Wohn- und Geschäftshaus - Neunkirchner Straße 15 - Camilla Frydan

Erinnerungsort

Wohn- und Geschäftshaus - Neunkirchner Straße 15 - Camilla Frydan

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Wohn- und Geschäftshaus – Neunkirchner Straße 15 Künstlerisches Multitalent Camilla Frydan – Pianistin, Sängerin, Komponistin, Verlegerin Camilla „Lilly“ Herzl wurde als Kind des jüdischen Bankangestellten Heinrich Herzl und seiner Gattin Cäcilie am 3. Juni 1887 in Wiener Neustadt geboren. Sie erhielt sehr früh Klavierunterricht und gab ihr erstes Konzert bereits im zarten Alter von nur fünf Jahren im Ehrbar-Saal in Wien. Camilla genoss, nach einem kurzen Besuch des Konservatoriums für Musik und darstellende Kunst 1901 in Wien (Ausbildung bei Wilhelm Rauch), eine private Klavierausbildung bei dem englischen Konzertpianisten John Charles Mynotti und Harmonie- und Kompositionslehre bei ihrem Bruder Ludwig. Da sie eine Karriere als Sängerin anstrebte, erhielt sie bei Kammersängerin Marianne Brandt Gesangsunterricht. 1907 wurde sie am Raimund-Theater in Wien als Soubrette engagiert und trat dort unter dem Namen Herzer auf. Verpflichtungen an der „Neuen Wiener Bühne“ und am Kabarett „Fledermaus“ folgten. 1909 begann Camilla eigene Werke zu komponieren. 1910 wandte sie sich von ihrer jüdischen Herkunft ab, konvertierte zum evangelischen Glauben und heiratete den älteren Bruder von Egon Friedell (eigentlich Friedmann). Durch ihren Ehemann Oskar, einem Librettisten, Autor und Journalisten, der mit damals namhaften Künstlern, beispielsweise mit Franz Lehár, Edmund Eysler und Carl Michael Ziehrer, zusammenarbeitete, kam sie mit vielen Künstlern in Kontakt. Als Komponistin von Operetten, Schlagern, Klavier-Liedern und Konzertliedern feierte sie unter dem Künstlernamen Frydan, den sie um das Jahr 1911 angenommen hatte, Erfolge. Kunstkritiker lobten besonders ihre Operette „Baron Menelaus“ (Wien 1919). Ihre Karriere führte sie bisweilen nach Deutschland, wo sie mehrere Revuen für Berliner Kleinkunstbühnen schrieb, darunter die erfolgreichen Revuen „Nachtausgabe“ und „Koche mit G`spuss“ (Berlin 1935). Camilla gründete den Frydan-Verlag und in Zusammenarbeit mit ihrem Mann auch den Orpheus- und Banjo-Verlag in Berlin. 1930 vollendete sie den „Prominenten Almanach“, ein Projekt ihres 1929 verstorbenen Mannes. 1936/37 kehrte sie zwar aus Berlin nach Wien zurück, musste aber 1938 in die Schweiz fliehen und emigrierte 1939 in die USA. In New York gründete sie das Unternehmen „Empress Music Publishing“ und arbeitete als Verlegerin. Ihr werden als Komponistin zirka 500 Einzelnummern zugeschrieben, darunter musikalische Beiträge zu Kabarett- und Varieté-Programmen sowie Liedmusik, die in Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller und Schlagertexter Erwin Louis Weill entstanden sind. Camilla Frydan, geborene Herzl, verstarb am 13. Juni 1949 in New York.   Quellen/Literatur: Werner Sulzgruber, Das jüdische Wiener Neustadt. Geschichte und Zeugnisse jüdischen Lebens vom 13. bis ins 20. Jahrhundert, Wien 2010. http://www.musiklexikon.ac.at http://sophie.byu.edu/authors/camilla-frydan  

Gedenktafel Leopold Ungar - Burgplatz 5

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Wohn- und Geschäftshaus – Neunkirchner Straße 15

Künstlerisches Multitalent Camilla Frydan – Pianistin, Sängerin, Komponistin, Verlegerin

