Buchbinderei Wladika – Der Letzte seiner Zunft

Erinnerungsort

Buchbinderei Wladika – Der Letzte seiner Zunft

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Brodtischgasse 7 Buchbinderei Wladika – Der Letzte seiner Zunft   Buchbinderei als Handwerk in Wiener Neustadt Das Handwerk der Buchbinder ist von den Buchdruckern, Papierern und Buchhändlern zu unterscheiden. Nach Josef Mayers „Geschichte von Wiener Neustadt“ ist erstmals 1688 das Gewerbe des Buchbindens in Wiener Neustadt dokumentiert, als sich damals die Buchbinder über die Händler, die Papier und Karten verkauften, beklagten. Die Buchbinder konnten damals auch Verleger (von Druckschriften und Büchern) sein. Rund hundert Jahre später, 1786, sind für Wiener Neustadt ein Buchdrucker und ein Papierer genannt. 1810 und 1811 waren nachweislich zwei Buchbinder tätig, denen vom Stadtrat der Verkauf von „Buch- und Kunsthandlungswaren, von Tuschfarben, Visitkarten und kleinen Bildern“ gestattet wurde, was allerdings den ansässigen Buchhändlern wiederum ein Dorn im Auge war. So hatten die beiden Buchbinder ihren Verkauf schließlich einzustellen, nachdem sich der Buchhändler Veit Holzschuh erfolgreich über sie beim Magistrat beschwert hatte. 1834 ist für die Stadt wieder nur ein Buchbinder gezählt worden, der hier das Auslangen in seinem Handwerk fand.   Der Familienbetrieb Wladika Josef Konrad Wladika führt heute – obgleich er längst in Pension ist und in den verdienten Ruhestand gehen könnte – als Letzter seiner Zunft eine Buchbinderei in der Brodtischgasse: aus Liebe zum Handwerk. Sein Großvater, Josef Wladika, hatte seinen Beruf als Bahnbeamter aufgegeben und von 1887 bis 1890 in Wiener Neustadt eine Lehre zum Buchbinder gemacht, also zu einem Zeitpunkt, als dies in der Steinfeldstadt noch möglich war. Er gründete 1901 seinen Betrieb in der Brodtischgasse (damals noch an der Adresse Nr. 23). Sein Sohn, der ebenfalls den Vornamen des Vaters Josef trug, legte 1924 die Meisterprüfung in Wien ab und übernahm unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, 1946, den Betrieb. Er war außerdem als Meister in der Buchdruckerei Gutenberg, nämlich der dortigen Buchbinderei, angestellt. Seine kleine Buchbinderei in der Brodtischgasse hatte er mit einer Reihe von Maschinen (für den Manufaktur-Betrieb) ausgestattet, die die Arbeiten erheblich erleichterten und auch beschleunigten. 1968 trat Josef Konrad Wladika wiederum in die Fußstapfen seines Vaters, nachdem er 1967 mit der Meisterprüfung in Wien zu einem Meister seines Faches geworden war. Er übernahm den Betrieb, der sich seit den 1920er Jahren in der Brodtischgasse 7 befand. Mit großer Sorgfalt und in alter Manier werden dort bis heute Bücher gebunden und geprägt. Dafür werden besondere Maschinen verwendet, die  jeweils bestimmte Funktionen erfüllen. Ihre Bandbreite reicht von außergewöhnlichen Schneidegeräten, wie der „Papp-Schere“, einer Präge-Presse, einer Perforier-Maschine, einer Block-Heft-Maschine bis zu kleineren und größeren (Hand-)Pressen, wie der eindrucksvollen „Spindelpresse“. Der Besucher gewinnt bei einem Blick in die Werkstatt einen faszinierenden Eindruck von der Tradition des Buchbindens und von den unterschiedlichen Arbeitsschritten im fast ausgestorbenen Buchbinderei-Handwerk.   Die letzten Buchbinder Die Zahl der sieben Buchbinder der Stadt, die es noch Mitte der 1920er Jahre gab – Adolf Dangl (Lederergasse 4), Otto Greditsch (Herzog-Leopold-Straße 26), die Druck- und Verlagsanstalt GmbH „Gutenberg“ (Wiener Straße 66), A. J. Kuderna (Hauptplatz 33), Johann Schwarz (Ezilingasse 28), Richard Vollkron (Brodtischgasse 4) und Josef Wladika (Brodtischgasse 7) –, schrumpfte bis vor den Zweiten Weltkrieg auf fast die Hälfte. Heute ist nur noch die letztgenannte Buchbinderei, Wladika, übrig.  

