Tomann Optik – Ein Wiener Neustädter Traditionsbetrieb

Erinnerungsort

Tomann Optik – Ein Wiener Neustädter Traditionsbetrieb

47.813260

16.241951

Herzog-Leopold-Straße 5 und Allerheiligengasse 8 Tomann Optik – Ein Wiener Neustädter Traditionsbetrieb   Optische Geräte und Sehhilfen im 18. und 19. Jahrhundert Die Anfänge der Optiker liegen in der Steinfeldstadt in Dunkeln. Wir wissen nur, dass die Glaser sich im Schleifen von Glas versuchten, ihnen dies aber vom städtischen Rat untersagt wurde. Sogenannte „optische Geräte“ wurden in Wiener Neustadt nicht produziert, sondern anfangs – vor rund 220 Jahren – nur verkauft. Zum Ende des 18. Jahrhunderts erwarb Josef Adam, Professor an der k. k. Militärakademie, die Bewilligung, mit „optischen, physikalischen und mathematischen Geräten“ zu handeln. Brillen, wie wir sie heute kennen, waren bis in das 18. Jahrhundert nicht in Verwendung. Anfang des 19. Jahrhunderts setzte sich im deutschsprachigen Raum das Monokel (ein randloses, rundes Brillenglas) durch; es wurde in Österreich als „Ringstecher“ bezeichnet. Doppelte Gläser mit einem Griff an der Seite, der aus Horn, Perlmutt oder Silber bestand, wurden „Lorgnette“ genannt und damals von Damen als Sehhilfe benutzt. In Österreich kamen erst nach 1850 die Ohrenbrillen in Verwendung, nachdem Brillengläser (zwei Gläser in einer Fassung) zuvor nur vor die Augen gehalten oder auf die Nase geklemmt worden waren. Erste moderne Handwerksbetriebe und Manufakturen für geschliffenes Brillenglas und Brillenoptik, wie jener des bekannten Mechaniker- und Optikermeisters Voigtländer in Wien, kamen in Österreich ab 1815 auf.   Optikermeister Viktor Tomann  In den frühen 1920er Jahren gab es in Wiener Neustadt zwei Optiker-Betriebe, nämlich den von Paula Schirmer („Schirmer's Wilhelm Witwe“) in der Neunkirchner Straße 2 und von Viktor Tomann in der Herrengasse 11. Mitte der 1920er Jahre kam Otto Schleiffelder in der Wiener Straße 14 hinzu. Die Firma Tomann ist demnach der älteste heute noch bestehende Betrieb dieser Art in Wiener Neustadt. Optikermeister Viktor Tomann führte zuerst an einem bzw. zwei Standorten, konkret in der Herrengasse 11 und kurzzeitig auch am Hauptplatz 10, seinen Optiker-Betrieb. Spätestens 1930 hatte er dann endgültig in der Herzog-Leopold-Straße 5 sein Geschäft. Betriebe führte er außerdem in Wien – mit einer Filiale in der Stumpergasse 54 (6. Bezirk) und einer Werkstätte am Margaretenplatz 8 (5. Bezirk). Gegen Ende der 1930er Jahre kam eine Filiale in Eisenstadt hinzu. Zum einen erzeugte Viktor Tomann „optische Waren“ in seiner eigenen Werkstätte und handelte mit optischen Geräten, zum anderen war er als Fotograf tätig. In seinem Sortiment fanden sich sowohl die gängigen Augen- bzw. Brillengläser als auch Qualitätsprodukte der Firma Zeiss (Carl Zeiss, Jena), wie Feldstecher und Punktalgläser (besonders geschliffene Brillengläser). Er setzte auf die moderne Augenoptik und optische Hilfen und Geräte, wie Lupen, Mikroskope, Fernrohre, kleine Gucker, Glas-Linsen u.v.a. Im Vordergrund der Werbung stand in der Vorkriegszeit der Name Zeiss – der heute in der Branche immer noch ein Begriff ist. Darüber hinaus erhielt man bei ihm beispielsweise Radioapparate, Bestandteile für Radios und Ladestationen für Akkumulatoren sowie Messinstrumente, wie Thermometer, Barometer und Waagen. Ältere und körperlich eingeschränkte Menschen konnten Hörapparate (für Schwerhörige) und Augenprothesen erwerben.   Fotografie und Zeit-Dokumente über Wiener Neustadt In der Fototechnik verkaufte er Fotoapparate und Zubehör, wie zum Beispiel Foto-Papiere, Platten und Filme der Marke „Mimosa“ und „Agfa“. Beworben wurde die vergleichsweise kostengünstige „Agfa-Box“, die ab 1930 auf den Markt kam und für das private Fotografieren breite Verwendung fand. Da die Bewohner der Stadt und der Region auch selbst Fotos entwickelten, konnte man bei der Firma Tomann außerdem Fotolabor-Ausrüstungen kaufen. Viktor Tomann war ein Mann, der die Wiener Neustädter und Ereignisse seiner Zeit mit seiner Fotokamera auf Bildern verewigte. Vor allem an Festtagen und zu Veranstaltungen schossen Viktor Tomann und später sein Sohn Fotos in der Stadt, die sie dann in den Auslagen des Geschäfts in der Herzog-Leopold-Straße für die Passanten präsentierten: auf großen Karton-Platten aufgezogen, aneinander gereiht und nummeriert. Kunden wurden auf diese Weise zum Stehenbleiben und Betrachten veranlasst; sie konnten die von ihnen gewünschten Fotografien (nach der jeweiligen Nummer) auswählen und bestellen.  Als Fotograf dokumentierte Viktor Tomann gleichsam die Stadtgeschichte mit seiner Kamera. Der Traditionsbetrieb, der sich zunehmend auf die Augenoptik spezialisiert hat, verfügt heute über zwei Standorte in der Innenstadt: in der Allerheiligengasse 8 und altbewährt in der Herzog-Leopold-Straße 5. An Zweiterem sind noch die historischen Ausstattungselemente des Geschäfts aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu finden und vermitteln uns einen Eindruck von der Geschäftswelt „von damals“ in unserer Stadt.    Website der Firma Tomann: http://www.tomannoptik.at/  

