Gebäudeecke - Hauptplatz 1/Neunkirchner Straße 2 - Eisenkette

Erinnerungsort

Gebäudeecke - Hauptplatz 1/Neunkirchner Straße 2 - Eisenkette

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Gebäudeecke – Hauptplatz 1/Neunkirchner Straße Das Märchen von der Wiener Neustädter Schabbat-Kette Immer wieder wurde behauptet, dass der Eisenring, der an der Ostseite des Wiener Neustädter Rathauses eingelassen ist, einst der Anbringung der Schabbat-Kette gedient hätte. Dabei stellte man gerne den Vergleich mit Eisenstadt her, wo tatsächlich eine solche Schabbat-Kette den Eingang zum jüdischen Viertel markierte. Vom späten 17. Jahrhundert bis 1938 befanden sich am „unteren Eingang“ das jüdische Viertels in Eisenstadt zwei steinerne Pfeiler, die als Aufhängung für eine Eisenkette dienten: die Schabbat-Kette, mit der man von Freitagabend bis Samstagabend – aber auch an jüdischen Feiertagen – die Zufahrt versperrte. Auf diese Weise wurde die religionsgesetzlich vorgeschriebene Schabbat-Ruhe angezeigt und von den gläubigen Juden und Jüdinnen eingehalten. Im Falle von Wiener Neustadt ist dies jedoch völlig aus der Luft gegriffen, denn seit dem Ende des 15. Jahrhunderts gab es kein jüdisches Viertel mehr in der Steinfeldstadt. Im Mittelalter hatte sich das jüdische Viertel außerdem an anderer Stelle befunden, nämlich westlich des Hauptplatzes, und es gab erst mit Ende des 15. Jahrhunderts den heute noch bestehenden Durchgang vom Hauptplatz zum Allerheiligenplatz, wo sich die Synagoge befunden hatte. Die wichtige Nord-Süd-Verbindung zwischen der Neunkirchner Straße und dem Hauptplatz abzusperren, wäre absurd gewesen. Welchen Zweck diese Mauerverankerung aber tatsächlich erfüllt haben könnte, ist unklar. Vielleicht handelte es sich um eine Möglichkeit, dort Pferde anzubinden.   Quellen/Literatur:Werner Sulzgruber, Das jüdische Wiener Neustadt. Geschichte und Zeugnisse jüdischen Lebens vom 13. bis ins 20. Jahrhundert, Wien 2010.http://www.ojm.at  

Ein Fenster in die jüdische Geschichte - Hauptplatz 13 - Zahnatelier Braunberg

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Gebäudeecke – Hauptplatz 1/Neunkirchner Straße

Das Märchen von der Wiener Neustädter Schabbat-Kette

Immer wieder wurde behauptet, dass der Eisenring, der an der Ostseite des Wiener Neustädter Rathauses eingelassen ist, einst der Anbringung der Schabbat-Kette gedient hätte. Dabei stellte man gerne den Vergleich mit Eisenstadt her, wo tatsächlich eine solche Schabbat-Kette den Eingang zum jüdischen Viertel markierte.

Vom späten 17. Jahrhundert bis 1938 befanden sich am „unteren Eingang“ das jüdische Viertels in Eisenstadt zwei steinerne Pfeiler, die als Aufhängung für eine Eisenkette dienten: die Schabbat-Kette, mit der man von Freitagabend bis Samstagabend – aber auch an jüdischen Feiertagen – die Zufahrt versperrte. Auf diese Weise wurde die religionsgesetzlich vorgeschriebene Schabbat-Ruhe angezeigt und von den gläubigen Juden und Jüdinnen eingehalten.

Im Falle von Wiener Neustadt ist dies jedoch völlig aus der Luft gegriffen, denn seit dem Ende des 15. Jahrhunderts gab es kein jüdisches Viertel mehr in der Steinfeldstadt. Im Mittelalter hatte sich das jüdische Viertel außerdem an anderer Stelle befunden, nämlich westlich des Hauptplatzes, und es gab erst mit Ende des 15. Jahrhunderts den heute noch bestehenden Durchgang vom Hauptplatz zum Allerheiligenplatz, wo sich die Synagoge befunden hatte. Die wichtige Nord-Süd-Verbindung zwischen der Neunkirchner Straße und dem Hauptplatz abzusperren, wäre absurd gewesen.

Welchen Zweck diese Mauerverankerung aber tatsächlich erfüllt haben könnte, ist unklar. Vielleicht handelte es sich um eine Möglichkeit, dort Pferde anzubinden.

 

Quellen/Literatur:
Werner Sulzgruber, Das jüdische Wiener Neustadt. Geschichte und Zeugnisse jüdischen Lebens vom 13. bis ins 20. Jahrhundert, Wien 2010.
http://www.ojm.at

 

Bilder

Zugang vom Hauptplatz zur Neunkirchner Straße

Datierung: 2015 Autor: Foto Marcel Billaudet

Nahaufnahme der nordöstlichen Gebäudeecke des Rathauses

Datierung: 2015 Autor: Foto Marcel Billaudet

Nahaufnahme der eingelassenen Kettenteile

Datierung: 2015 Autor: Foto Marcel Billaudet

Historische Aufnahme von der geschlossenen Schabbat-Kette in Eisenstadt, 1920er Jahre

Datierung: 1920er Jahre Quelle: ÖJM Autor: unbekannt Zusatzinfo: Fotografie

Ausschnitt aus einer Correspondenz-Karte mit dem Rathaus als Bildmotiv, 1900

Der Bereich, wo sich heute das eingelassene Eisen befindet, war um 1900 durch Anschlagtafeln verbaut, später auch durch Holzfassaden für die Geschäfte im Erdgeschoß des Rathauses.
Datierung: 1900 Quelle: Verlag Anton Folk Autor: Gottwald Zusatzinfo: Postkarte