und zu Gottesdiensten Präsenz zu zeigen: natürlich stolz in Uniform und den Parteiabzeichen der VF. (Angemerkt sei hier, dass beispielsweise die erste Parteizentrale der Vaterländischen Front nicht zufällig am Neuklosterplatz 1 war.)

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Hauptplatz - östlicher Teil

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Wie später in der Zeit des Nationalsozialismus - durch die Hitlerjugend (HJ) und den Bund deutscher Mädel (BDM) - wurde die österreichische Jugend in den Jahren 1935/36 bis 1938 von der Ständestaat-Regierung vereinnahmt. Sie sollte an den christlich-deutschen Staat Österreich ideologisch gebunden werden. Die Erziehung dazu sollte über das Elternhaus und vor allem die Schule und die Jugendorganisationen der VF gewährleistet werden. Nach dem Vorbild Deutschlands gründete man das "Österreichische Jungvolk" der VF und uniformierte Kinder und Jugendliche. In Wiener Neustadt begann man damit erst 1936 und schuf die ersten Jungvolk-Heime in der Ungargasse 29 und nahe der Lokomotivfabrik. Wenn auch relativ selten, so kam es dennoch auch zu größeren Aufmärschen in der Stadt, konkret am Hauptplatz. Im Vergleich zu den späteren HJ-Veranstaltungen zeigte die Präsenz des "Österreichischen Jungvolks" (ÖJV) wenig Wirkung; der Wunsch, in das ÖJV einzutreten war gering.

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Kreiskrankenkasse am Eyerspergring 4

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In der Nacht vom 8. auf den 9. März wurde im österreichischen Ministerrat eine Volksbefragung beschlossen und für den 13. März festgesetzt. Die Regierung Schuschnigg, die außen- und innenpolitisch unter großen Druck geraten war,zte nun darauf, den Entwicklungen in Richtung eines "Anschlusses" an das Deutsche Reich ein Ende zu setzen, indem man einen klaren Entschluss des österreichischen Volkes für einen unabhängigen österreichischen Staat herbeiführt. So begann man mit einer intensiven Werbung, in der sich Slogans und Aufdrucke, wie "Mit Schuschnigg für eine freies Österreich? Ja!", "Jeder Österreicher stimmt mit Ja!", "Unsere Fahne bleibt Rot-Weiß-Rot! Stimmt: Ja!" etc., nahezu überall fanden: in der Tagespresse, auf Außenmauern, auf Briefkuverts und anderen möglichen Werbeflächen. Aufgrund des rasch folgenden militärischen Einmarsches deutscher Truppen in Österreich kam es letztlich nie zu dieser Wahl bzw. Abstimmung.

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Schlachthof

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Der Wiener Neustädter Schlachthof zählte zu den modernsten seiner Zeit. Auch in den späteren 1930er Jahren besuchte man die Einrichtungen auf dem Schlachthofgelände, um sich ein Bild von einem solchen städtischen Großbetrieb zu machen. Es wurden sogar Erinnerungsfotos in der Schlachthalle aufgenommen.

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Sparkasse Wiener Neustadt - Neunkirchner Straße 17

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Die Wiener-Neustädter Sparkasse war 1860 gegründet worden und eine Vereinssparkasse in der Neunkirchner Straße 17. In der Zeit vor dem "Anschluss" war Regierungsrat Professor Ingenieur Leopold Schmidt Vorsteher. Ein mehrköpfiges Kuratorium befand über die Geschäfte der Sparkasse. Jene war allerdings nicht die einzige Kredit- und Sparkasse in Wiener Neustadt, sondern damals gab es weiters die "Kreditkasse für Gewerbe und Handel" (Herzog-Leopold-Straße 7), den "Spar- und Darlehenskassenverein Erster", Raiffeisenkasse (Hauptplatz 28), die "Spar- und Darlehenskasse öffentlicher Angestellter Österreichs" (Bahngasse 29) und das "Spar- und Vorschuß-Konsortium Währing" (Neunkirchner Straße 16). Die Wiener-Neustädter Sparkasse war die größte Kasse in der Stadt. Aufgrund der wirtschaftlichen Not hatten viele Einwohner Kredite aufgenommen und in den 1930er Jahren nahmen die Probleme zu, diese Kredite zurückzuzahlen. Die Sparbücher - damals "Einlagebücher" genannt - wiesen bei vielen Menschen nur geringe Beträge auf, da das alltägliche Leben alle Ersparnisse auffraß.

