Vor 100 Jahren – Die Schwimmschule der Akademie

Erinnerungsort

Vor 100 Jahren – Die Schwimmschule der Akademie

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Burgplatz 1 Das einstige Akademiebad   „Schwimmschule“ Obgleich es heute ein Akademiebad im Osten der Stadt gibt, so ist dessen Name nur von einem älteren, dem eigentlichen Schwimmbad der Militärakademie übernommen worden. Dieses Schwimmbad, das als „Schwimmschule“ bezeichnet wurde, war 1858 in unmittelbarer Nähe im Süden der Burg errichtet worden. Das Wasser für diese Schwimmschule kam vom Kehrbach. Es handelte sich um eine von mehreren Sportstätten auf dem Gelände der Militärakademie, wo sich beispielsweise noch die Reitschule und der große Reitplatz nächst des Theresien-Platzes sowie ein Turnplatz nahe dem Monument der gefallenen Akademiker fanden. Alle diese Sportstätten waren aber nicht öffentlich, sondern diente an sich nur den Soldaten als Trainingsplatz.  Aufgrund dessen, dass die Ausbildung der Offiziere nach dem Ersten Weltkrieg nicht mehr in Wiener Neustadt stattfand – das hießt in einer Zeitphase von 1919 bis 1934 – und in der Burg eine Bundeserziehungsanstalt, die „Schule am Turm“, untergebracht war, wurde das Akademiebad bis in die 1930er Jahre zum öffentlichen Bad und daher auch von den Schülern der Bundeserziehungsanstalt genützt. Der Arbeiter-Schwimmverein pachtete nämlich die Schwimmschule als „Akademiebad“ und damit wurde es damals für die Zivilbevölkerung zugänglich. (Das Bad schien allerdings schon vor der Phase der Pacht bei der Bevölkerung gefragt gewesen zu sein und deshalb waren auch männliche Angehörige und deren Kinder früher zugelassen worden.) 1939 musste das „Akademiebad“ dem Bau der Daun-Kaserne weichen. An der Seite zum Burgplatz bzw. zur Straße stand ein hölzernes Badehaus: zum einen mit Umkleidekabinen, die sich aneinander reihten (Kabinentrakt), und zum anderen mit einem mehrstöckigen Mittelbau mit Sprungbrettern (Sprungturm). Hier zeigten die Offiziere ihr Können und ihre Körperbeherrschung.    18. und 19. Jahrhundert Seit der Zeit Maria Theresias lernte man in der militärischen Ausbildung das Schwimmen – natürlich auch Schießen, Reiten, Fechten etc. Körperliche Ertüchtigung war stets von großer Wichtigkeit im Soldatentum und im Offizierskorps.  Im 18. Jahrhundert stand ein „Badhaus“ der Militärakademie der südlichen Burgseite gegenüber, abgegrenzt durch einen Teich (den Unteren Schwimm-/Schwemm-/Fahr- bzw. Schleif-Teich) und den Stadtgraben. Man nützte im 19. Jahrhundert einen Teil des Stadtgrabens für den Bau des Beckens der „Schwimmschule“ der Militärakademie. Durch das Zuschütten des Rests des Stadtgrabens und der beiden Teiche südlich der Burg verschwand zwar das alte Bad, und mit ihm auch die Befestigungsanlage des Neunkirchner Tores, aber es wurde im Gegenzug eine an der Zeiselmauer gerade verlaufende Straße (in Verlängerung von der Günser Straße und der Neunkirchner Straße bis zum Burgplatz) errichtet und mit dem betonierten neuen Schwimmbecken auch das hölzerne Badehaus an der Straße gebaut. Übrigens hatte man schon Ende des 18. Jahrhunderts auf kaiserlichen Befehl von 1783 mit dem Zuschütten des Stadtgrabens begonnen, weil das stehende Wasser stinkende Tümpel bildete und Angst vor Erkrankungen bestand. Bis auf den Schießstattgraben im Westen und den Burggraben im Südosten wurde der Wassergraben geschlossen. Bis dieser nahezu gänzlich verschwand, dauerte es aber viele Jahrzehnte.   Andere Freibäder Auch in den anderen Schwimmbädern der Stadt, also dem städtischen Schwimmbad in der Neudörfler Straße 1 und dem Volksbad in der Neunkirchner Straße (Schlachthof-Anlagen) genossen die Bewohner der Stadt im Sommer das kühle Nass. In den Freibädern waren damals übrigens auch Turngeräte, wie zum Beispiel Reckstangen, aufgestellt.  

Vor 100 Jahren – Ein Reych und seine Drachenburg

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Burgplatz 1

Das einstige Akademiebad

 

„Schwimmschule“

Obgleich es heute ein Akademiebad im Osten der Stadt gibt, so ist dessen Name nur von einem älteren, dem eigentlichen Schwimmbad der Militärakademie übernommen worden. Dieses Schwimmbad, das als „Schwimmschule“ bezeichnet wurde, war 1858 in unmittelbarer Nähe im Süden der Burg errichtet worden. Das Wasser für diese Schwimmschule kam vom Kehrbach. Es handelte sich um eine von mehreren Sportstätten auf dem Gelände der Militärakademie, wo sich beispielsweise noch die Reitschule und der große Reitplatz nächst des Theresien-Platzes sowie ein Turnplatz nahe dem Monument der gefallenen Akademiker fanden. Alle diese Sportstätten waren aber nicht öffentlich, sondern diente an sich nur den Soldaten als Trainingsplatz. 