Camilla „Lilly“ Herzl wurde als Kind des jüdischen Bankangestellten Heinrich Herzl und seiner Gattin Cäcilie am 3. Juni 1887 in Wiener Neustadt geboren. Sie erhielt sehr früh Klavierunterricht und gab ihr erstes Konzert bereits im zarten Alter von nur fünf Jahren im Ehrbar-Saal in Wien. Camilla genoss, nach einem kurzen Besuch des Konservatoriums für Musik und darstellende Kunst 1901 in Wien (Ausbildung bei Wilhelm Rauch), eine private Klavierausbildung bei dem englischen Konzertpianisten John Charles Mynotti und Harmonie- und Kompositionslehre bei ihrem Bruder Ludwig. Da sie eine Karriere als Sängerin anstrebte, erhielt sie bei Kammersängerin Marianne Brandt Gesangsunterricht. 1907 wurde sie am Raimund-Theater in Wien als Soubrette engagiert und trat dort unter dem Namen Herzer auf. Verpflichtungen an der „Neuen Wiener Bühne“ und am Kabarett „Fledermaus“ folgten.

1909 begann Camilla eigene Werke zu komponieren. 1910 wandte sie sich von ihrer jüdischen Herkunft ab, konvertierte zum evangelischen Glauben und heiratete den älteren Bruder von Egon Friedell (eigentlich Friedmann). Durch ihren Ehemann Oskar, einem Librettisten, Autor und Journalisten, der mit damals namhaften Künstlern, beispielsweise mit Franz Lehár, Edmund Eysler und Carl Michael Ziehrer, zusammenarbeitete, kam sie mit vielen Künstlern in Kontakt.

Als Komponistin von Operetten, Schlagern, Klavier-Liedern und Konzertliedern feierte sie unter dem Künstlernamen Frydan, den sie um das Jahr 1911 angenommen hatte, Erfolge. Kunstkritiker lobten besonders ihre Operette „Baron Menelaus“ (Wien 1919).

Ihre Karriere führte sie bisweilen nach Deutschland, wo sie mehrere Revuen für Berliner Kleinkunstbühnen schrieb, darunter die erfolgreichen Revuen „Nachtausgabe“ und „Koche mit G`spuss“ (Berlin 1935). Camilla gründete den Frydan-Verlag und in Zusammenarbeit mit ihrem Mann auch den Orpheus- und Banjo-Verlag in Berlin. 1930 vollendete sie den „Prominenten Almanach“, ein Projekt ihres 1929 verstorbenen Mannes.

1936/37 kehrte sie zwar aus Berlin nach Wien zurück, musste aber 1938 in die Schweiz fliehen und emigrierte 1939 in die USA. In New York gründete sie das Unternehmen „Empress Music Publishing“ und arbeitete als Verlegerin. Ihr werden als Komponistin zirka 500 Einzelnummern zugeschrieben, darunter musikalische Beiträge zu Kabarett- und Varieté-Programmen sowie Liedmusik, die in Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller und Schlagertexter Erwin Louis Weill entstanden sind.

Camilla Frydan, geborene Herzl, verstarb am 13. Juni 1949 in New York.

 

Quellen/Literatur:
Werner Sulzgruber, Das jüdische Wiener Neustadt. Geschichte und Zeugnisse jüdischen Lebens vom 13. bis ins 20. Jahrhundert, Wien 2010.
http://www.musiklexikon.ac.at
http://sophie.byu.edu/authors/camilla-frydan

 

Bilder

Blick auf das Haus Neunkirchner Straße 15 und die davorstehende "Kuckucksuhr"

Datierung: 2015 Autor: Foto Marcel Billaudet

Frontansicht des Gebäudes Neunkirchner Straße 15 mit seiner unansehnlichen Fassade

Datierung: 2015 Autor: Foto Marcel Billaudet

Camilla Frydan, ca. 1930

Datierung: 1930 Quelle: Prominenten Almanach Autor: unbekannt

Camillas Schwager Egon Friedell, der 1938 Selbstmord beging, o. J.

Datierung: o. J. Quelle: Prominenten Almanach Autor: unbekannt Zusatzinfo: Scan

Musikstück mit dem Titel „Abschiedsbrief“ von Camilla Frydan, mit dem Text von Erwin Weill, 1920

Datierung: 1920 Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Frydan_Abschiedsbrief_01.jpg