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Industriegebiet in Wöllersdorf - Feuerwerksanstalt

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Waldschule im Föhrenwald

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Die "Städtische Kinder- und Erholungsanstalt Waldschule", die 1920 in Betrieb genommen worden war, wurde in den 1930er Jahren nicht mehr für die Pflege erholungsbedürftiger und kranker Kinder verwendet, sondern diente als Ort der Ausbildung von Mädchen und jungen Frauen. Seit 1928 hatte sich die Stadtgemeinde dazu gezwungen gesehen, die Waldschule im Föhrenwald nur in den Sommerferien für so genannte "Erholungsaktionen" zu aktivieren. In der verbleibenden Zeit des Jahres absolvierten dort zum Beispiel Mädchen und Frauen Kurse in Haushaltsführung und Näharbeiten. Über einen Zeitraum - 1933 bis zirka 1936 - war die Waldschule auch zum Lager für den Freiwilligen Arbeitsdienst (FAD) geworden. Männliche Arbeitskräfte führten zumeist Aufforstungsarbeiten und Anpflanzungen durch. Während der im Sommer realisierten Kindererholungsaktionen ruhte die FAD-Arbeit.

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Freiwillige Rettungsmänner des Roten Kreuzes

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Natürlich gab es in Wiener Neustadt vonseiten des Allgemeinen Krankenhauses die notwendige medizinische Versorgung. Das Sanitätspersonal fungierte aber nicht als Rettungsdienst für die Stadt und den Bezirk, sondern diese Aufgabe oblag der damals mobilen Feuerwehr. Der Ausweis vom Landesverein vom Roten Kreuze für Wien, Niederösterreich und das Burgenland gehörte einem gewissen Franz Karacson, bei dem es sich entweder um den Werkzeugmachergehilfen in der Herrengasse 28 oder den Schuhmachermeister in der Baumgartgasse 3 handelte. Wahrscheinlich war es der Erstgenannte, denn in der Herrengasse 28 befand sich auch die "Rettungskolonne der freiwilligen Stadtfeuerwehr".

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Vaterländische Front - Mutterschutzwerk

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Es herrscht bis heute der Mythos, dass der Muttertag erst mit Adolf Hitler in Österreich bestanden habe, was aber unrichtig ist. Denn bereits in den 1920er Jahren Jahre war der Muttertag hierorts begangen worden. Noch bevor er in der NS-Zeit stark forciert werden sollte, bewarb man den Muttertag in der Ständestaat-Zeit. Das "Mutterschutzwerk" der Vaterländischen Front (VF) war hierin federführend. Mit eindringlichen Werbe-Sprüchen, wie "Jeder Mutter eine Freude am Muttertag", mit dem Organisieren von Muttertagsfeiern und der Verbreitung von Druckwerken versuchte man diesen Tag zu etablieren. Das Mutterschutzwerk der VF - dessen Bezirksführung sich in der Wiener Straße 12 befand - bemühte sich um die Unterstützung von Müttern. Hilfs- und Lebensmittelaktionen bildeten einen wichtigen Teil der Arbeit des Mutterschutzwerkes. So wurde zum Beispiel 1935 von der Stadtgemeinde, der VF und dem Mutterschutzwerk an besonders bedürftige Mütter und Schulkinder jeden Tag 250 Liter Milch ausgegeben!