Handschuhmacher Saik – Der älteste Handwerksbetrieb der Stadt

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Brodtischgasse 7

Buchbinderei Wladika – Der Letzte seiner Zunft

 

Buchbinderei als Handwerk in Wiener Neustadt

Das Handwerk der Buchbinder ist von den Buchdruckern, Papierern und Buchhändlern zu unterscheiden. Nach Josef Mayers „Geschichte von Wiener Neustadt“ ist erstmals 1688 das Gewerbe des Buchbindens in Wiener Neustadt dokumentiert, als sich damals die Buchbinder über die Händler, die Papier und Karten verkauften, beklagten. Die Buchbinder konnten damals auch Verleger (von Druckschriften und Büchern) sein.

Rund hundert Jahre später, 1786, sind für Wiener Neustadt ein Buchdrucker und ein Papierer genannt. 1810 und 1811 waren nachweislich zwei Buchbinder tätig, denen vom Stadtrat der Verkauf von „Buch- und Kunsthandlungswaren, von Tuschfarben, Visitkarten und kleinen Bildern“ gestattet wurde, was allerdings den ansässigen Buchhändlern wiederum ein Dorn im Auge war. So hatten die beiden Buchbinder ihren Verkauf schließlich einzustellen, nachdem sich der Buchhändler Veit Holzschuh erfolgreich über sie beim Magistrat beschwert hatte. 1834 ist für die Stadt wieder nur ein Buchbinder gezählt worden, der hier das Auslangen in seinem Handwerk fand.

 

Der Familienbetrieb Wladika

Josef Konrad Wladika führt heute – obgleich er längst in Pension ist und in den verdienten Ruhestand gehen könnte – als Letzter seiner Zunft eine Buchbinderei in der Brodtischgasse: aus Liebe zum Handwerk. Sein Großvater, Josef Wladika, hatte seinen Beruf als Bahnbeamter aufgegeben und von 1887 bis 1890 in Wiener Neustadt eine Lehre zum Buchbinder gemacht, also zu einem Zeitpunkt, als dies in der Steinfeldstadt noch möglich war. Er gründete 1901 seinen Betrieb in der Brodtischgasse (damals noch an der Adresse Nr. 23).

Sein Sohn, der ebenfalls den Vornamen des Vaters Josef trug, legte 1924 die Meisterprüfung in Wien ab und übernahm unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, 1946, den Betrieb. Er war außerdem als Meister in der Buchdruckerei Gutenberg, nämlich der dortigen Buchbinderei, angestellt. Seine kleine Buchbinderei in der Brodtischgasse hatte er mit einer Reihe von Maschinen (für den Manufaktur-Betrieb) ausgestattet, die die Arbeiten erheblich erleichterten und auch beschleunigten.

1968 trat Josef Konrad Wladika wiederum in die Fußstapfen seines Vaters, nachdem er 1967 mit der Meisterprüfung in Wien zu einem Meister seines Faches geworden war. Er übernahm den Betrieb, der sich seit den 1920er Jahren in der Brodtischgasse 7 befand. Mit großer Sorgfalt und in alter Manier werden dort bis heute Bücher gebunden und geprägt. Dafür werden besondere Maschinen verwendet, die  jeweils bestimmte Funktionen erfüllen. Ihre Bandbreite reicht von außergewöhnlichen Schneidegeräten, wie der „Papp-Schere“, einer Präge-Presse, einer Perforier-Maschine, einer Block-Heft-Maschine bis zu kleineren und größeren (Hand-)Pressen, wie der eindrucksvollen „Spindelpresse“. Der Besucher gewinnt bei einem Blick in die Werkstatt einen faszinierenden Eindruck von der Tradition des Buchbindens und von den unterschiedlichen Arbeitsschritten im fast ausgestorbenen Buchbinderei-Handwerk.

