Arbeiterheim am Baumkirchnerring 4

Erinnerungsort

Arbeiterheim am Baumkirchnerring 4

47.816490

16.243631

Tafel Arbeiterheim – Baumkirchnerring 4 Arbeiteropposition – Deutsche Arbeitsfront – kommunistischer Widerstand Das 1905 durch den Umbau einer Gastwirtschaft geschaffene „Arbeiterheim“ am Baumkirchnerring 6 war ein Versammlungsort für die Arbeiterschaft, die kommunistisch, sozialistisch und sozialdemokratisch gesinnt war. Wiener Neustadt stellte die Wiege der Arbeiterbewegung dar und war eine sozialdemokratische „rote Hochburg“ in Niederösterreich. Das Arbeiterheim wurde nach dem Februar 1934 beschlagnahmt und wurde vom Schutzkorps und der Heimwehr genützt. 1935 kam es zur Wiedereröffnung des Arbeiterheimes, das nun der Kammer für Angestellte und Arbeiter gehörte. Es wurde offiziell der Arbeiterschaft zur Wiederbenützung übergeben und sollte fortan „sämtliche Arbeiter auf gemeinsamer Plattform im deutsch-christlichen Ständestaat Österreich vereinigen“. Fortan wurden im Arbeiterheim auch Ausspeisungen für die Not leidende Bevölkerung durchgeführt, um die Arbeiterschaft zu gewinnen. Viele sozialdemokratischen Arbeiter wandten sich in der Zeit der hohen Arbeitslosigkeit in den 1930er Jahren den Nationalsozialisten zu. Der ökonomische Aufschwung in Deutschland faszinierte die Menschen damals, sodass viele auch den wirtschaftlichen „Anschluss“ befürworteten. 1938 sank die Zahl der Arbeitslosen aufgrund der nationalsozialistischen Beschäftigungspolitik („Arbeitsbeschaffung“) rasch ab. In der Wahrnehmung der Bevölkerung brachte Hitler endlich Arbeit. Die NS-Propaganda bewirkte das ihre, dass viele Arbeiter die neuen Verhältnisse befürworteten. Während der NS-Zeit wurde die Arbeiterschaft in der „Deutschen Arbeitsfront“ (DAF) vereinigt. Andere Organisationen wurden nicht geduldet. Die DAF nahm als Einheitsorganisation „aller schaffenden Deutschen“ den Platz der Gewerkschaften ein. Die Zielsetzung der DAF war es, Arbeiter und Angestellte ideologisch an den Nationalsozialismus zu binden und eine „Volks- und Leistungsgemeinschaft“ zu etablieren. Die Motivation, der DAF beizutreten, war hoch, denn als Mitglieder kam man in den Genuss von kulturellen Angeboten. Die Unterorganisation „Kraft durch Freude“ (KdF) organisierte beispielsweise Freizeitveranstaltungen und Urlaubsreisen. Dennoch regte sich auch Widerstand innerhalb der Arbeiterschaft und zwar vor allem im Osten der „Ostmark“. In Wiener Neustadt waren es die Kommunisten, die gegen das NS-Regime aktiv wurden, indem sie Flugblätter druckten und Zeitungen verteilten. Die KPÖ war bekanntlich seit 1933 verboten und hatte insofern Erfahrung in Aktivitäten im Untergrund. Die Kommunisten versuchten in den Industriebetrieben eine organisatorische Basis aufzubauen und Gegen-Propaganda zu betreiben. Die Wirkung ihres Tuns blieb allerdings minimal. Die Gestapo ging gegen die Gruppe der Kommunisten (aber auch der Revolutionären Sozialisten) rigoros vor. Die kommunistischen Zellen wurden zerschlagen, und Verurteilungen – zum Beispiel wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ – zogen die Haft in einem Konzentrationslager oder die Hinrichtung nach sich. In den letzten Kriegstagen verhinderten kommunistische Arbeiter in Wiener Neustadt die Zerstörung ihrer Betriebe durch sich zurückziehenden SS-Verbände, wie dies auch in Brunn/Gebirge und Hainburg erfolgte.   Quellen/Literatur:Gertrud Gerhartl, Wiener Neustadt. Niederösterreichischer Kulturführer. Wien/München 1983.Gerhard Geissl, Denkmäler in Wiener Neustadt. Orte des Erinnerns, Berndorf 2013.Werner Sulzgruber, Die sterbende Stadt. Vom Leben in Wiener Neustadt 1933 bis 1938. Wirtschaftslage – Sozialpolitik – Alltagsbilder, Wiener Neustadt 2006.DÖW (Hg.), Widerstand und Verfolgung in Niederösterreich 1934-1945. Eine Dokumentation, Bd. 2, Wien 1987.Walter Edelbauer, An der Wiege der Bewegung. 100 Jahre SPÖ Wiener Neustadt, Wiener Neustadt 1989.    