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Domplatz nahe der Propstei

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In der Zeit des Ständestaates wurden kirchliche Feste und Feierlichkeiten intensiviert, denn sie sollten die "christlich-deutsche Gesinnung", wie es damals hieß, zum Ausdruck bringen. Die Regierung versuchte möglichst viele Bevölkerungsgruppen bzw. Berufsstände zu integrieren, vor allem die Arbeiterschaft. (Man sprach damals von der "Verchristlichung".) Die Berufsstände sollten für das Gemeinwohl des Staates zusammenarbeiten, der Klassenkampf sollte damit sein Ende finden. Der durch den Katholizismus bestimmte Staat und die Institution der Kirche wirkten für die Menschen zusammen, und die Autorität des christlichen Staates sei durch Gott gegeben - so die Staatstheorie. Eines dieser nun groß gefeierten Feste war unter anderem die Erstkommunion, wie sie am Pfarr- bzw. Domplatz (1936 wurde der Pfarrplatz in Domplatz umbenannt) stattfand. Die Burschen und Mädchen erschienen traditionell in Weiß. Damals galt für die Burschen sichtlich der Matrosenanzug als Kleiderordnung. Der Tag der Erstkommunion war aber auch der Tag des Aufmarsches der Burschen des Österreichischen Jungvolkes der Vaterländischen Front (vgl. die uniformierten Kinder im Hintergrund eines Fotos), worin sich wieder die Verbindung zwischen Kirchen und staatlicher Politik zeigt.

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Hauptplatz vor der Mariensäule

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Seit jeher bildeten die Fronleichnamsprozessionen in Wiener Neustadt einen wichtigen Bestandteil des jährlichen Kirchenkalenders. Stets war die Mariensäule am Hauptplatz eine Station. Nun aber, nämlich im christlich-autoritären Ständestaat, veränderte sich das Bild der Prozession dahingehend, als nicht nur das neue Staatssymbol - das Krukenkreuz - zum mitgeführten und präsentierten Element bei Gottesdiensten wurde, sondern auch Mitglieder von Studentenverbindungen und (schlagenden) Burschenschaften, neben Soldaten, die Gruppe der Geistlichen (allen voran der damalige Propst Uhl) unmittelbar begleiteten. Propst Uhl gewann nachweislich zunehmend an Einfluss bei politischen Entscheidungen, wie bei der Zuweisung eines Arbeitsplatzes (auf Basis einer "Empfehlung der Kirche").

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Burgplatz vor der St.-Georgskirche

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Prozessionen führten die Gläubigen nicht nur zum Dom und zur Mariensäule am Hauptplatz, sondern auch die St.-Georgskirche wurde zum Ziel der katholischen Gemeinde. Vermutlich stand der Priester zu solchen Anlässen mit den Ministranten auf dem Niveau der Kirche, also über der West-Tor-Einfahrt in die Burg, um zu den Gläubigen auf dem Burgplatz zu sprechen und von allen gehört und gesehen zu werden.

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Ring-Café Karl Breit

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Das Ring-Café von Karl Breit lag an der Ecke Wiener Straße 29 und Baumkirchnerring 2, weshalb es auch die Bezeichnung "Ring-Café" trug, die eine Nähe zur Wiener Ringstraße und Wiener Kaffeehaus-Kultur herstellen ließ. Schon damals warb man mit dem vorhandenen Parkplatzangebot für die Auto-Lenker, die auf der Wiener Straße nach Wien oder nach Süden ins Semmering-Gebiet fuhren. Das Verkehrsaufkommen war aber in den 1930er Jahren an sich gering, Autos waren noch selten. Die Gäste konnten daher im Gastgarten ohne Lärmbelästigung, in freier Natur essen und trinken oder im Café an großen Fenstern sitzen und das Treiben auf der Straße bzw. am Platz beobachten.

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Gasthauskultur

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Während der Zeit des "Ständestaates" war Bundeskanzler Dollfuß auch in der privaten Welt und Freizeit präsent. So prangten Bilder seiner Person (auch nach seiner Ermordung 1934) in Stuben von Gasthäusern in der Stadt. 

