Kriegsschule

Erinnerungsort

Kriegsschule

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Militärakademie – Burgplatz 1 Die Kriegsschule Als es im März 1938 zum „Anschluss“ Österreichs kam, leistete das österreichische Bundesheer auf Befehl des Bundespräsidenten keinen Widerstand. Die Soldaten in der Militärakademie waren zwar in Alarmbereitschaft versetzt worden, aber man blieb in der Burg und wartete die weiteren politischen Entwicklungen ab. Generalmajor Rudolf Towarek, der Kommandant der Militärakademie, bewahrte Ruhe; es fiel kein Schuss, obwohl sich Nationalsozialisten am Abend des 11. März 1938 – nach dem Rücktritt des österreichischen Bundeskanzlers – Einlass verschaffen wollten. Nachdem die ersten deutschen Einheiten der Wehrmacht auf dem Flugplatz von Wiener Neustadt gelandet waren, erhielt die Akademie den Befehl, beim Einmarsch der deutschen Truppen eine Ehrenkompanie zu stellen und die Deutschen in der Stadt gemeinsam mit der Bevölkerung zu begrüßen. Das reichsdeutsche Bataillon der Wehrmacht, das nun in Wiener Neustadt erschien und mit seinen Fahrzeugen durch die Wiener- und Neunkirchner Straße zur Militärakademie rollte, wurde von den Menschen, die das Spalier bildeten, euphorisch empfangen. Was der öffentlichen Inszenierung folgte, waren massive Umstrukturierungen und Veränderungen in der Armee. Die Gleichschaltung des Heeres erfolgte äußert schnell. Der Eid auf den Führer Adolf Hitler war nur ein Punkt der Neuerungen. Der Kommandant der Akademie wurde in den Ruhestand versetzt. Bereits zur Ausmusterungsfeier am 3. April 1938 an der Theresianischen Militärakademie trugen die neu auszumusternden Leutnante die Uniform der deutschen Armee. Bei dieser Ausmusterung erfolgte der Ritus des Säbelkreuzens, der Treuschwur und das Defilieren noch nach österreichischer Tradition, doch erstmals erklang auf dem Maria-Theresien-Platz bzw. auf der Reitwiese das Horst-Wessel-Lied. Die beiden anderen österreichischen Jahrgänge, die noch an der Akademie waren, wurden rasch ausgemustert, der zweite Jahrgang am 1. Juni 1938 und der erste im September 1938. Mit dem 6. April 1938 wurde in Berlin die „Umstellung der Ausbildung der Theresianischen Militärakademie“ eingeleitet. Die Akademie wurde zu einer „Kriegsschule“ der deutschen Wehrmacht, und es kam zum Ausbau der Infrastruktur. In diesem Rahmen wurde unter anderem zum Beispiel der Park der Kriegsschule („Akademiepark“) ab dem 15. November 1938 für die Zivilbevölkerung gesperrt, da man das militärische Übungsgelände ausdehnte. Außerdem wurde ein Wohngebäude auf dem Akademieparkgelände errichtet, das der neue Kommandant der „Kriegsschule“ in Wiener Neustadt, mit seiner Frau und seinem Sohn, bewohnten sollte: Erwin Rommel. Rommel war vom 10. November 1938 bis zum 22. August 1939 Kommandant. Von 1940 bis 1942 war die Heeresunteroffiziersschule in die Kriegsschule verlegt worden und anschließend eine Schule für Offiziersanwärter (die später „Schule für Fahnenjunker der Infanterie“ genannt wurde) im 1939/40 neu erbauten Lehrgangsgebäude (heute Daun-Kaserne) eingerichtet worden. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Kriegsschule, wie auch andere militärische Einrichtungen in Wiener Neustadt, bombardiert. Beim 27. Luftangriff auf Wiener Neustadt und wegen eines Brandes, der am 2. April 1945 ausbracht bzw. gelegt wurde, wurden die Burg und die St.-Georgs-Kirche zerstört. Nach Kriegsende bemühte man sich das Gebäude in seiner ursprünglichen Form wiederherzustellen. 1958, nach der Verlegung der Offiziersausbildung aus Enns, konnte die militärische Ausbildung wieder an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt aufgenommen werden.   Quellen/Literatur:Gertrud Gerhartl, Wiener Neustadt. Geschichte, Kunst, Kultur, Wirtschaft, Wiener Neustadt 19932.Theo Rossiwall, Die alte Burg zu Wiener Neustadt, St. Pölten 1976.Johann Christoph Allmayer-Beck, Militärakademie – Kriegsschule – Fahnenjunker-Schule. Wiener Neustadt 1938–1945, Wien/u. a. 2010.