Café Witetschka – Ein magischer Ort

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Herzog-Leopold-Straße 5 und Allerheiligengasse 8

Tomann Optik – Ein Wiener Neustädter Traditionsbetrieb

 

Optische Geräte und Sehhilfen im 18. und 19. Jahrhundert

Die Anfänge der Optiker liegen in der Steinfeldstadt in Dunkeln. Wir wissen nur, dass die Glaser sich im Schleifen von Glas versuchten, ihnen dies aber vom städtischen Rat untersagt wurde. Sogenannte „optische Geräte“ wurden in Wiener Neustadt nicht produziert, sondern anfangs – vor rund 220 Jahren – nur verkauft. Zum Ende des 18. Jahrhunderts erwarb Josef Adam, Professor an der k. k. Militärakademie, die Bewilligung, mit „optischen, physikalischen und mathematischen Geräten“ zu handeln.

Brillen, wie wir sie heute kennen, waren bis in das 18. Jahrhundert nicht in Verwendung. Anfang des 19. Jahrhunderts setzte sich im deutschsprachigen Raum das Monokel (ein randloses, rundes Brillenglas) durch; es wurde in Österreich als „Ringstecher“ bezeichnet. Doppelte Gläser mit einem Griff an der Seite, der aus Horn, Perlmutt oder Silber bestand, wurden „Lorgnette“ genannt und damals von Damen als Sehhilfe benutzt. In Österreich kamen erst nach 1850 die Ohrenbrillen in Verwendung, nachdem Brillengläser (zwei Gläser in einer Fassung) zuvor nur vor die Augen gehalten oder auf die Nase geklemmt worden waren. Erste moderne Handwerksbetriebe und Manufakturen für geschliffenes Brillenglas und Brillenoptik, wie jener des bekannten Mechaniker- und Optikermeisters Voigtländer in Wien, kamen in Österreich ab 1815 auf.

 

Optikermeister Viktor Tomann 

In den frühen 1920er Jahren gab es in Wiener Neustadt zwei Optiker-Betriebe, nämlich den von Paula Schirmer („Schirmer's Wilhelm Witwe“) in der Neunkirchner Straße 2 und von Viktor Tomann in der Herrengasse 11. Mitte der 1920er Jahre kam Otto Schleiffelder in der Wiener Straße 14 hinzu. Die Firma Tomann ist demnach der älteste heute noch bestehende Betrieb dieser Art in Wiener Neustadt.

Optikermeister Viktor Tomann führte zuerst an einem bzw. zwei Standorten, konkret in der Herrengasse 11 und kurzzeitig auch am Hauptplatz 10, seinen Optiker-Betrieb. Spätestens 1930 hatte er dann endgültig in der Herzog-Leopold-Straße 5 sein Geschäft. Betriebe führte er außerdem in Wien – mit einer Filiale in der Stumpergasse 54 (6. Bezirk) und einer Werkstätte am Margaretenplatz 8 (5. Bezirk). Gegen Ende der 1930er Jahre kam eine Filiale in Eisenstadt hinzu.