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Burschen und Mädchen in der VF

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Im "Ständestaat" wurden Kinder und Jugendliche aufgerufen, katholischen und vaterländischen Organisationen beizutreten. Dort wurde ihnen - auch außerhalb der staatlichen Schulen - eine entsprechende Erziehung zuteil. Ähnlichkeiten der Uniformen zur HJ und zum BDM während der NS-Zeit (1938-1945) sind unübersehbar, wenngleich Fotografien von uniformierten Kindern und Jugendlichen selten sind. Die Zentrale der "Vaterländischen Front" (VF) war zuerst, also ab 1933, am Neuklosterplatz 1, ab Februar 1934 am Hauptplatz 15; jene für den Gerichtsbezirk befand sich anfangs in der Wiener Straße 12 und später in der Pöckgasse 9.

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Übungsschule Herrengasse

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Die Bundes-Lehrer- und Lehrerinnen-Bildungsanstalt (vormals Landes-Lehrerseminar) befand sich in der Herrengasse 29 und hatte eine eigene Übungsschule (Knaben-Volksschule) angeschlossen. Als Direktor fungierte dereinst Hofrat Dr. Karl Hauschild. 1937 besuchten beispielsweise 120 Kinder die Übungsschule, während 144 männliche und weibliche Kandidaten die Lehrer- und Lehrerinnen-Bildungsanstalt besuchten, um danach als Pädagogen zu arbeiten. In die Übungsvolksschule gingen bis 1938 Kinder aller Konfessionen (römisch-katholisch, evangelisch mosaisch/israelitisch).

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Ausmusterung

47.808720

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Die so genannte Ausmusterung an der Militärakademie, in der die Absolventen nach ihrer militärischen Ausbildung (in der sie im Dienstrang eines Fähnrichs stehen) in den Rang eines Leutnants erhoben werden, war stets ein großer feierlicher Akt. Zur Tradition zählte immer schon die Teilnahme von Vertretern des Hauses Habsburg und der Repräsentanten der katholischen Kirche. Ab 1933/34 wurde die Einbeziehung der Kirche noch stärker.

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Akademiewiese

47.807410

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Die Akademiewiese südöstlich der Militärakademie diente gerne als Aufstellungsplatz für die militärischen Kräfte, sei es Kavallerie, Infanterie oder Artillerie. Wenn es zum Beispiel im Rahmen der Ausmusterungsfeierlichkeiten oder eines Besuchs von Politikern und Staastgästen zu einer solchen Präsenz militärischer Waffengattungen kam, ließ es sich die Wiener Neustädter Bevölkerung nicht nehmen, mit den gehörigen Respektabstand dabei zu sein und auch den Erholungsraum des Akademieparks für einen Spaziergang zu nutzen.

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Maria-Thersienplatz

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Während die Fläche der Akademiewiese durchaus als Aufstellungsplatz Verwendung finden konnte, diente der Maria-Theresienplatz jedenfalls als Exerzierplatz und Ort, an dem primär die Infanterie zur Aufstellung kam und übte. Auf diesem Platz wurden gerne diverse militärische Rituale - sofern sie nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Innenhof der Burg durchgeführt wurden - im großen Rahmen inszeniert. Zu diesem Zweck wurden an der nördlichen oder südlichen Seite sowie nahe der Maria-Theresien-Statue auch Podeste und Zelt-Konstruktionen für die Ehrengäste, Redner oder die hohe Geistlichkeit aufgebaut. Zu einem zentralen Ereignis auf dem Maria-Theresienplatz zählte stets die Ausmusterung.

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Hauptplatz

47.813130

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Wenn Soldaten des österreichischen Bundesheeres ihre Kasernen und Übungsplätze verließen und in die Innenstadt kamen, dann bestand in den Jahren 1933 bis 1938 entweder eine unsichere innenpolitische Situation (wie zum Beispiel während des Bürgerkriegs im Februar 1934 oder in den letzten Tagen des Ständestaates im März 1938) oder das Heer zeigte gezielt Präsenz (wie zum Beispiel anlässlich von Gedenkfeiern zum Ersten Weltkrieg oder beim Besuch von hohen Staatsbeamten). Das Bundesheer war im Vergleich zum deutschen Nachbarn nur schlecht ausgerüstet. Mobilität war mittels Pferd und Fahrrad gegeben, weniger mit Kraftfahrzeugen.