Aufgrund dessen, dass die Ausbildung der Offiziere nach dem Ersten Weltkrieg nicht mehr in Wiener Neustadt stattfand – das hießt in einer Zeitphase von 1919 bis 1934 – und in der Burg eine Bundeserziehungsanstalt, die „Schule am Turm“, untergebracht war, wurde das Akademiebad bis in die 1930er Jahre zum öffentlichen Bad und daher auch von den Schülern der Bundeserziehungsanstalt genützt. Der Arbeiter-Schwimmverein pachtete nämlich die Schwimmschule als „Akademiebad“ und damit wurde es damals für die Zivilbevölkerung zugänglich. (Das Bad schien allerdings schon vor der Phase der Pacht bei der Bevölkerung gefragt gewesen zu sein und deshalb waren auch männliche Angehörige und deren Kinder früher zugelassen worden.) 1939 musste das „Akademiebad“ dem Bau der Daun-Kaserne weichen.

An der Seite zum Burgplatz bzw. zur Straße stand ein hölzernes Badehaus: zum einen mit Umkleidekabinen, die sich aneinander reihten (Kabinentrakt), und zum anderen mit einem mehrstöckigen Mittelbau mit Sprungbrettern (Sprungturm). Hier zeigten die Offiziere ihr Können und ihre Körperbeherrschung. 

 

18. und 19. Jahrhundert

Seit der Zeit Maria Theresias lernte man in der militärischen Ausbildung das Schwimmen – natürlich auch Schießen, Reiten, Fechten etc. Körperliche Ertüchtigung war stets von großer Wichtigkeit im Soldatentum und im Offizierskorps. 

Im 18. Jahrhundert stand ein „Badhaus“ der Militärakademie der südlichen Burgseite gegenüber, abgegrenzt durch einen Teich (den Unteren Schwimm-/Schwemm-/Fahr- bzw. Schleif-Teich) und den Stadtgraben. Man nützte im 19. Jahrhundert einen Teil des Stadtgrabens für den Bau des Beckens der „Schwimmschule“ der Militärakademie. Durch das Zuschütten des Rests des Stadtgrabens und der beiden Teiche südlich der Burg verschwand zwar das alte Bad, und mit ihm auch die Befestigungsanlage des Neunkirchner Tores, aber es wurde im Gegenzug eine an der Zeiselmauer gerade verlaufende Straße (in Verlängerung von der Günser Straße und der Neunkirchner Straße bis zum Burgplatz) errichtet und mit dem betonierten neuen Schwimmbecken auch das hölzerne Badehaus an der Straße gebaut.

Übrigens hatte man schon Ende des 18. Jahrhunderts auf kaiserlichen Befehl von 1783 mit dem Zuschütten des Stadtgrabens begonnen, weil das stehende Wasser stinkende Tümpel bildete und Angst vor Erkrankungen bestand. Bis auf den Schießstattgraben im Westen und den Burggraben im Südosten wurde der Wassergraben geschlossen. Bis dieser nahezu gänzlich verschwand, dauerte es aber viele Jahrzehnte.

 

Andere Freibäder

Auch in den anderen Schwimmbädern der Stadt, also dem städtischen Schwimmbad in der Neudörfler Straße 1 und dem Volksbad in der Neunkirchner Straße (Schlachthof-Anlagen) genossen die Bewohner der Stadt im Sommer das kühle Nass. In den Freibädern waren damals übrigens auch Turngeräte, wie zum Beispiel Reckstangen, aufgestellt.

 

Bilder

Areal zwischen der Militärakadamie und der Daun-Kaserne

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Copyright: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Badeanstalt der Akademie, vor 1918

Das Becken wies nach Norden und Süden eine abgerundete Form auf und erstreckte sich auf diese Weise t-förmig bis zum jeweiligen Ende des hölzernen Badehauses mit seinen Umkleidekabinen.
Datierung: vor 1918 Quelle: Sammlung Habitsch Autor: unbekannt Zusatzinfo: Postkarten-Digitalisat

Mittelbau der Schwimmschule, um 1910

Schwimmen hatten die Kadetten der Akademie bereits zu Zeiten Maria Theresias gelernt. Später war es, wie das Turnen, ein Teil der körperlichen Ertüchtigung (zum Beispiel bei "Turn- und Fechtkursen").
Datierung: um 1910 Quelle: Sammlung Habitsch Autor: unbekannt Zusatzinfo: Foto-Digitalisat

Mittelbau der Akademiebades als Sprungturm, um 1910

Datierung: um 1910 Quelle: Sammlung Habitsch Autor: unbekannt Zusatzinfo: Foto-Digitalisat

Der Sprungturm in einer Nahaufnahme, um 1910

Datierung: um 1910 Quelle: Sammlung Habitsch Autor: unbekannt Zusatzinfo: Foto-Digitalisat

"Akademiebad" zur Zeit, als die MilAk die Bundeserziehungsanstalt war, 1930

Datierung: 1930 Quelle: Sammlung Setznagl Autor: Verlag Ledermann, Wien Zusatzinfo: Foto als Postkarte

Ausschnitt aus einem Luftbild mit dem Akademiebad, 1936

Das Luftbild zeigt die T-Form des Bades und lässt angesichts der angrenzenden Gebäude seine Position und die Ausdehnung erkennen.
Datierung: 1936 Quelle: Sammlung Setznagl Autor: Verlag Rudolf Hodina, Wien Zusatzinfo: Foto als Postkarte

Ausschnitt aus einer Fotografie des Areals südlich der Akademie, 1960er Jahre

1939/40 war die Daun-Kaserne erbaut worden und mit ihr das Bad verschwunden. In einem der entlang der Akademiemauer straßenseitig errichteten Häuser (nahe dem ehemaligen Akademiebad) wurde eine bekannte Verkaufsstelle für NSU-Motorräder eingerichtet.
Datierung: 1960er Jahre Quelle: Sammlung Witetschka Autor: unbekannt Zusatzinfo: Foto