Zum einen erzeugte Viktor Tomann „optische Waren“ in seiner eigenen Werkstätte und handelte mit optischen Geräten, zum anderen war er als Fotograf tätig. In seinem Sortiment fanden sich sowohl die gängigen Augen- bzw. Brillengläser als auch Qualitätsprodukte der Firma Zeiss (Carl Zeiss, Jena), wie Feldstecher und Punktalgläser (besonders geschliffene Brillengläser). Er setzte auf die moderne Augenoptik und optische Hilfen und Geräte, wie Lupen, Mikroskope, Fernrohre, kleine Gucker, Glas-Linsen u.v.a. Im Vordergrund der Werbung stand in der Vorkriegszeit der Name Zeiss – der heute in der Branche immer noch ein Begriff ist.

Darüber hinaus erhielt man bei ihm beispielsweise Radioapparate, Bestandteile für Radios und Ladestationen für Akkumulatoren sowie Messinstrumente, wie Thermometer, Barometer und Waagen. Ältere und körperlich eingeschränkte Menschen konnten Hörapparate (für Schwerhörige) und Augenprothesen erwerben.

 

Fotografie und Zeit-Dokumente über Wiener Neustadt

In der Fototechnik verkaufte er Fotoapparate und Zubehör, wie zum Beispiel Foto-Papiere, Platten und Filme der Marke „Mimosa“ und „Agfa“. Beworben wurde die vergleichsweise kostengünstige „Agfa-Box“, die ab 1930 auf den Markt kam und für das private Fotografieren breite Verwendung fand. Da die Bewohner der Stadt und der Region auch selbst Fotos entwickelten, konnte man bei der Firma Tomann außerdem Fotolabor-Ausrüstungen kaufen.

Viktor Tomann war ein Mann, der die Wiener Neustädter und Ereignisse seiner Zeit mit seiner Fotokamera auf Bildern verewigte. Vor allem an Festtagen und zu Veranstaltungen schossen Viktor Tomann und später sein Sohn Fotos in der Stadt, die sie dann in den Auslagen des Geschäfts in der Herzog-Leopold-Straße für die Passanten präsentierten: auf großen Karton-Platten aufgezogen, aneinander gereiht und nummeriert. Kunden wurden auf diese Weise zum Stehenbleiben und Betrachten veranlasst; sie konnten die von ihnen gewünschten Fotografien (nach der jeweiligen Nummer) auswählen und bestellen. 

Als Fotograf dokumentierte Viktor Tomann gleichsam die Stadtgeschichte mit seiner Kamera. Der Traditionsbetrieb, der sich zunehmend auf die Augenoptik spezialisiert hat, verfügt heute über zwei Standorte in der Innenstadt: in der Allerheiligengasse 8 und altbewährt in der Herzog-Leopold-Straße 5. An Zweiterem sind noch die historischen Ausstattungselemente des Geschäfts aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu finden und vermitteln uns einen Eindruck von der Geschäftswelt „von damals“ in unserer Stadt. 

 

Website der Firma Tomann: http://www.tomannoptik.at/

 

Bilder

Tomann Optik in der Herzog-Leopold-Straße 5

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Geschäftsportal des Optikermeisters Viktor Tomann, 1920er Jahre

Datierung: 1920er Jahre Quelle: Sammlung Tomann Autor: Viktor Tomann Zusatzinfo: Foto

Kunden und Passanten vor dem Optiker-Betrieb Tomann, 1920er Jahre

Datierung: 1920er Jahre Quelle: Sammlung Tomann Autor: Viktor Tomann Zusatzinfo: Foto

Eine Auslage des Geschäfts Tomann wird neu gestaltet, 1930er Jahre

Datierung: 1930er Jahre Quelle: Sammlung Tomann Autor: Viktor Tomann Zusatzinfo: Foto

Foto-Präsentation auf Karton von Viktor Tomann für Auslagen-Aushänge, 1930

Datierung: 1930 Quelle: Sammlung Tomann Autor: Viktor Tomann Zusatzinfo: Foto

Inserat von Viktor Tomann jun. im Wiener Neustädter Adressenbuch, 1923

Datierung: 1923 Quelle: Sammlung Sulzgruber Zusatzinfo: Druck

Werbung der Firma Tomann zur Landesausstellung in Wiener Neustadt, 1925

Datierung: 1925 Quelle: Sammlung Wrenkh Zusatzinfo: Druck

Inserat Optiker Viktor Tomann im Wiener Neustädter Adressenbuch, 1925

Datierung: 1925 Quelle: Sammlung Sulzgruber Zusatzinfo: Druck

Inserat der Firma Tomann mit Optik - Photo - Radio, 1930

Datierung: 1930 Quelle: Sammlung Sulzgruber Zusatzinfo: Druck

Information der Firma Tomann zur Fehlsichtigkeit, 1920er Jahre

Datierung: 1920er Jahre Quelle: Sammlung Tomann Zusatzinfo: Druck

Inserat von Viktor Tomann junior im Wiener Neustädter Adressenbuch, 1937

Datierung: 1937 Quelle: Sammlung Sulzgruber Zusatzinfo: Druck