Synagoge am Baumkirchnerring

47.816430

16.243937

47.816401

16.243937

Tafel Arbeiterheim – Baumkirchnerring 4

Arbeiteropposition – Deutsche Arbeitsfront – kommunistischer Widerstand

Das 1905 durch den Umbau einer Gastwirtschaft geschaffene „Arbeiterheim“ am Baumkirchnerring 6 war ein Versammlungsort für die Arbeiterschaft, die kommunistisch, sozialistisch und sozialdemokratisch gesinnt war. Wiener Neustadt stellte die Wiege der Arbeiterbewegung dar und war eine sozialdemokratische „rote Hochburg“ in Niederösterreich.

Das Arbeiterheim wurde nach dem Februar 1934 beschlagnahmt und wurde vom Schutzkorps und der Heimwehr genützt. 1935 kam es zur Wiedereröffnung des Arbeiterheimes, das nun der Kammer für Angestellte und Arbeiter gehörte. Es wurde offiziell der Arbeiterschaft zur Wiederbenützung übergeben und sollte fortan „sämtliche Arbeiter auf gemeinsamer Plattform im deutsch-christlichen Ständestaat Österreich vereinigen“. Fortan wurden im Arbeiterheim auch Ausspeisungen für die Not leidende Bevölkerung durchgeführt, um die Arbeiterschaft zu gewinnen.

Viele sozialdemokratischen Arbeiter wandten sich in der Zeit der hohen Arbeitslosigkeit in den 1930er Jahren den Nationalsozialisten zu. Der ökonomische Aufschwung in Deutschland faszinierte die Menschen damals, sodass viele auch den wirtschaftlichen „Anschluss“ befürworteten. 1938 sank die Zahl der Arbeitslosen aufgrund der nationalsozialistischen Beschäftigungspolitik („Arbeitsbeschaffung“) rasch ab. In der Wahrnehmung der Bevölkerung brachte Hitler endlich Arbeit. Die NS-Propaganda bewirkte das ihre, dass viele Arbeiter die neuen Verhältnisse befürworteten.

Während der NS-Zeit wurde die Arbeiterschaft in der „Deutschen Arbeitsfront“ (DAF) vereinigt. Andere Organisationen wurden nicht geduldet. Die DAF nahm als Einheitsorganisation „aller schaffenden Deutschen“ den Platz der Gewerkschaften ein. Die Zielsetzung der DAF war es, Arbeiter und Angestellte ideologisch an den Nationalsozialismus zu binden und eine „Volks- und Leistungsgemeinschaft“ zu etablieren. Die Motivation, der DAF beizutreten, war hoch, denn als Mitglieder kam man in den Genuss von kulturellen Angeboten. Die Unterorganisation „Kraft durch Freude“ (KdF) organisierte beispielsweise Freizeitveranstaltungen und Urlaubsreisen.

Dennoch regte sich auch Widerstand innerhalb der Arbeiterschaft und zwar vor allem im Osten der „Ostmark“. In Wiener Neustadt waren es die Kommunisten, die gegen das NS-Regime aktiv wurden, indem sie Flugblätter druckten und Zeitungen verteilten. Die KPÖ war bekanntlich seit 1933 verboten und hatte insofern Erfahrung in Aktivitäten im Untergrund. Die Kommunisten versuchten in den Industriebetrieben eine organisatorische Basis aufzubauen und Gegen-Propaganda zu betreiben. Die Wirkung ihres Tuns blieb allerdings minimal. Die Gestapo ging gegen die Gruppe der Kommunisten (aber auch der Revolutionären Sozialisten) rigoros vor. Die kommunistischen Zellen wurden zerschlagen, und Verurteilungen – zum Beispiel wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ – zogen die Haft in einem Konzentrationslager oder die Hinrichtung nach sich.

In den letzten Kriegstagen verhinderten kommunistische Arbeiter in Wiener Neustadt die Zerstörung ihrer Betriebe durch sich zurückziehenden SS-Verbände, wie dies auch in Brunn/Gebirge und Hainburg erfolgte.

 

Quellen/Literatur:
Gertrud Gerhartl, Wiener Neustadt. Niederösterreichischer Kulturführer. Wien/München 1983.
Gerhard Geissl, Denkmäler in Wiener Neustadt. Orte des Erinnerns, Berndorf 2013.
Werner Sulzgruber, Die sterbende Stadt. Vom Leben in Wiener Neustadt 1933 bis 1938. Wirtschaftslage – Sozialpolitik – Alltagsbilder, Wiener Neustadt 2006.
DÖW (Hg.), Widerstand und Verfolgung in Niederösterreich 1934-1945. Eine Dokumentation, Bd. 2, Wien 1987.
Walter Edelbauer, An der Wiege der Bewegung. 100 Jahre SPÖ Wiener Neustadt, Wiener Neustadt 1989.

 

 

Bilder

Gedenktafel nahe dem Standort des ehemaligen Arbeiterheims