Vor 100 Jahren – Ein Reych und seine Drachenburg

Erinnerungsort

Vor 100 Jahren – Ein Reych und seine Drachenburg

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Burgplatz 1 Die „Drachenburg“ von Wiener Neustadt   Nicht nur in der Welt der Märchen und Legenden stoßen wir auf „Drachenburgen“, sondern auch in der realen Welt gibt es solche, zum Beispiel ein Schloss mit diesem Namen in Königswinter in Deutschland. Nur Wenigen ist bekannt, dass es eine „Drachenburg“ auch in Wiener Neustadt gab und gibt. Es handelt sich um den Sitz einer heute weltweit bestehenden Vereinigung, nämlich der sogenannten „Schlaraffia“. Aber was ist das? Die „Schlaraffia“ ist eine 1859 in Prag gegründete Männer-Vereinigung, die die Pflege von Kunst, Freundschaft und Humor zum Ziel hat. Es handelt sich also um keinen Geheimbund bzw. keine Geheimgesellschaft, wie die bekannten Freimaurer und Illuminaten – im Gegenteil: Über Berufliches, Religion und Politik zu sprechen, ist verboten. Vielmehr gilt der Leitspruch: „In der Kunst liegt das Vergnügen“ („in arte voluptas“), und daher stehen bei den Zusammenkünften auch die Unterhaltung und die Künste im Zentrum. Die Mitglieder Schlaraffias, die sogenannten „Sassen“, erhalten Zeit und Raum für ihre Beiträge. So wird beispielsweise gedichtet, rezitiert, komponiert, musiziert und gemalt. Die jeweiligen Beiträge werden von den anderen kommentiert und ergänzt. All dies ist Bestandteil eines „Spiels“ in einem respektvollen, freundschaftlichen, humorvollen und stets toleranten Miteinander. Es ist ein „ritterliches Spiel“, in dem es die entsprechenden ritterlichen Tugenden braucht (Höflichkeit, Wohlerzogenheit, Maßhalten, Beständigkeit, Gütigkeit etc.). Die Zusammenkünfte finden in Sitzungsräumen, sogenannten „Burgen“, statt – gleichsam abgeschottet von der Welt mit ihren Belastungen und Verpflichtungen. Die Schlaraffia ist also eine Art von Gegenwelt, in der man alles nicht allzu ernst und wichtig nimmt. Weltweit existieren rund 260 Schlaraffen-Vereine, die „Reyche“ genannt werden und insgesamt über 10.000 Mitglieder haben. In allen „Reychen“, egal ob in Europa, Nord- und Südamerika, Australien oder andernorts, wird immer deutsch gesprochen. Die „Schlaraffia Neostadia“, also der Verein in Wiener Neustadt, pflegte ihre Zusammenkünfte („Sippungen“) in ihrer Burg, die den Namen „Drachenburg“ trägt. Diese war in der ehemaligen Niederländergasse nahe dem Burgplatz. Selbstverständlich war der Versammlungsraum unter anderem mit Wappen und mittelalterlichen Waffen geziert, hatte eine große Tafel und bot genug Platz für die Spiele.  Heute befindet sich die Burg der Schlaraffia in der Neunkirchner Straße 4. Dort tragen die „Sassen“ eine entsprechende Bekleidung, die an eine „ritterliche Rüstung“ erinnert, sie pflegen ihre eigene Sprache, die mittelalterliche Begriffe enthält.  

Vor 100 Jahren – Meteorologische Daten aus Wiener Neustadt

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Burgplatz 1

Die „Drachenburg“ von Wiener Neustadt

 

Nicht nur in der Welt der Märchen und Legenden stoßen wir auf „Drachenburgen“, sondern auch in der realen Welt gibt es solche, zum Beispiel ein Schloss mit diesem Namen in Königswinter in Deutschland.

Nur Wenigen ist bekannt, dass es eine „Drachenburg“ auch in Wiener Neustadt gab und gibt. Es handelt sich um den Sitz einer heute weltweit bestehenden Vereinigung, nämlich der sogenannten „Schlaraffia“. Aber was ist das?

Die „Schlaraffia“ ist eine 1859 in Prag gegründete Männer-Vereinigung, die die Pflege von Kunst, Freundschaft und Humor zum Ziel hat. Es handelt sich also um keinen Geheimbund bzw. keine Geheimgesellschaft, wie die bekannten Freimaurer und Illuminaten – im Gegenteil: Über Berufliches, Religion und Politik zu sprechen, ist verboten. Vielmehr gilt der Leitspruch: „In der Kunst liegt das Vergnügen“ („in arte voluptas“), und daher stehen bei den Zusammenkünften auch die Unterhaltung und die Künste im Zentrum. Die Mitglieder Schlaraffias, die sogenannten „Sassen“, erhalten Zeit und Raum für ihre Beiträge. So wird beispielsweise gedichtet, rezitiert, komponiert, musiziert und gemalt. Die jeweiligen Beiträge werden von den anderen kommentiert und ergänzt. All dies ist Bestandteil eines „Spiels“ in einem respektvollen, freundschaftlichen, humorvollen und stets toleranten Miteinander. Es ist ein „ritterliches Spiel“, in dem es die entsprechenden ritterlichen Tugenden braucht (Höflichkeit, Wohlerzogenheit, Maßhalten, Beständigkeit, Gütigkeit etc.). Die Zusammenkünfte finden in Sitzungsräumen, sogenannten „Burgen“, statt – gleichsam abgeschottet von der Welt mit ihren Belastungen und Verpflichtungen. Die Schlaraffia ist also eine Art von Gegenwelt, in der man alles nicht allzu ernst und wichtig nimmt.

Weltweit existieren rund 260 Schlaraffen-Vereine, die „Reyche“ genannt werden und insgesamt über 10.000 Mitglieder haben. In allen „Reychen“, egal ob in Europa, Nord- und Südamerika, Australien oder andernorts, wird immer deutsch gesprochen.

Die „Schlaraffia Neostadia“, also der Verein in Wiener Neustadt, pflegte ihre Zusammenkünfte („Sippungen“) in ihrer Burg, die den Namen „Drachenburg“ trägt. Diese war in der ehemaligen Niederländergasse nahe dem Burgplatz. Selbstverständlich war der Versammlungsraum unter anderem mit Wappen und mittelalterlichen Waffen geziert, hatte eine große Tafel und bot genug Platz für die Spiele. 

Heute befindet sich die Burg der Schlaraffia in der Neunkirchner Straße 4. Dort tragen die „Sassen“ eine entsprechende Bekleidung, die an eine „ritterliche Rüstung“ erinnert, sie pflegen ihre eigene Sprache, die mittelalterliche Begriffe enthält.

 

Bilder

Militärakademie - die ehemalige Burg der Neustadt

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Copyright: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Versammlungsraum der Schlaraffia, 1910

Datierung: 1910 Quelle: Sammlung Setznagl Autor: Verlag Anitta, Wien Zusatzinfo: Postkarte

Stich der Neustadt von Georg Matthäus Vischer, 1672

Datierung: 1672 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Georg Matthäus Vischer Zusatzinfo: Druck