 

Die letzten Buchbinder

Die Zahl der sieben Buchbinder der Stadt, die es noch Mitte der 1920er Jahre gab – Adolf Dangl (Lederergasse 4), Otto Greditsch (Herzog-Leopold-Straße 26), die Druck- und Verlagsanstalt GmbH „Gutenberg“ (Wiener Straße 66), A. J. Kuderna (Hauptplatz 33), Johann Schwarz (Ezilingasse 28), Richard Vollkron (Brodtischgasse 4) und Josef Wladika (Brodtischgasse 7) –, schrumpfte bis vor den Zweiten Weltkrieg auf fast die Hälfte. Heute ist nur noch die letztgenannte Buchbinderei, Wladika, übrig.

 

Bilder

Buchbinderei Wladika in der Brodtischgasse 7

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Das schmale Portal des Geschäfts der Buchbinderei Wladika

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Blick von Südwesten auf die Gebäudefront Brodtischgasse 7

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Nördliche Brodtischgasse mit Zunftzeichen, 1904

Datierung: 1904 Quelle: Sammlung Setznagl Autor: Verlag Popper, Wien Zusatzinfo: Postkarte

Geschäftsportal Josef Wladika, Brodtischgasse 7, 1920er Jahre

Datierung: 1920er Jahre Quelle: Sammlung Wladika Autor: unbekannt Zusatzinfo: Foto

Josef Wladika senior, 1930er Jahre

Datierung: 1930er Jahre Quelle: Sammlung Wladika Autor: unbekannt Zusatzinfo: Foto

Inserat der Buchbinderei (noch für die alte Adresse Nr. 23), um 1910

Datierung: um 1910 Quelle: Sammlung Wladika Autor: unbekannt Zusatzinfo: Druck

Lehrbrief von Josef Wladika, 1890

Datierung: 1890 Quelle: Sammlung Wladika Autor: Foto Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Druck

Detail des Lehrbriefs von Josef Wladika, 1890

Datierung: 1890 Quelle: Sammlung Wladika Autor: Foto Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Druck

Josef Wladika junior, 1950er Jahre

Datierung: 1950er Jahre Quelle: Sammlung Wladika Zusatzinfo: Foto

Meisterprüfungszeugnis von Josef Wladika jun., 1924

Datierung: 1924 Quelle: Sammlung Wladika Autor: Foto Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Druck

Prägepresse im Handwerksbetrieb Wladika

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Nahaufnahme der Platte der Prägepresse

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Marken-Schild, Josef Anger & Söhne, der Prägepresse

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Präge-Model aus Messing in einer Lade der Schriften bzw. Größen

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Papp-Schere für den Zuschnitt

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Seitenansicht der Papp-Schere mit Schnittfang

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Papp-Schere mit Justierungen

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Detail der Papp-Schere: Gewicht des Schneide-Hebels

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Detail der Papp-Schere: Auflagefläche mit Lineal

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Kleine Handpresse

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Handpresse für eine kleine Anzahl von Büchern

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Große Spindelpresse für Großformate und höhere Stückzahlen

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Nahaufnahme der Spindelpresse mit ihrem Pressgut

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Nahaufnahme der Gewinde-Spindel der Spindelpresse

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Seitenansicht der großen Spindelpresse

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Marken-Schild, Josef Anger & Söhne Wien, der Spindelpresse

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Perforierungs-Maschine

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Marken-Schild der Perforierungs-Maschine

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Block-Heft-Maschine der Marke Agrafix

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Nahaufnahme der Block-Heft-Maschine

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Auflagefläche und Mechanismus der Block-Heft-Maschine

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto