Thema: Kleiner Stadtspaziergang 1938-1945

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Wenn Sie eine Runde in und um die Innenstadt unternehmen möchten und dabei etwas über die Zeitgeschichte erfahren wollen, dann folgen Sie am besten dem "kleinen Stadtspaziergang" in die Vergangenheit.
Ihre Tour beginnt beim Alten Rathaus am Hauptplatz und führt Sie unter anderem zur Militärakademie, in den Stadtpark, zum Schubertweg, auf den Bahnhofplatz, in die Kollonitschgasse, zum Reckturm, auf den Baumkirchnerring und schließlich auf den Domplatz.
Sie kommen von dort wieder problemlos in wenigen Minuten zu Ihrem Ausgangspunkt auf den Hauptplatz zurück.

Altes Rathaus & „Anschluss“ 1938

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Rathaus – Hauptplatz 1 Der „Anschluss“ im März 1938 Am 11. März 1938 kam es zum so genannten „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich, also der widerrechtlichen Eingliederung des 1918 ausgerufenen Republik Österreich und des seit 1933/34 bestehenden austrofaschistischen „Ständestaates“. Am Freitagabend 11. März 1938 verkündete der damalige österreichische Bundeskanzler Dr. Kurt Schuschnigg in einer Radio-Ansprache, dass der Bundespräsident und die österreichische Regierung „der Gewalt weichen“ werden und das österreichische Militär den Befehl erhalten habe, sich „ohne Widerstand“ zurückzuziehen. Dieser Maßnahme war zum einen ein starker außenpolitischer Druck Deutschlands auf Österreich vorausgegangen, und zum anderen hatten Adolf Hitler und Hermann Göring den militärischen Einmarsch angedroht. Sofort nach der Abdankung des Bundeskanzlers erfolgte eine schneller und gewaltsamer Machtwechsel in Österreich. In Wiener Neustadt wurde der Rücktritt Schuschniggs nicht nur über den Rundfunk am Abend des 11. März 1938 kurz vor 20.00 Uhr empfangen, sondern er wurde außerdem von einem Mitglied der Sturmabteilung (SA) auf dem Balkon des Rathauses verkündet. Auf dem Hauptplatz hatten sich hunderte Menschen versammelt und warteten auf Informationen über die politischen Entwicklungen. In Wiener Neustadt lief in der Folge die Machtübernahme relativ schnell ab, nachdem sich schon unmittelbar nach der Abdankungsrede NSDAP-Funktionäre, wie Dr. Edmund Scheidtenberger (der spätere Oberbürgermeister), Ing. Ferdinand Ulz (Beauftragten der NSDAP und Kreisleiter) sowie und Karl Becker (Vizebürgermeister und Führer der SA-Standarte Wiener Neustadt), auf dem Rathausbalkon der Öffentlichkeit präsentierten. Die Nationalsozialisten übernahmen über Nacht wichtige Verwaltungs- und Regierungseinrichtungen, darunter das Post- und Telegraphenamt. Man verhaftet „für Österreich tätige Personen in führender Stellung“, zum Beispiel den ehemaligen Bürgermeister Hans Zach, und transportierte jene in das Kreisgericht oder das „Anhaltelager“ Wöllersdorf. Außerdem nahm man bekannte Juden und Kommunisten in Haft. Als Symbol für die veränderten Machtverhältnisse befestigten Nationalsozialisten auf dem Balkon des Rathauses ein Transparent mit der Aufschrift „Unserem Führer allzeit getreu!“. Am Sonntagnachmittag des 13. März 1938 wurden die einmarschierenden deutschen Truppenkontingente auf dem Wiener Neustädter Hauptplatz stürmisch von Teilen der Bevölkerung begrüßt. Flugzeuge waren an diesem Tag – im Rahmen eines militärischen Einmarsches eigentlich relativ spät – auf dem Wiener Neustädter Flugfeld gelandet und hatten als Erste unter anderem Angehörige der Wehrmacht und der Polizei in die Stadt gebracht.   Quellen/Literatur:Werner Sulzgruber, Die sterbende Stadt. Vom Leben in Wiener Neustadt 1933 bis 1938. Wirtschaftslage – Sozialpolitik – Alltagsbilder, Wiener Neustadt 2006.  

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Bombengedenksäule

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Bombengedenksäule – Hauptplatz 3 Zur Erinnerung an zehntausende Bomben Unter einem Laubenbogen am Hauptplatz 1 befindet sich eine Säule, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges dort aufgestellt worden ist: die „Bombengedenksäule“: 1946 ließ der damalige Bürgermeister, Rudolf Wehrl, diese Säule errichten. Sie soll zum einen an die rund 52.000 Bomben erinnern, die in 29 Luftangriffen von den Alliierten auf die Steinfeldstadt abgeworfen worden waren und nicht nur zahlreiche Gebäude zerstörten, sondern auch hunderten Menschen das Leben kostete. Dem Betrachter erschließt sich nicht, dass das Eisengitter und der Sockel von zerstörten Gebäuden des Stadt stammen, aber eben dies macht die besondere Verbindung zwischen den Einwirkungen des Krieges und dieser Säule aus. Zum anderen weist der Baumstamm auf die Mariensäule hin, die nicht weit entfernt, im östlichen Teil des Hauptplatzes steht. Sie war im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt worden und abgebrochen, ähnlich wie es der Baumstamm widerspiegeln soll. In den Stamm wurden Nägel eingeschlagen, die sowohl die Bomben als auch den Willen zum Wiederaufbau symbolisieren. Der erste Nagel wurde von Bundespräsident Dr. Karl Renner am 29. September 1946 eingeschlagen. Er gab außerdem eine Geldspende in der Höhe von 1.000 Schilling zur Wiedererrichtung der Waldschule. Die neben der Säule angebrachte Gedenktafel informiert uns, wie folgt: „Diese Bombensäule ist ein Erinnerungszeichen an die 52.000 Bomben,die Wiener Neustadt zu einem Trümmerfeld machten.Aufgestellt anlässlich der 750 Jahr Feier am 22.9.1946.“ (1946 wurde in Wiener Neustadt die 750-Jahr-Feier als Stadtjubiläum nachgeholt. Damals nahm man die Stadtgründung mit dem Jahr 1194 an, heute ist das Gründungsjahr 1192 nachgewiesen.) Wenn man die „Bombengedenksäule“ genauer betrachtet, dann fällt auf, dass letztlich nicht über 50.000 Nägel (in der Anzahl der Bomben) eingeschlagen wurden, wie manchmal sogar fälschlich behauptet wird. Aber die Säule erinnert außerdem an einen älteren Brauch aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, nämlich die so genannten „Kriegsnagelungen“, als man in den Kriegsjahren gegen eine Spende einen Nagel in ein hölzernes Objekt einschlug. Fast ausschließlich in Österreich und Deutschland findet man daher entsprechende Objekte, die beispielsweise vom „Nagelmann“, „Nagelbild“, „Nagelbuch“ oder „Nagelkreuz“ bis hin zur „Nagelsäule“ reichen – und Letztere haben wir auch hier in Wiener Neustadt vor uns, allerdings in einem etwas anderen Zusammenhang.   Quellen/Literatur:Gertrud Gerhartl, Wiener Neustadt. Geschichte, Kunst, Kultur, Wirtschaft, Wiener Neustadt 19932.Gerhard Geissl, Denkmäler in Wiener Neustadt. Orte des Erinnerns, Berndorf 2013.  

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Jüdische Opfer

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Stolperstein Braunberg – Hauptplatz 13 Die Opfergruppe der Juden und Jüdinnen An dieser Stelle wurde der erste „Stolperstein“ in Wiener Neustadt verlegt. Insgesamt wurden bis zum Jahr 2014 100 Gedenksteine dieser Art für unterschiedliche Opfergruppen gesetzt, nämlich für Juden und Jüdinnen, „Euthanasie“-Opfer und politische Opfer: Juden und Jüdinnen zählten zur größten Opfergruppe während der nationalsozialistischen Herrschaft. Der Großteil der jüdischen Bevölkerung Europas wurde bis 1945 ermordet. Antisemitismus, Ausgrenzung, Stigmatisierung, Beraubung und Vertreibung brachten die Vernichtung mit sich. Aus Österreich wurden ab 1938 rund 130.000 Juden und Jüdinnen vertrieben, 65.000 wurden in der Shoah ermordet und nur zirka 5.500 überlebten. In Wiener Neustadt befand sich eine große jüdische Gemeinde. Denn es handelte sich in der Mitte der 1920er Jahre um die zweitgrößte israelitische Kultusgemeinde Niederosterreichs und kurz vor 1938 um die drittgrößte (nach der IKG Baden und Mödling). Vor 1938 wohnten über 870 Juden und Jüdinnen im Stadtgebiet. Die jüdische Minderheit bildete 2,3 Prozent der Einwohnerschaft der Stadt Wiener Neustadt. Die Anzahl jüdischer Todesopfer kann mit mindestens 200 Personen beziffert werden, da zumindest bei diesen Menschen dokumentiert ist, wann und wo (teils sogar wie) sie ermordet wurden und zu Tode kamen. Von rund 200 Juden und Jüdinnen aus Wiener Neustadt weiß man, dass sie sich 1938 und den folgenden Jahren erfolgreich retten konnten bzw. Zuflucht in diversen Exilen (zumeist in Palästina, Großbritannien und den USA) fanden. Eines der Opfer aus der Gruppe der Juden war der Zahntechniker Gustav Braunberg (geboren am 17.01.1896 in Wien), der mit seiner Frau Olga und seiner Tochter Anna am Hauptplatz 13 wohnte und hier auch seine Praxis führte. Im Juni 1938 ließ sich seine „arische“ Gattin von ihm scheiden und am 5. Juli 1938, wenige Tage nach der Scheidung, fuhr Gustav Braunberg nach Prag, um ein Visum für Südamerika zu beantragen. Seine Wiener Neustädter Praxis wurde am 25. August 1938 von einem nicht-jüdischer Zahntechniker übernommen. Braunberg selbst konnte nicht weiterreisen und verdiente sich deshalb über längere Zeit seinen Lebensunterhalt in Prag. Die Scheidung wurde zu seinem Todesurteil, denn am 18. August 1944 wurde er in das KZ Theresienstadt deportiert und am 29. September 1944 in Auschwitz ermordet.    Quellen/Literatur:Werner Sulzgruber, Das jüdische Wiener Neustadt. Geschichte und Zeugnisse jüdischen Lebens vom 13. bis ins 20. Jahrhundert, Wien 2010.Werner Sulzgruber, Lebenslinien. Jüdische Familien und ihre Schicksale. Eine biografische Reise in die Vergangenheit von Wiener Neustadt, Wien/Horn 2013.  

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Bomben-Opfer

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Gedenkinschrift Luftangriff 14. März 1945 – Grazer Straße 90 Opfer des Bombenkrieges An der Fassade in der Grazer Straße 90 sieht man eine Figur, die von einem Schriftzug in lateinischer Sprache umrahmt ist. Der Text „Hoc loco anno MCMXLV die XIV mensis martii centum homines bello occisi sunt.“ („An diesem Ort, im Jahre 1945 am 14. Tage des Monats März, kamen 100 Menschen durch den Krieg um.“) informiert uns über eine menschliche Tragödie Mitte März 1945.Auf der Gedenktafel über dem Eingang des Hauses steht außerdem eine freie Übersetzung, die uns den Grund für den Tod verrät („In diesem Haus verloren bei einem Luftangriff am 14. März 1945 100 Menschen ihr Leben.“). Die heutige Grazer Straße bestand in der Zeit des Zweiten Weltkriegs noch nicht, sondern hier verlief die Niederländergasse. Im Keller des Hauses Hauptplatz 24/Niederländergasse 6 befand sich einer von vielen Luftschutzräumen (LSR) für die Bevölkerung. Der Bombenangriff vom 14. März 1945 fand in einer Phase des Höhepunkts der Bombardements durch US-amerikanische Luftstreitkräfte statt. Nach dem ersten Bombenangriff auf Wiener Neustadt am Freitag, dem 13. August 1943, wurden vor allem im Frühjahr 1945 zahlreiche Angriffe geflogen, der letzte (und insgesamt 29. Angriff) am 1. April, dem Ostermontag des Jahres 1945. Im Bombenkrieg über Europa war zwar anfangs die Bekämpfung kriegswichtiger Ziele (zum Beispiel von Industrien, Bahnlinien, militärischen Einrichtungen etc.) im Zentrum gestanden, ab 1944 wurden die Angriffe jedoch auch zum „Terror gegen die Zivilbevölkerung“, in dem manvon den üblichen Sprengbomben auf Brandbomben wechselte, die ursprünglich nur zur Markierung von Zielen gedacht waren und nun zur Hauptwaffe der Zerstörung wurde. Zudem kamen die sogenannten „Wohnblockknacker“, also schwere Sprengbomben mit Verzögerungszünder, zum Einsatz. Der durch Brandbomben ausgelöste „Feuersturm“ über Hamburg im Juli 1943, der mindestens 32.000 Menschenleben forderte, ging als „Operation Gomorrha“ in die Geschichte ein. Nach den Luftangriffen Mitte Februar 1945 auf Dresden wurden mindestens 20.000 Tote gezählt, andere Schätzungen gehen auf 35.000 Tote, darunter viele Flüchtlinge, die sich vor der heranrückenden Roten Armee in Sicherheit bringen wollten. Wiener Neustadt war am unheilvollen 14. März 1945 eigentlich gar nicht das Hauptangriffsziel der Alliierten, sondern „nur“ ein Ersatzziel. Aber anstatt den Bahnhof und Industriegebäude zu treffen, wie dies geplant gewesen sein soll, zerstörten die an diesem Tag abgeworfenen 2.550 Brand- und Sprengbomben viele Gebäude in der Innenstadt. Die Wolkendecke über der Stadt war hunderten Menschen zum Verhängnis geworfen. Sie wurden von den Explosionen der Bomben getötet oder von einstürzenden Gebäudeteilen erschlagen, oder sie erstickten in ihren Kellern, wo sie Schutz gesucht hatten. Manchen nahmen Staub und Schutt die Luft zum Atmen. Andere verbrannten bei lebendigem Leibe. Als die Hilfskräfte 1945 zu den Verschütteten im Bereich Hauptplatz 24/Niederländergasse 6 vorgedrungen waren, fanden sie keinen Menschen am Leben.

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Tafel zu Leopold Ungar

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Gedenktafel über Leopold Ungar – Burgplatz 5 Emigrantenschicksale – Von zwei unterschiedlichen Präsidenten Am Burgplatz 5 findet man eine 1994 angebrachte Gedenktafel vor, die an einen bekannten römisch-katholischen Geistlichen aus Wiener Neustadt erinnert, nämlich Dr. Leopold Ungar. Aber nur wenige wissen, dass Dr. Ungar einer jüdischen Familie entstammte: Leopold Ungar kam am 8. August 1912 in Wiener Neustadt als Sohn von Gustav und Malvine Ungar zur Welt. Gustav Ungar war mit seiner Gattin aus Ungarn immigriert und baute einen Weingroßhandel auf. Während die Familie am Burgplatz 5 wohnte, führte Gustav seinen Betrieb in der Emmerberggasse 45. In den Jahren 1921 bis 1926 und 1927 bis 1936 war Gustav Ungar sogar Vorstand („Präsident“) der Israelitischen Kultusgemeinde von Wiener Neustadt. Sohn Leopold verweigerte aber den Weg in die Synagoge und wandte sich zunehmend dem Christentum zu. Nachdem er in Wien Rechtswissenschaften studiert hatte und 1935 zum Doktor der Rechte promovierte, ließ er sich taufen und trat ins Wiener Priesterseminar ein. Dies war in Wiener Neustadt schlichtweg ein Skandal innerhalb der jüdischen Gemeinde, hatte doch der Sohn des Präsident der IKG sein mosaisches Glaubensbekenntnis abgelegt. Für seinen Vater war Leopold gestorben. Jener verabschiedete sich auch nicht von ihm, als Leopold Österreich verließ. 1938 wurde die Familie zerrissen: Leopolds Eltern und auch beide Schwestern, Magdalena und Wilma, mussten das Land wegen ihrer jüdischen Herkunft verlassen. Leopolds ältere Schwester, Magdalena, gelangte sicher nach Großbritannien, alle anderen reisten nach Bolivien in Südamerika aus. Leopold lebte währenddessen in Frankreich, wo er am 29. Juni 1939 die Priesterweihe erhielt. Doch als die Deutsche Wehrmacht in Frankreich einmarschierte, musste Leopold das Land verlassen und wurde in Großbritannien interniert (denn er hatte einen deutschen Pass). 1940 wurde er aus der Haft entlassen und konnte in einem Kloster nördlich von Stafford bleiben. 1944 war er Seelsorger für deutsche Kriegsgefangene in Lagern und Spitälern in England. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Leopold Ungar zuerst Kaplan in Wien und übernahm 1950 die Leitung der Caritas der Erzdiözese Wien. 1953 wurde er von Papst Pius XII. zum Prälaten ernannt. Er ist vielen Menschen bis heute als Präsident der Caritas Österreich in Erinnerung, da er dieses Amt über viele Jahrzehnte ausübte. Leopold Ungar sollte seinen Vater nie mehr wiedersehen, weil dieser 1946 im Exil verstarb. Ungars Mutter Malvine und Schwester Wilma versuchten in Brasilien einen zweiten Neuanfang. Schließlich wurde das Land Brasilien für die voneinander so lange getrennten Familienmitglieder ein Land des Wiedersehens. Denn Leopold Ungar konnte im Rahmen einer Auslandsreise seine Mutter und seine Schwester Wilma wieder in die Arme schließen, nachdem man einander zuletzt in den späten 1930er Jahren am Bahnsteig in Wien gesehen hatte. Während Malvine Ungar in brasilianischer Erde, in São Paulo, bestattet wurde, kehrte Wilma in den 1970er Jahren – nach über dreißig Jahren im Exil – wieder nach Österreich zurück. Ihr Bruder Leopold unterstützte sie bis zur ihrem Tod. Prälat Dr. Leopold Ungar verstarb am 30. April 1992 in Wien. In Wiener Neustadt erinnert die Gedenktafel an der Fassade des „Kornellhofs“ am Burgplatz an Dr. Ungar: In diesem Haus wurde am 8. August 1912Prälat Dr. Leopold Ungar Präsident der CaritasÖsterreich 1963-1991 geboren Insgesamt gelang zirka 200 Juden und Jüdinnen aus Wiener Neustadt die Ausreise in ein sicheres Exil, der Großteil nach Palästina, Großbritannien oder in die USA. Das Wunschziel vieler Emigranten waren die USA gewesen. Manche hatten tatsächlich das Glück, oft aufgrund der Hilfe von Verwandten und Gönnern. Andere erreichten zum Beispiel süd- bzw. lateinamerikanische Länder oder China (Shanghai).   Quellen/Literatur:Werner Sulzgruber, Das jüdische Wiener Neustadt. Geschichte und Zeugnisse jüdischen Lebens vom 13. bis ins 20. Jahrhundert, Wien 2010.Werner Sulzgruber, Lebenslinien. Jüdische Familien und ihre Schicksale. Eine biografische Reise in die Vergangenheit von Wiener Neustadt, Wien/Horn 2013.Gerhard Geissl, Denkmäler in Wiener Neustadt. Orte des Erinnerns, Berndorf 2013.  

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Kriegsschule

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Militärakademie – Burgplatz 1 Die Kriegsschule Als es im März 1938 zum „Anschluss“ Österreichs kam, leistete das österreichische Bundesheer auf Befehl des Bundespräsidenten keinen Widerstand. Die Soldaten in der Militärakademie waren zwar in Alarmbereitschaft versetzt worden, aber man blieb in der Burg und wartete die weiteren politischen Entwicklungen ab. Generalmajor Rudolf Towarek, der Kommandant der Militärakademie, bewahrte Ruhe; es fiel kein Schuss, obwohl sich Nationalsozialisten am Abend des 11. März 1938 – nach dem Rücktritt des österreichischen Bundeskanzlers – Einlass verschaffen wollten. Nachdem die ersten deutschen Einheiten der Wehrmacht auf dem Flugplatz von Wiener Neustadt gelandet waren, erhielt die Akademie den Befehl, beim Einmarsch der deutschen Truppen eine Ehrenkompanie zu stellen und die Deutschen in der Stadt gemeinsam mit der Bevölkerung zu begrüßen. Das reichsdeutsche Bataillon der Wehrmacht, das nun in Wiener Neustadt erschien und mit seinen Fahrzeugen durch die Wiener- und Neunkirchner Straße zur Militärakademie rollte, wurde von den Menschen, die das Spalier bildeten, euphorisch empfangen. Was der öffentlichen Inszenierung folgte, waren massive Umstrukturierungen und Veränderungen in der Armee. Die Gleichschaltung des Heeres erfolgte äußert schnell. Der Eid auf den Führer Adolf Hitler war nur ein Punkt der Neuerungen. Der Kommandant der Akademie wurde in den Ruhestand versetzt. Bereits zur Ausmusterungsfeier am 3. April 1938 an der Theresianischen Militärakademie trugen die neu auszumusternden Leutnante die Uniform der deutschen Armee. Bei dieser Ausmusterung erfolgte der Ritus des Säbelkreuzens, der Treuschwur und das Defilieren noch nach österreichischer Tradition, doch erstmals erklang auf dem Maria-Theresien-Platz bzw. auf der Reitwiese das Horst-Wessel-Lied. Die beiden anderen österreichischen Jahrgänge, die noch an der Akademie waren, wurden rasch ausgemustert, der zweite Jahrgang am 1. Juni 1938 und der erste im September 1938. Mit dem 6. April 1938 wurde in Berlin die „Umstellung der Ausbildung der Theresianischen Militärakademie“ eingeleitet. Die Akademie wurde zu einer „Kriegsschule“ der deutschen Wehrmacht, und es kam zum Ausbau der Infrastruktur. In diesem Rahmen wurde unter anderem zum Beispiel der Park der Kriegsschule („Akademiepark“) ab dem 15. November 1938 für die Zivilbevölkerung gesperrt, da man das militärische Übungsgelände ausdehnte. Außerdem wurde ein Wohngebäude auf dem Akademieparkgelände errichtet, das der neue Kommandant der „Kriegsschule“ in Wiener Neustadt, mit seiner Frau und seinem Sohn, bewohnten sollte: Erwin Rommel. Rommel war vom 10. November 1938 bis zum 22. August 1939 Kommandant. Von 1940 bis 1942 war die Heeresunteroffiziersschule in die Kriegsschule verlegt worden und anschließend eine Schule für Offiziersanwärter (die später „Schule für Fahnenjunker der Infanterie“ genannt wurde) im 1939/40 neu erbauten Lehrgangsgebäude (heute Daun-Kaserne) eingerichtet worden. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Kriegsschule, wie auch andere militärische Einrichtungen in Wiener Neustadt, bombardiert. Beim 27. Luftangriff auf Wiener Neustadt und wegen eines Brandes, der am 2. April 1945 ausbracht bzw. gelegt wurde, wurden die Burg und die St.-Georgs-Kirche zerstört. Nach Kriegsende bemühte man sich das Gebäude in seiner ursprünglichen Form wiederherzustellen. 1958, nach der Verlegung der Offiziersausbildung aus Enns, konnte die militärische Ausbildung wieder an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt aufgenommen werden.   Quellen/Literatur:Gertrud Gerhartl, Wiener Neustadt. Geschichte, Kunst, Kultur, Wirtschaft, Wiener Neustadt 19932.Theo Rossiwall, Die alte Burg zu Wiener Neustadt, St. Pölten 1976.Johann Christoph Allmayer-Beck, Militärakademie – Kriegsschule – Fahnenjunker-Schule. Wiener Neustadt 1938–1945, Wien/u. a. 2010.

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Carl-Szokoll-Park

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Carl-Szokoll-Park – Burgplatz/Neunkirchner Straße Der militärische Widerstand Auf der gegenüberliegenden Seite der Wiener Neustädter Militärakademie bzw. des Einfahrtstores zur Daun-Kaserne befindet sich der Carl-Szokoll-Park, in dem zum einen auf dem Weg ein Gedenkstein eingelassen ist und zum anderen dünne, braunfarbige Säulen aufgestellt sind: Carl Szokoll erhielt seine militärische Ausbildung von 1936 bis 1938 an der Akademie in Wiener Neustadt. Als Offizier der nunmehrigen Deutschen Wehrmacht nahm er als Polen- und Westfeldzug teil. 1941 wurde er in das „Stellvertretenden Generalkommando XVII“ nach Wien versetzt, wo er Führungsaufgaben übernahm und ab 1943 Leiter der Organisationsabteilung des genannten Generalkommandos wurde. Major Szokoll war in das Attentat auf den Führer Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 (Operation „Walküre“) involviert und fungierte als Verbindungsmann in Wien (zu Claus Graf Schenk von Stauffenberg). Nach diesem misslungenen Putschversuch kam es zur Verfolgung und Bestrafung der Attentäter sowie aller Verdächtigen. Szokolls Rolle blieb unentdeckt. 1945 formierte sich in Wien unter Major Szokoll eine Widerstandsgruppe, die versuchte, eine kampflose Übergabe der Stadt Wien an die sowjetischen Streitkräfte zu erreichen („Operation Radetzky“). Denn am 2. April 1945, als die Rote Armee Baden und Pressburg erreicht, wurde Wien zum Verteidigungsbereich erklärt und die Eroberung der Hauptstadt der „Ostmark“ steht bevor. Mitglieder der Szokoll-Widerstandsgruppe gaben am 4. April an das Kommando der Rote Armee in Hochwolkersdorf Informationen (zum Beispiel Stärkemeldungen) weiter, da man meinte, dass die Sowjets über die militärischen Kräfte im Bilde sein sollten, um einer völligen Zerstörung der Stadt vorzubeugen. Tatsächlich versprach die Führung der Rote Armee unter anderem, die Stadt Wien nicht zu bombardieren und „schonend vorzugehen“. Die Operation „Radetzky“ wurde jedoch verraten und einige Mitglieder des militärischen Widerstandes hingerichtet: Major Karl Biedermann, Hauptmann Alfred Huth und Oberleutnant Rudolf Raschke wurden in Wien Floridsdorf an Laternenpfählen gehenkt. Szokoll konnte seiner Verhaftung entgehen, tauchte unter und floh zur sowjetischen Führung nach Niederösterreich. Man warf Szokoll nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs vor, dass er ein Verräter gewesen sei. Er habe schließlich seinen Treueeid gebrochen, habe Geheimnisse weitergegeben und sei für den Tod von Soldaten verantwortlich. Dem entgegnen andere, dass Szokoll mit seinem Handeln, die Zerstörung der Stadt Wien verhindert habe und damit vielen Menschen, Soldaten und Zivilisten, letztlich das Leben gerettet habe. Szokoll sei vielmehr ein Held. Die im Carl-Szokoll-Park, der erst im Jahr 2009 als solcher neu benannt wurde, aufgestellten Lichtsäulen tragen jeweils einen Begriff („Recht“, „Pflicht“, „Moral“ und „Gewissen“), was zum Nachdenken über die Problematik des Widerstandes in einer Diktatur anregen soll. Eine in den Boden des Gehwegs eingelassene Steinplatte weist den folgenden Text auf: Major Carl Szokoll(1915-2004)zählt durch dieRettung Wiens 1945zu den prominentestenPersönlichkeiten desösterreichischen Widerstandesgegen den NationalsozialismusRechtPflichtMoralGewissen   Quellen/Literatur:Gerhard Geissl, Denkmäler in Wiener Neustadt. Orte des Erinnerns, Berndorf 2013.Carl Szokoll, Die Rettung Wiens 1945. Mein Leben, mein Anteil an der Verschwörung gegen Hitler und an der Befreiung Österreichs, Wien 2001.  

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Gestapo Promenade 1

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Heller-Villa – Promenade 1 Die Gestapo In der Idylle des Wiener Neustädter Stadtparks findet man ein Gebäude an der Promenade 1, das heute einen Kindergarten beherbergt. Hier befand sich während der NS-Zeit die Zentrale der Geheimen Staatspolizei (Gestapo): Bald nach der Machtergreifung und dem Einmarsch deutscher Truppen in Wiener Neustadt wurde am 17. März 1938 in der Wiener Straße 12 die „Außenstelle der Gestapo“ in Wiener Neustadt eingerichtet. Das Kommando der Schutzpolizei hatte sich in der Herzog-Leopold-Straße 30 befunden. Nach der Übernahme eine Villa im Stadtpark (Promenade 1), die sich im Eigentum der Jüdin Eleonore Heller befunden hatte, wurde die Außenstelle in der Folge mit 1. November 1938 dorthin verlegt. Leiter der Gestapo-Außenstelle war Dr. Hubert Hueber, sein Stellvertreter Dr. Fritz Kranebitter. Der Wirkungskreis der Gestapo Wiener Neustadt erstreckte sich auf das Gebiet der Bezirkshauptmannschaften Hollabrunn, Mistelbach, Korneuburg, Gänserndorf, Floridsdorf-Umgebung, Tulln, Bruck/Leitha, Hietzing-Umgebung, Mödling, Baden, Wiener Neustadt und Neunkirchen. Die erste Aufgabe der Gestapo bestand für Wiener Neustadt darin, „alle führenden Funktionäre der kommunistischen, marxistischen, legitimistischen Bewegung, ferner der Vaterländischen Front und des Sturmkorps“ festzunehmen. Die Gestapo spielte im Zusammenhang mit der Beraubung der jüdischen Bevölkerung sowie ihrer Vertreibung 1938 eine wichtige Rolle. In den folgenden Jahren bestand das Hauptaugenmerk – nach den „Säuberungs- und Entjudungsmaßnahmen“ – in der Überwachung und Inhaftierung von Oppositionellen. Die kommunistische Untergrundbewegung in Wiener Neustadt und der nahen Umgebung wurde von der Gestapo mithilfe von Spitzeln zerschlagen. In einer speziellen Kartei wurden nach drei Kategorien Personen erfasst: (a) schwere Fälle, (b) weniger schwer Beurteilte (c) Personen, die in Zeiten der politischen Spannung sorgfältig zu überwachen sind. Mit Kriegsbeginn 1939 wurden die hierin erfassten Personen verhaftet und in Konzentrationslager überstellt. Im Keller der Gestapo-Zentrale waren Zellen eingerichtet. Verhaftete bzw. hier Festgehaltene wurden verhört, misshandelt und gefoltert, wie Zeitzeugen- und Opferberichte beweisen. In der Bevölkerung von Wiener Neustadt wusste man, dass es besser war, sich von diesem Haus fernzuhalten – nicht ohne Grund, denn Bewohner, die dorthin gebracht worden waren oder sich dort zu melden hatten, blieben oft lange hinter Gittern oder „verschwanden“. Am 31. März 1945 setzte sich das Personal der Gestapo-Zentrale Wiener Neustadt nach Westen ab. Das gesamte Aktenmaterial wurde zuvor vernichtet. Heute befinden sich im Keller des Gebäudes ein kleiner Ausstellungsraum und eine zu besichtigende Folterzelle.   Unterrichtsmaterialien: Die-Zentrale-der-Gestapo.pdf Quellen/Literatur:DÖW (Hg.), Widerstand und Verfolgung in Niederösterreich 1934-1945. Eine Dokumentation, Bd. 2, Wien 1987.

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Recht unter dem Hakenkreuz

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Kreisgerichtsgebäude und Gefangenenhaus – Maria-Theresien-Ring 5 NS-Justiz und Erbgesundheitsgericht In den Jahren 1890 bis 1893 wurden am Maria-Theresien-Ring das Kreisgerichtsgebäude und das Gefangenenhaus (für 150 Insassen) errichtet. In der NS-Zeit kam diesen Gebäuden eine besondere Bedeutung für die Stadt und die Region des südlichen Niederösterreich zu: Organisatorisch wurden nach dem „Anschluss“ 1938 im Zuge der „Gleichschaltung“ die Kreisgerichte in Landesgerichte und die Bezirksgerichte in Amtsgerichte umgewandelt. Zwar durfte der Präsident Dr. Richard Kilhof (1935-1939) die Leitung des nunmehrigen Amts- und Landesgerichts von Wiener Neustadt noch kurze Zeit weiterführen, dann wurde die Leitung von Dr. Othmar Herman (1939-1944) und Dr. Arthur Klohs (1944-1945) übernommen. Im Rahmen der „Säuberungen“ 1938 wurde beispielsweise Oberlandesgerichtsrat Gustav Bärtl, der bei politischen Prozessen den Vorsitz innegehabt hatte und 1936 bei vielen sogenannten „NS-Prozessen“ das Urteil gesprochen hatte, am 12. März verhaftet. In der Zeit des Nationalsozialismus richtete die NS-Justiz auf der Grundlage einer Reihe von Gesetzen und Verordnungen, mittels derer manpolitische Gegner und oppositionelles Verhalten bekämpfte. Bereits unmittelbar nach der Machtergreifung nahm man Mitglieder der christlich-sozialen Führung (des „Ständestaates“) in Haft, aber auch Sozialdemokraten und Kommunisten, die amtsbekannt waren. Weiters wurde Juden im Verlauf der Beraubung während des „Anschlusspogroms“ festgenommen und eingesperrt. Zur Zeit des „Novemberpogroms“ inhaftierte man im Gefangenenhaus mehrere hundert Juden und Jüdinnen, darunter ganze Familien, bevor man sie aus Wiener Neustadt abschob. Vor allem im Zweiten Weltkrieg galt das Hauptaugenmerk jeglicher Form von Widerstand. Man ahndete Vergehen mit besonderer Härte, seien es etwa Einbruchsdiebstähle (von sogenannten „Volksschädlingen“) oder kritische Äußerungen gegen die nationalsozialistische Weltanschauung. Dem Denunziantentum war damals Tür und Tor geöffnet. Die Todesstrafe traf Angeklagte wegen „Heimtücke“ (zum Beispiel Bestrafung von regimekritischen Äußerungen),„Wehrkraftzersetzung“ (zum Beispiel Kriegsdienstverweigerung) oder eines „Rundfunkvergehens“ (Hören eines Feindsenders). Es gab in Wiener Neustadt – neben Korneuburg, Krems, St. Pölten, Wien und Znaim – ein Erbgesundheitsgericht. Dieses war dem Amtsgericht angegliedert und urteilte in Fragen der „Verhütung erbkranken Nachwuchses“, das heißt von Zwangssterilisationen. Im März 1945 wurde das Gerichtsgebäude mit seinem Gefangenenhaus durch Luftangriffe schwer beschädigt und ab 1948 wiederaufgebaut und erweitert.   Quellen/Literatur:Sammlung Sulzgruber  

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Luftschutzraum Kasematten

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Stadtpark – Schubertweg/Bahngasse Luftschutzraum & Gasschleuse Geht man in den Stadtpark und folgt dem Schubertweg in Richtung Norden, erkennt man nahe der Bahngasse, nur wenige Meter neben den jüdischen Grabsteinen, die sich an der alten Stadtmauer befinden, eine graue Eisentüre. Dies ist ein Zugang zu einem Luftschutzkeller in den Kasematten: Die Kasematten wurden ursprünglich 1551 bis 1557 nach den Plänen des kaiserlichen Baumeisters Johann Tscherte („königlicher Oberstbaumeister der niederösterreichischen Lande“) erbaut und dienten der Aufbewahrung von Waffen und Munition. An der Westseite der Verteidigungsanlage ist eines der zwei Ausfallstore erhalten, wobei dieses seit den frühen 1940er Jahren mit einer Tür versehen ist. Denn während des Zweiten Weltkriegs (ab 1943) wurde ein Teil der Kasematten zu einem Luftschutzraum umfunktioniert. Es handelt sich hierbei um die letzte erhaltenen Gasschleuse eines öffentlichen Luftschutzraumes in Wiener Neustadt. Ziel einer solchen Gasschleuse war es, die Bevölkerung vor der Wirkung etwaiger Gasbomben zu schützen. Der „Gaskrieg“, wie er im Ersten Weltkrieg seinen grausamen Anfang genommen hatte, war eine mit großer Angst behaftete Form des Krieges. Die Furcht vor einem qualvollen Erstickungstod führte zur Einrichtung von Gasschleusen. Dabei handelte es sich um abgeschlossene (Vor-)Räume, die vor den eigentlichen Schutzräumen angelegt wurden und den Weg ins Innere (also die Eingangstür in die Gasschleuse und die Tür in den Schutzraum) mit gut zu verriegelnden, aber auch abgedichteten Türen abschotten sollten. Schutzsuchende durften sich darin im Ernstfall nicht aufhalten, und es sollten nicht beide Türen gleichzeitig geöffnet sein, um das Eindringen von chemischen Kampfstoffen zu verhindern. In tiefen Bunkeranlagen gab es Absaugvorrichtungen und Filteranlagen, die die kontaminierte Luft reinigten. Grundsätzlich sollte aber die „Volksgasmaske“, deren Verwendung im Luftschutz geübt wurde, vor chemischen Stoffen Schutz bieten. Das Verhalten der Personen wurde durch Luftschutzraum- und Gasschleusen-Ordnungen klar geregelt, in welchen es zum Beispiel hieß: „Luftschutzraum und Gasschleusentür nie gleichzeitig öffnen!“„Vor jedem Öffnen der äußeren Gasschleusen­tür Volksgas­maske aufsetzen!“„Volksgas­maske erst absetzen, wenn kein Kampfstoff mehr feststellbar!“ Erwähnenswert ist, dass Türen in Gasschleusen auch einen „Türspion“ (ein Guckloch) aufweisen konnten, sodass man von innen erkennen konnte, ob man den Raum verlassen durfte. An der äußeren Glasschleusentür in Wiener Neustadt gibt es ein solches Guckloch. Eine Absaug- bzw. Filteranlage schien es nicht gegeben zu haben. Es war wohl der Be- und Entlüftungsschacht in der Decke der Gasschleuse als ausreichend befunden worden.   Quellen/Literatur:Michael Müller, Der zivile Luftschutz in Wiener Neustadt während der Jahre 1938-1945, Wiener Neustadt 2010. [= Broschüre des IVM 137]Sammlung Sulzgruber, Zeitzeugen-Berichte.  

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Heimkehrer-Gedenktafel

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Heimkehrergedenktafel – Bahnhofplatz 2 Wiener Neustadt die „Heimkehrerstadt“ Der Wiener Neustädter Bahnhof war neben dem Ostbahnhof in Wien der „Heimkehrerbahnhof“ in Österreich. In den Jahren 1945 bis 1955 kamen insgesamt rund 106.000 Menschen, darunter zirka 60.000 Soldaten aus russischen Kriegsgefangenenlagern in Wiener Neustadt an: Am 28. Mai 1945 traf der erste Heimkehrer-Transport mit 250 Soldaten, die sich in russischer Kriegsgefangenschaft befunden hatten, am Bahnhof Wiener Neustadt ein. Zirka 400 Männer gelangten in den weiteren beiden Heimkehrerzügen im Juni in ihre Heimat. Die größten Transporte fuhren am 3. und 7. Juli 1946 ein, wobei es sich um Entlassene aus der Kriegsgefangenschaft in Großbritannien handelte. Auch ein Transport am 2. Juli 1948 brachte 464 Soldaten aus dem damaligen Jugoslawien zurück auf österreichisches Staatsgebiet. Anlässlich des 25. Heimkehrer-Transports am 27. November 1947 begrüßte Bundeskanzler Leopold Figl die Heimkehrer, und zum 60. Heimkehrer-Transport am 21. 0ktober 1953 aus der UdSSR nahm Bundespräsident Theodor Körner persönlich die offizielle Begrüßung vor. Es waren überhaupt Repräsentanten der Stadt-, Landes- und Bundesregierung sowie der sowjetischen Verwaltung bei den Ankünften der Heimkehrer zu ihrer Begrüßung anwesend. Unter den ersten Transporten waren noch viele Verwundete, Kranke und Schwache gewesen. Die größte Anzahl von Heimkehrern wurde in den Jahren 1949 und 1950 gezählt. Der letzte Transport kam am 25. Juli 1955, nach Abschluss des Staatsvertrags, an und brachte Soldaten aus der russischen Kriegsgefangenschaft. Diese Gruppe nannte man aus gutem Grund die „Spätheimkehrer“. Sie hatten die Zwangsarbeit in den Lagern der Sowjetunion und damit Sibiriens überlebt, und sie litten unter den Folgen der Unterernährung sowie der körperlichen und seelischen Belastungen. Oft waren die Heimkehrer-Transport aus dem Osten gar nicht angekündigt, sondern Informationen darüber trafen überraschend und kurzfristig ein. Trotzdem versammelten sich sowohl Angehörige (zumeist Frauen und Kinder) als auch Schaulustige, hunderte erwartungsvoll Hoffende, wenn die Waggons – Güter- und Personenwaggons –, aus denen die Heimkehrer winkten, am Hauptbahnhof hielten und sich die Türen öffneten. Die Wartenden riefen Namen der von ihnen Gesuchten und Vermissten. Oft begann vor Ort die beiderseitige Suche nach Angehörigen und Hinweisen nach Menschen, die den Krieg überlebt hatten und man zu finden hoffte. Diejenigen, die auf der Heimkehrerstraße – wie die breite Straße vom Bahnhofsplatz zur Kollonitschgasse später genannt wurde – nun definitiv in die Freiheit entlassen wurden, waren Opfer von zwei Diktaturen geworden und hatten, im Falle der „Spätheimkehrer“ ihre Familienangehörigen über ein Jahrzehnt nicht gesehen.   Quellen/Literatur:Gertrud Gerhartl, Wiener Neustadt. Niederösterreichischer Kulturführer. Wien/München 1983.Gertrud Gerhartl, Wiener Neustadt. Geschichte, Kunst, Kultur, Wirtschaft. Wiener Neustadt 19932.Mediathek WienFotografien aus der ÖNB  

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Erinnern am Bahnhofplatz 1

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Gedenktafel über die getöteten Eisenbahner – Bahnhofplatz 1 Bahn im Dritten Reich & Eisenbahn-Bedienstete Neben dem neuen Bahnhof-Hauptgebäude ist an der Gebäudefront des rechts bzw. nördlich anschließenden, zurückversetzten Nebengebäude eine große Tafel angebracht. Diese Gedenktafel weist uns auf die Rolle einzelner Bahnbediensteter in der NS-Zeit hin: Im Allgemeinen muss angemerkt werden, dass die ÖBB 1938 in die Deutsche Reichsbahn eingegliedert wurde. Das Verkehrswesen und insbesondere die Bahn spielte im Zweiten Weltkrieg eine besondere Rolle: nicht nur für den Truppentransport, die Versorgung und den Nachschub, sondern auch innerhalb der Vernichtung von Minderheiten. Denn in den Waggons der Reichsbahn deportierte man Juden und Jüdinnen sowie Roma, Sinti, politisch Verfolgte und andere „Feinde des Deutschen Volkes“ in die Ghettos und Konzentrationslager. Fremd- und Zwangsarbeiter rollten auf den Bahnschienen in die Region und wurden hier ausgebeutet, wie zum Beispiel in den Großunternehmen der Rüstungsindustrie im Norden von Wiener Neustadt. Obgleich sich natürlich Bahnbedienstete, wie alle anderen Beamten im NS-Staat, zum Nationalsozialismus bekennen mussten, waren Angehörige der Reichsbahn dennoch am Widerstand beteiligt. Dieser reichte beispielsweise von der Produktion, Weitergabe und Verteilung von Flugzetteln und Zeitungen, über die Bildung illegaler Organisation bis hin zu Sabotage-Akten. Insgesamt wurden in Österreich 1.438 Bahnbedienstete im Zusammenhang mit Widerstandsaktivitäten zu einer Haftstrafe in einem Zuchthaus verurteilt oder in ein Konzentrationslager eingewiesen, 154 wurden hingerichtet und 135 starben in einem Zuchthaus oder KZ. Die Gedenktafel erinnert an drei „Im Kampf gegen den Nationalsozialismus getötete Eisenbahner“. Es wird dem StellwerkmeisterJosef Höger (verstorben am 6. November 1944 im Kriegslazarett Agram/Zágráb), dem Stations- und Magazinarbeiter Ludwig Huber (vermisst in einer Strafkompanie in Jugoslawien seit 17. Oktober 1944) und dem Weichensteller Heinrich Sauer (verstorben im Kerker in Stein a. d. Donau am 2. Jänner 1945) gedacht. Alle drei waren ÖBB-Bedienstete und als Kommunisten in den frühen 1940er Jahren aktiv geworden: Nachdem Ludwig Huber im Juni 1940 verhaftet worden war, hatte Heinrich Sauer dessen Ehefrau finanziell zu unterstützen versucht und deshalb ein illegales Organisationsnetz gebildet, in das er unter anderem Josef Höger mit einbezog. Sauer und Höger wurden 1942 „wegen Vorbereitung zum Hochverrat“ verurteilt, Sauer zu zwölf und Höger zu zehn Jahren Zuchthaus. Während Heinrich Sauer inhaftiert blieb und verhungerte, wurden Josef Höger und Ludwig Huber in Strafkompanien (sogenannte „Bewährungseinheiten“) eingezogen und starben in Jugoslawien. Insofern ist die Überschrift auf der Tafel („Im Kampf gegen den Nationalsozialismus getötete Eisenbahner“) nicht ganz richtig, denn Höger erhielt als Soldat ein „Heldengrab“.   Quellen/Literatur:Gerhard Geissl, Denkmäler in Wiener Neustadt. Orte des Erinnerns, Berndorf 2013.Karl Flanner, Freiheitskampf. Widerstand im Gebiet Wiener Neustadt 1938-1945, Wiener Neustadt 2003.Brigitte Haberstroh/Maximilian Huber/Michael Rosecker (Hg.), Stolpersteine Wiener Neustadt. Stadtführer des Erinnerns, Wiener Neustadt 2011.DÖW (Hg.), Widerstand und Verfolgung in Niederösterreich 1934-1945. Eine Dokumentation, Bd. 2, Wien 1987.Verdrängte Jahre. Bahn und Nationalsozialismus in Österreich . Eine Ausstellung der ÖBB, Graz 2013.  

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Denkmal Heimkehrerstraße/Kollonitschgasse

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Heimkehrerdenkmal – Heimkehrerstraße/Kollonitschgasse Neubeginn nach der Kriegsgefangenschaft Direkt an der Kreuzung Heimkehrerstraße/Kollonitschgasse wurde im Jahr 1976 das „Heimkehrerdenkmal“ aus Sandstein, ein Werk des Bildhauers Wilhelm Wurzer, errichtet. Es trägt die Inschrift: Rückkehr in die Heimat,allen Heimkehrern gewidmetvon der Stadt Wiener Neustadt und dem Heimkehrerverband Österreich 1976. Die „Kriegsgefangenenfürsorge“ des Innenministeriums hatte die Organisation der Rückführung von Heimkehrern über. Die Heimkehrenden wurden ärztlich untersucht und erhielten Zivilbekleidung, weil sie noch Kleidung der Gefangenschaft und russische Soldatenmützen trugen. Wiener Neustadt war zwar für alle der erste Augenblick, an dem sie österreichischen Boden betraten, aber für die meisten nur ein erster Schritt ins neue Leben. Denn nun musste die Weiterreise in die jeweiligen Heimatorte angetreten werden, die auch im Westen Österreichs liegen konnten. Dazu benötigten die Heimkehrer Hilfe. Deshalb bekamen sie Unterkünfte, Fahrscheine und/oder kleine Geldbeträge. Ein wichtiges Dokument war der „Heimkehrer-Entlassungsschein“, mit dem sich Heimkehrer ausweisen konnten. Ihnen stand die gesellschaftliche Wiedereingliederung bevor. Das heißt, sie mussten sich unter anderem das Zurechtfinden unter den neuen Bedingungen der „Besatzungszeit“ bzw. (ab 1955) der Zweiten Republik zurechtfinde, sich auf die Suche nach einem Arbeitsplatz begeben und einem geregelten Alltag nachkommen. Viele der Heimkehrer hatten ihre alte Rolle als „Familien-Ernährer“ zu übernehmen. Die Hungerschäden am Körper und das Kriegs- und Lager-Trauma für die Psyche machten diesen Schritt für die Heimkehrer und die Familienangehörigen oder Verwandten, sofern sie das Grauen des Krieges überlebt hatten, keineswegs einfach. Es musste erst Vertrauen in die „fremden“ Väter bzw. in die Ehepartner aufgebaut werden. Die Männer hatten sich durch den Soldatenalltag im Krieg und das harte Lagerleben verändert. Die Heimkehrer kamen im Fall von Wiener Neustadt in eine völlig zerstörte Stadt zurück und wurden im Allgemeinen sofort in den Prozess des Wiederaufbaus von Wiener Neustadt eingebunden. Nur in der Zusammenarbeit aller konnte dies gelingen.   Quellen/Literatur:Gerhard Geissl, Denkmäler in Wiener Neustadt. Orte des Erinnerns, Berndorf 2013.Sammlung Sulzgruber, Zeitzeugen-Berichte.  

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Haus Kollonitschgasse 12

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Wohn- und Bürogebäude – Kollonitschgasse 12 Kreisleitung der NSDAP Etwa in der Mitte der Kollonitschgasse sieht man an der Nordseite des Straßenzuges das Haus Nr. 12. Das Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete Haus war das Palais der Reichsgrafen von Götzen – wie das gräfliche Wappen über dem Eingang widerspiegelt. Hier befand sich ab 1938 die Kreisleitung der NSDAP: Mit der Eingliederung Österreichs 1938 und der gesellschaftlichen Gleichschaltung wurden entsprechende Infrastrukturen und Verwaltungen geschaffen, die die NS-Herrschaft und ihr Parteiapparat benötigten, um möglichst alle Lebensbereiche zu kontrollieren. Zur bürokratischen Zentralverwaltung der NSDAP zählte regional die Kreisleitung. Sie war gemeinsam mit dem Rathaus und den dortigen Bürgermeister das Machtzentrum für die Stadt und den Verwaltungsbezirk. Deshalb befanden sich also an der Adresse Kollonitschgasse 12 wichtige Ämter der NSDAP und der ihr angeschlossenen Organisationen. Zu den Ämtern und Abteilungen der Kreisleitung zählten beispielsweise jene für Handwerk und Handel, Propaganda und Presse, die NS-Volkswohlfahrt, die NS-Frauenschaft und viele andere. An der Spitze stand der Kreisleiter von Wiener Neustadt, Ingenieur Ferdinand Ulz, der sich bereits in der illegalen Zeit einen Namen gemacht hatte und in der Verbotszeit der NSDAP in Haft gewesen war. Der NSDAP-Kreisleitung Wiener Neustadt unterstanden organisatorisch 26 Ortsgruppen (mit jeweils einem Ortsgruppenleiter. In den 81 „Zellen“ (geführt von je einem Zellenleiter) waren über 400 Blockleiter für die Partei tätig. Für die zahlreichen Parteidienststellen und NS-Organisationen reichte die Liegenschaft in der Kollonitschgasse (die zur „Straße der SA“ umbenannt wurde) mit ihren Baulichkeiten und Flächen dennoch nicht aus, weshalb andere Gebäude adaptiert wurden. Für die NSDAP war es am einfachsten, Häuser von Juden, die man aus der Stadt vertrieben hatte, zu beschlagnahmen. Dementsprechend wurden an ehemals jüdischen Adressen, aber auch Gebäuden, die zuvor Organisationen im „Ständestaat“ gedient hatten, eingebunden. Das Haus Kollonitschgasse 12 hatte einer jüdischen Familie gehört, nämlich der Weinhändlerfamilie Reininger. Während etwa die Sturmabteilung – SA-Standarte 76 (Wiener Neustadt) – ihre Zentrale in der Kollonitschgasse fand, waren beispielsweise die Jugendorganisationen andernorts untergebracht: der Bund Deutscher Mädel (BDM) im Truppenspital in der Ungargasse und die HJ in der Martinsgasse 9.   Quellen/Literatur:Gertrud Gerhartl, Wiener Neustadt. Niederösterreichischer Kulturführer. Wien/München 1983.Werner Sulzgruber, Das jüdische Wiener Neustadt. Geschichte und Zeugnisse jüdischen Lebens vom 13. bis ins 20. Jahrhundert, Wien 2010.Werner Sulzgruber, Lebenslinien. Jüdische Familien und ihre Schicksale. Eine biografische Reise in die Vergangenheit von Wiener Neustadt, Wien/Horn 2013.    

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Stadtmauer beim Reckturm

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„Schmuckerau“ an der Stadtmauer beim Reckturm – Reyergasse/Petersgasse/Rudolf-Fischer-Gasse Letzte Zeichen aus der Zeit der „Verdunkelung“ In unmittelbarer Nähe des „Reckturms“, nämlich an der nach Süden verlaufenden Westmauer der Stadtbefestigung lässt sich ein weißer Pfeil mit schwarzer Spitze und Aufschrift „Schmuckerau“ in einer Höhe von rund zweiMetern erkennen. Es ist dies ein Hinweise auf bestimmte Luftschutzmaßnahmen, die vor und im Zweiten Weltkrieg in Wiener Neustadt getroffen wurden – Markierung & Verdunkelung: An Hausfassaden und nahe den Eingängen zu Luftschutzräumen wurden in weißer, als fluoreszierend einzustufende Farbe die Buchstaben „LSR“ sowie Richtungspfeile aufgemalt, sodass die Bevölkerung die Schutzräume einfacher finden konnte. Außerdem wurden beispielsweise die Gehsteigkanten markiert, sodass es bei der sogenannten „Verdunkelung“ zu keinen Verkehrsunfällen kommen sollte. Auch weitere Markierungsmaßnahmen, wie zum Beispiel das Aufmalen eines „H“ für die Kennzeichnung eines Hydranten, kamen damals zur Anwendung. Im Falle von Stromausfällen und ungenügender Beleuchtung in Luftschutzräumen wurde der jeweilige Notausstieg bzw. -ausgang mit „N.A.“ bezeichnet. Die „Verdunkelung“ wurde im Deutschen Reich mittels der Verordnungen vom 23. Mai 1939 und 22. Oktober 1940 geregelt. Diese sollte gewährleisten, dass feindlichen Flugzeuge (Tiefflieger, Aufklärungs- und Begleitflugzeuge, Bomber) keine Möglichkeit fanden bzw. Schwierigkeiten hatten, sich bei Nachtflügen zu orientieren und ihre Zielgebiete bzw. Ziele aufzufinden. Fenster von Gebäuden und diverse Lichtaustrittsöffnungen (Dachluken, Kellergitter o. Ä.) wurden verhängt bzw. verklebt, sodass möglichst kein Lichtschein nach außen trat. Fahrzeuge, wie zum Beispiel PKWs, waren mit Schlitzblenden auszustatten. Eigene „Luftschutzwarte“ (des Reichsluftschutzbundes, RLB) kümmerten sich um die Einhaltung sämtlicher Verpflichtungen, da seit 1935 eine „Luftschutzpflicht“ existierte, die jeden Reichsbürger unter anderem dazu verpflichtete, Verdunkelungs-, Brandbekämpfungs-, Erste-Hilfe-Maßnahmen durchzuführen. In Wiener Neustadt sind heute nur noch an zwei öffentlichen Plätzen solche Hinweise auf Luftschutzmaßnahmen erkennbar, nämlich beim Reckturm und an der südöstlichen Gebäudeecke der Volksschule in der Josefstadt. Mit dem Hinweis „Schmuckerau“ an der damaligen Petersgasse zum Babenbergerring sollte den Bewohnern bei Fliegeralarm der Fluchtweg aus der Stadt angezeigt werden. Über die Martinsgasse konnte man am schnellsten in das kaum besiedelte Gebiet des Hammerbach- und Fischabaches westlich des Bahndamms sowie zur „Siedlung Schmuckerau“ (die einst am Ende der Obstgasse lag) gelangen.

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Arbeiterheim am Baumkirchnerring 4

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Tafel Arbeiterheim – Baumkirchnerring 4 Arbeiteropposition – Deutsche Arbeitsfront – kommunistischer Widerstand Das 1905 durch den Umbau einer Gastwirtschaft geschaffene „Arbeiterheim“ am Baumkirchnerring 6 war ein Versammlungsort für die Arbeiterschaft, die kommunistisch, sozialistisch und sozialdemokratisch gesinnt war. Wiener Neustadt stellte die Wiege der Arbeiterbewegung dar und war eine sozialdemokratische „rote Hochburg“ in Niederösterreich. Das Arbeiterheim wurde nach dem Februar 1934 beschlagnahmt und wurde vom Schutzkorps und der Heimwehr genützt. 1935 kam es zur Wiedereröffnung des Arbeiterheimes, das nun der Kammer für Angestellte und Arbeiter gehörte. Es wurde offiziell der Arbeiterschaft zur Wiederbenützung übergeben und sollte fortan „sämtliche Arbeiter auf gemeinsamer Plattform im deutsch-christlichen Ständestaat Österreich vereinigen“. Fortan wurden im Arbeiterheim auch Ausspeisungen für die Not leidende Bevölkerung durchgeführt, um die Arbeiterschaft zu gewinnen. Viele sozialdemokratischen Arbeiter wandten sich in der Zeit der hohen Arbeitslosigkeit in den 1930er Jahren den Nationalsozialisten zu. Der ökonomische Aufschwung in Deutschland faszinierte die Menschen damals, sodass viele auch den wirtschaftlichen „Anschluss“ befürworteten. 1938 sank die Zahl der Arbeitslosen aufgrund der nationalsozialistischen Beschäftigungspolitik („Arbeitsbeschaffung“) rasch ab. In der Wahrnehmung der Bevölkerung brachte Hitler endlich Arbeit. Die NS-Propaganda bewirkte das ihre, dass viele Arbeiter die neuen Verhältnisse befürworteten. Während der NS-Zeit wurde die Arbeiterschaft in der „Deutschen Arbeitsfront“ (DAF) vereinigt. Andere Organisationen wurden nicht geduldet. Die DAF nahm als Einheitsorganisation „aller schaffenden Deutschen“ den Platz der Gewerkschaften ein. Die Zielsetzung der DAF war es, Arbeiter und Angestellte ideologisch an den Nationalsozialismus zu binden und eine „Volks- und Leistungsgemeinschaft“ zu etablieren. Die Motivation, der DAF beizutreten, war hoch, denn als Mitglieder kam man in den Genuss von kulturellen Angeboten. Die Unterorganisation „Kraft durch Freude“ (KdF) organisierte beispielsweise Freizeitveranstaltungen und Urlaubsreisen. Dennoch regte sich auch Widerstand innerhalb der Arbeiterschaft und zwar vor allem im Osten der „Ostmark“. In Wiener Neustadt waren es die Kommunisten, die gegen das NS-Regime aktiv wurden, indem sie Flugblätter druckten und Zeitungen verteilten. Die KPÖ war bekanntlich seit 1933 verboten und hatte insofern Erfahrung in Aktivitäten im Untergrund. Die Kommunisten versuchten in den Industriebetrieben eine organisatorische Basis aufzubauen und Gegen-Propaganda zu betreiben. Die Wirkung ihres Tuns blieb allerdings minimal. Die Gestapo ging gegen die Gruppe der Kommunisten (aber auch der Revolutionären Sozialisten) rigoros vor. Die kommunistischen Zellen wurden zerschlagen, und Verurteilungen – zum Beispiel wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ – zogen die Haft in einem Konzentrationslager oder die Hinrichtung nach sich. In den letzten Kriegstagen verhinderten kommunistische Arbeiter in Wiener Neustadt die Zerstörung ihrer Betriebe durch sich zurückziehenden SS-Verbände, wie dies auch in Brunn/Gebirge und Hainburg erfolgte.   Quellen/Literatur:Gertrud Gerhartl, Wiener Neustadt. Niederösterreichischer Kulturführer. Wien/München 1983.Gerhard Geissl, Denkmäler in Wiener Neustadt. Orte des Erinnerns, Berndorf 2013.Werner Sulzgruber, Die sterbende Stadt. Vom Leben in Wiener Neustadt 1933 bis 1938. Wirtschaftslage – Sozialpolitik – Alltagsbilder, Wiener Neustadt 2006.DÖW (Hg.), Widerstand und Verfolgung in Niederösterreich 1934-1945. Eine Dokumentation, Bd. 2, Wien 1987.Walter Edelbauer, An der Wiege der Bewegung. 100 Jahre SPÖ Wiener Neustadt, Wiener Neustadt 1989.    

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Synagoge am Baumkirchnerring

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Gedenktafel Synagoge – Baumkirchnerring 4 Jüdisches Gotteshaus & Sammellager Am Baumkirchnerring 4 befand sich die Synagoge der jüdischen Gemeinde von Wiener Neustadt, aber auch noch andere wichtige Einrichtungen der IKG waren dort situiert – bis zur Vertreibung der jüdischen Bevölkerung aus der Stadt: Die 1902 hier nach den Plänen von Wilhelm Stiassny errichtete Synagoge der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) stellte das wichtigste Gebäude für das religiöse Leben der jüdischen Minderheit in Wiener Neustadt dar. In unmittelbarer Nähe befanden sich das Lehr- und Bethaus und ein Schächthaus (Schlachthaus). Neben einem privaten Bethaus der Familie Koppel in der Haidbrunngasse und einem rituellen Tauchbad, dessen Standort unbekannt ist, gab es den jüdischen Friedhof in der Wiener Straße 95. 1938 lebten zirka 870 Juden und Jüdinnen in der Stadt, zwischen rund 650 und 680 von ihnen waren Mitglieder der IKG. Während des „Anschlusspogroms“ im März 1938 wurde die Synagoge nicht zum Ziel von antisemitischen Gewaltakten, aber in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 marschierten Nationalsozialisten in einem Fackelzug zum Baumkirchnerring. Eine Gruppe von Personen drang in das Gebäude ein und begann mit Verwüstungen. Das große Zierfenster an der Gebäudefront, das architektonisch als Davidstern ausgeführt war, wurde zerschlagen und die Bauelemente von einem Angehörigen der Sturmabteilung (SA) abgestemmt, sodass nur noch der runde Rahmen übrig blieb. Das herausgebrochene Material landete vor dem Eingangstor des Gotteshauses. Die Inneneinrichtung wurde entweder geraubt oder zerstört. Die NSDAP-Kreisleitung nahm unter anderem die Matrikenbücher der IKG an sich. Thora-Rollen wurden beschlagnahmt, geschändet und zerrissen. Am Donnerstag, dem 10. November 1938, begann die Verhaftung von Juden und Jüdinnen. Einige von ihnen wurden sofort nach Dachau transportiert. Der größte Teil der noch in der Stadt lebenden Juden und Jüdinnen kam zum zentralen Sammelpunkt: der Liegenschaft Baumkirchnerring 4. Jüdische Frauen und Kinder inhaftierte man in der Synagoge und im Bethaus. Die Sturmabteilung bewachte das Sammellager, bis man alle Inhaftierten ins Gefangenenhaus beim Kreisgericht, wo viele jüdische Männer eingesperrt worden waren, marschieren ließ und dann nach Wien verfrachtete. Nationalsozialisten raubten Wertgegenstände und Geld in jüdischen Wohnungen und Häusern. Das jüdische Eigentum ging in fremden Besitz über. Am 15. November 1938 hatte die Übernahme der Synagoge, des Bethauses (am Baumkirchnerring 4) und des jüdischen Friedhofs (in der Wiener Straße 95) mit allen Gebäuden stattgefunden, und zwar in den „physischen Besitz und Genuss“ der Stadt Wiener Neustadt. Die Synagoge sollte zu einem SS-Heim umfunktioniert werden, was nie umgesetzt wurde, sondern es wurde zu einem Lager. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Synagoge nie von Bomben getroffen, aber dennoch 1952/53 abgerissen. Das 1953/54 an ihrem Standort erbaute und 1954 eröffnete Haus des Österreichischen Gewerkschaftsbundes und der Arbeiterkammer, das Ende der 1970er Jahre von der Stadtgemeinde erworben worden war, erhielt 1980 in Erinnerung an den verstorbenen Bundesminister für soziale Verwaltung, Anton Proksch, den Namen „Anton-Proksch-Haus“. Eine Gedenktafel erinnert – inhaltlich jedoch nicht völlig korrekt* – an die Geschichte: „Im Jahr 1902 errichtete die Israelitische Kultusgemeinde Wiener Neustadt an dieser Stelle nach Plänen des Wiener Architekten Wilhelm Stiassny eine repräsentative Synagoge im maurischen Stil. Ähnlich wie viele andere Synagogen des Landes ist auch die Wiener Neustädter Synagoge am 9. November 1938 von Nationalsozialisten devastiert und entweiht worden. Durch die darauffolgende gewaltsame Vertreibung aller Juden aus der Stadt hörte die Israelitische Kultusgemeinde zu bestehen auf. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die bombenbeschädigte* ehemalige Synagoge abgetragen.“ Ausführliche Informationen zur Geschichte von Wiener Neustadt finden Sie unter: www.juedische-gemeinde-wn.at   Quellen/Literatur:Werner Sulzgruber, Das jüdische Wiener Neustadt. Geschichte und Zeugnisse jüdischen Lebens vom 13. bis ins 20. Jahrhundert, Wien 2010.Werner Sulzgruber, Lebenslinien. Jüdische Familien und ihre Schicksale. Eine biografische Reise in die Vergangenheit von Wiener Neustadt, Wien/Horn 2013.Werner Sulzgruber, Novemberpogrom 1938. Die „Reichskristallnacht“ in Wiener Neustadt und der Region. Hintergründe – Entwicklungen – Folgen, Wiener Neustadt 2013.    

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Der „Eiserne Ritter“ am Domplatz

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Der „Eiserne Ritter“ beim Dom – Domplatz Ein allzeit getreuer, siegreicher Ritter Der „Eiserne Ritter“ befindet sich an der südlichen Außenwand des Wiener Neustädter Doms und weist den Betrachter nicht auf die Zeit des Mittelalters, sondern auf die des Ersten und Zweiten Weltkrieges hin: Es handelt sich um ein Kriegerdenkmal, wie es in seiner Machart typisch für die Zeit des Ersten Weltkriegs und der darauffolgenden Nachkriegszeit ist. Die vom Künstler Heinrich Krippel geschaffene überdimensionale Ritterfigur hält in ihren Händen jeweils eine Lanze. Diese beiden Lanzen sind durch ein Banner mit der Aufschrift „Allzeit getreu“ verbunden. In martialischer Haltung steht der Ritter auf einem drachenähnlichen Fabel- bzw. Wappentier. Seine Körpersprache signalisiert vielleicht Standhaftigkeit, Kampfesmut und Stolz – schließlich ist er auch siegreich über das unter ihm liegende Wesen. Die feierliche Enthüllung des Denkmals erfolgte am 15. November 1931, also erst lange nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. Der Kriegerdenkmalverein Wiener Neustadt hatte 1930 den Auftrag dazu ausgeschrieben und den später realisierten Entwurf aus achtzig Vorschlägen im Rahmen eines Wettbewerbs ausgewählt. Der Ritter steht symbolisch nicht nur für seine Wehrhaftigkeit und Entschlossenheit, sondern für die ritterlichen Tugenden (des Mittelalters) an sich, also Tapferkeit, Treue, Ehre, aber auch Mäßigung, Güte und Mitleid. Die mittelalterliche Vorstellung von der Ritterlichkeit, wie sie vor allem in der höfischen Dichtung und den Heldenepen zum Ausdruck kam, führte in der Geschichte zur Romantisierung und Glorifizierung. Die Verherrlichung des Ritters in seiner Symbolik findet sich sowohl im Krieg als auch danach, wie sich im Kriegerdenkmal am Wiener Neustädter Dom zeigt. Die Bezeichnung „Ritter“ erhielt sich unter anderem in Formen der Auszeichnung, wie zum Beispiel im Zweiten Weltkrieg in Form des „Ritterkreuzes“ des „Eisernen Kreuzes“ (EK). Der „Eiserne Ritter“ von Wiener Neustadt steht auf einem Sockel, auf dem ein entsprechendes Kreuz sichtbar ist, und außerdem wird mit dem Schrift-Banner eindeutig die Treue hervorgehoben. Dem Begriff der Treue kam während der Zeit des Nationalsozialismus eine spezifische Bedeutung zu, sei es in Parolen für den Führer („Dem Führer allezeit getreu!“) – wie es explizit in Wiener Neustadt der Fall war – oder im heute verbotenen Wahlspruch der Schutzstaffel („Meine Ehre heißt Treue“). Insofern ist die Formulierung „allzeit getreu“ nicht unproblematisch, denn schließlich bezeichnet sie auch den bedingungslosen Gehorsam, wie er von den Soldaten in der Hitler-Diktatur eingefordert wurde. In Wiener Neustadt nahm man dieses Denkmal, das eigentlich auf den Ersten Weltkrieg bezogen war, bewusst auch für die Soldaten des Zweiten Weltkrieges auf. Denn erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Inschrift „Den Gefallenen der Weltkriege 1914-1918 und 1939-1945“ ergänzt und es kam das Symbol des „Eisernen Kreuzes“ bzw. „Schwarzen Kreuzes“ auf dem Sockel hinzu. Im Dom (gleichsam hinter dem Ritter gelegen, im südwestlichen Teil des Doms) befindet sich eine kleine, stets verschlossene Kapelle: die „Gedächtniskapelle“. Im Kapellenraum liegen zwei Bücher auf, geschützt hinter einer Abdeckung, die die Namen der Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkriegs enthalten. Im Buch zu den Gefallenen bzw. Vermissten aus dem Zweiten Weltkrieg mit seinen 806 Namen) sind außerdem, sofern bekannt, der Dienstgrad, das Geburts- und Todesdatum sowie der Ort des Todes eingetragen worden. Auf der Nordwand der Kapelle prangten die abgeänderten Zeilen eines Gedichts von Anton Wildgans (1881-1932): Das ist der Sinn von diesem großen SterbenIhr, die ihr noch lebet, merket wohl:Die schwere Zeit will große Erben.Ihr Todesmut will euren Lebensmut! Obgleich der Name des Lyrikers hinzugefügt wurde, als ob es ein Zitat wäre, so lautet der Wortlaut des Originals aus dem Jahr 1914 aber in Wahrheit anders. Es ist noch dazu kein Gedicht gegen den Krieg, sondern deutsche Kriegslyrik(!), wie sowohl der Titel „Vae Victis!“ (Wehe den Besiegten!) als auchInhalte dieses Weiheliedes klar zum Ausdruck bringen: Strophe 6:Weh den Besiegten! Härtester der Sprüche,An ihren Nacken wird er kalt vollstreckt,Mit Schlächterruhe ohne Haß und FlücheZermalmt die Brut und was sie ausgeheckt.Der Sieger wird die Großmut unterdrückenUnd über schmählich hingekrümmte RückenHinstampfen wie auf häßliches Insekt. (vorletzte) Strophe 11:Das ist der Sinn von diesem großen Sterben,Ihr, die ihr dann noch lebet, merketgut:Die großen Tatenwollengroße Erben,Ihr Todesmut will unsern Lebensmut,Ihr ungemeines opferndes VerrichtenBewirkt ein neues Maß für unsre Pflichten,Und wehe dem, der dann nicht liebt und tut! (letzte) Strophe 12:So zieht denn aus mit alten Schlachtenweisen,Geweiht Heere, Helden Mann für Mann!Jetzt wird mit heißem Blut und kaltem EisenEin wundersames Menschenwerk getan.Die größte Tat ist eurer Kraft beschieden:Dem heiligen Kriege folgt der heilige Frieden,Und weiße Tauben schweben himmelan. Obgleich ein allzeit getreuer, siegreicher Ritter am Dom steht, waren die Soldaten, die sich freiwillig gemeldet hatten oder unfreiwillig in den Krieg ziehen mussten, tatsächlich – sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg – Verlierer dieser großen, blutigen Kriege.  

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