Carl-Szokoll-Park

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Militärakademie – Burgplatz 1

Die Kriegsschule

Als es im März 1938 zum „Anschluss“ Österreichs kam, leistete das österreichische Bundesheer auf Befehl des Bundespräsidenten keinen Widerstand. Die Soldaten in der Militärakademie waren zwar in Alarmbereitschaft versetzt worden, aber man blieb in der Burg und wartete die weiteren politischen Entwicklungen ab. Generalmajor Rudolf Towarek, der Kommandant der Militärakademie, bewahrte Ruhe; es fiel kein Schuss, obwohl sich Nationalsozialisten am Abend des 11. März 1938 – nach dem Rücktritt des österreichischen Bundeskanzlers – Einlass verschaffen wollten.

Nachdem die ersten deutschen Einheiten der Wehrmacht auf dem Flugplatz von Wiener Neustadt gelandet waren, erhielt die Akademie den Befehl, beim Einmarsch der deutschen Truppen eine Ehrenkompanie zu stellen und die Deutschen in der Stadt gemeinsam mit der Bevölkerung zu begrüßen. Das reichsdeutsche Bataillon der Wehrmacht, das nun in Wiener Neustadt erschien und mit seinen Fahrzeugen durch die Wiener- und Neunkirchner Straße zur Militärakademie rollte, wurde von den Menschen, die das Spalier bildeten, euphorisch empfangen.

Was der öffentlichen Inszenierung folgte, waren massive Umstrukturierungen und Veränderungen in der Armee. Die Gleichschaltung des Heeres erfolgte äußert schnell. Der Eid auf den Führer Adolf Hitler war nur ein Punkt der Neuerungen. Der Kommandant der Akademie wurde in den Ruhestand versetzt. Bereits zur Ausmusterungsfeier am 3. April 1938 an der Theresianischen Militärakademie trugen die neu auszumusternden Leutnante die Uniform der deutschen Armee. Bei dieser Ausmusterung erfolgte der Ritus des Säbelkreuzens, der Treuschwur und das Defilieren noch nach österreichischer Tradition, doch erstmals erklang auf dem Maria-Theresien-Platz bzw. auf der Reitwiese das Horst-Wessel-Lied. Die beiden anderen österreichischen Jahrgänge, die noch an der Akademie waren, wurden rasch ausgemustert, der zweite Jahrgang am 1. Juni 1938 und der erste im September 1938.

Mit dem 6. April 1938 wurde in Berlin die „Umstellung der Ausbildung der Theresianischen Militärakademie“ eingeleitet. Die Akademie wurde zu einer „Kriegsschule“ der deutschen Wehrmacht, und es kam zum Ausbau der Infrastruktur. In diesem Rahmen wurde unter anderem zum Beispiel der Park der Kriegsschule („Akademiepark“) ab dem 15. November 1938 für die Zivilbevölkerung gesperrt, da man das militärische Übungsgelände ausdehnte. Außerdem wurde ein Wohngebäude auf dem Akademieparkgelände errichtet, das der neue Kommandant der „Kriegsschule“ in Wiener Neustadt, mit seiner Frau und seinem Sohn, bewohnten sollte: Erwin Rommel. Rommel war vom 10. November 1938 bis zum 22. August 1939 Kommandant. Von 1940 bis 1942 war die Heeresunteroffiziersschule in die Kriegsschule verlegt worden und anschließend eine Schule für Offiziersanwärter (die später „Schule für Fahnenjunker der Infanterie“ genannt wurde) im 1939/40 neu erbauten Lehrgangsgebäude (heute Daun-Kaserne) eingerichtet worden.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Kriegsschule, wie auch andere militärische Einrichtungen in Wiener Neustadt, bombardiert. Beim 27. Luftangriff auf Wiener Neustadt und wegen eines Brandes, der am 2. April 1945 ausbracht bzw. gelegt wurde, wurden die Burg und die St.-Georgs-Kirche zerstört.

Nach Kriegsende bemühte man sich das Gebäude in seiner ursprünglichen Form wiederherzustellen. 1958, nach der Verlegung der Offiziersausbildung aus Enns, konnte die militärische Ausbildung wieder an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt aufgenommen werden.

 

Quellen/Literatur:
Gertrud Gerhartl, Wiener Neustadt. Geschichte, Kunst, Kultur, Wirtschaft, Wiener Neustadt 19932.
Theo Rossiwall, Die alte Burg zu Wiener Neustadt, St. Pölten 1976.
Johann Christoph Allmayer-Beck, Militärakademie – Kriegsschule – Fahnenjunker-Schule. Wiener Neustadt 1938–1945, Wien/u. a. 2010.

Bilder

Militärakademie in ihrer gesamten Front

Eingang vom Burgplatz in die MilAk und St.-Georgs-Kirche