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Schlachthof

47.802250

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Zur Ausbildung der Soldaten gehörte nicht nur die militärische Erziehung und Schulung im engeren Sinne, wie zum Beispiel die Waffen- und Schießausbildung, sondern auch eine Zahl darüber hinausgehender Ausbildungsinhalte, die von (wehr-)politischer Bildung und Geographie bis zu naturwissenschaftlich-technischen Ausbildungsthemen reichten. So darf es mithin nicht verwundern, wenn man Soldaten auch ein entsprechendes Freizeit- und Kulturprogramm anbot. An der Theresianischen Militärakademie (MilAk), die bekanntlich zu den Schulen gezählt wurde und wird, unterrichtete eine ganze Schar von ständigen und nicht-ständigen Lehrern. Offiziere, Unteroffiziere und Chargen lernten die Infrastrukturen der Stadt, in der sie wochen- und monatelang ausgebildet wurden, kennen, zu welchen etwa die militärisch nicht irrelevanten und zu schützenden Transport- und Versorgungseinrichtungen (Gaswerke, Bahnhof, Schlachthof etc.) zählten.

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Südöstlicher Hauptplatz

47.812820

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Vor 1938 hatte das österreichische Bundesheer eine Stärke von rund 60.000 Soldaten. Im Falle einer Mobilmachung konnte dieser Präsenzstand auf fast 130.000 erhöht werden. Zur Grundausrüstung des österreichischen Infanterie-Soldaten zählte das Gewehr. Die Munition wurde in kleinen Ledertaschen am Gürtel getragen. Größere Munitionsmengen und Maschinengewehre transportiert man auch noch in den 1930er Jahren mit Hilfe von Pferden. Die Ausrüstung war teils völlig veraltet, manches stammte noch aus dem Ersten Weltkriegs (zum Beispiel Geschütze). Im Allgemeinen musste das Heer auf die Infanterie, die Kavallerie und die Artillerie setzen, während im Nachbarland Deutschland die modernste Luftwaffe und Panzertruppe ihrer Zeit heranwuchs.

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Flugfeld

47.832510

16.228231

1936 wurde die ehemalige Flieger-Kaserne, die mittlerweile als Wohnhaus gedient hatte, wieder ihrem ursprünglichen Zweck zugeführt. Die Stadtgemeinde erhoffte sich damals eine wirtschaftliche Verbesserung, wenn wieder auf das Flugwesen (einschließlich einer Flugzeugproduktion) - wie schon vor und im Ersten Weltkrieg - gesetzt werden konnte. Die Luftwaffe des Heeres bedurfte jedoch selbst dringend der Unterstützung, weshalb sogar der Staatssekretär für Landesverteidigung die Bevölkerung um Spenden für die Armee - zur Ausgestaltung der Luftwaffe - ersuchte. Die Stadtgemeinde äußerte sich 1936 dazu, wie folgt: "

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Heimwehrführer Emil Fey

47.808800

16.246779

Der damalige Vizekanzler und Offizier Emil Fey, der am 1. Mai 1934 auch zum Sicherheitsminister ernannt worden war, besuchte immer wieder die Stadt Wiener Neustadt. Dies geschah entweder zu offiziellen Anlässen oder war privater Natur, denn sein Sohn Herbert Fey war Militärakademiker. Fey, der im Rang eines Majors stand, wurde dann in der Akademie feierlich empfangen. Bekanntlich nahm sich Emil Fey, gemeinsam mit seiner Gattin Malvine und seinem 19-jährigen Sohn, am 16. März 1938 das Leben. Fey flüchtete in den Selbstmord, weil er glaubte, sichere Informationen zu besitzen, dass von der nationalsozialistischen Führung ein Schauprozess gegen ihn veranstaltet werden würde.

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