Follow the Codes - Blum-reiche Familienverhältnisse

Erinnerungsort

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Ecke Wiener Straße / Rosengasse Wiener Neustadt ‒ Region: „Blum-reiche Familienverhältnisse“ Die Familie Blum war eine Großfamilie mit zahlreichen Kindern und Kindeskindern. So verwundert es nicht, dass sich einzelne Familienmitglieder in diversen Funktionen (in der IKG) und im Wirtschaftsleben der Stadt Wiener Neustadt finden. Bei den Blums handelte es sich um eine orthodoxe Familie aus Westungarn, die in die Region und die Stadt Wiener Neustadt kam, um hier durch den Gemischtwarenhandel Einkommen zu erwirtschaften. Jener Teil der Familie, der in Krumbach in der Buckligen Welt (im südlichen Niederösterreich) sesshaft geworden war, errichtete sogar eine private Synagoge, um den Geboten folgen zu können. In Wiener Neustadt schlossen sich Familienmitglieder zusammen und gründeten in den frühen 1920er Jahren einen Handelsbetrieb in der Wiener Straße 22: „Blum & Jaul“. Es waren dies Jakob Blum (Ehemann von Rosa Jaul), Fritz Jaul und Moritz Jaul – Letztere Ehemänner von Schwestern Jakob Blums. Ein solcher Zusammenschluss bot zweifellos eine bessere Grundlage, um einen Betrieb durch die wirtschaftlich keinesfalls einfachen 1920er und 1930er Jahre zu führen. Mit der Firma „Blum & Jaul“ gelang dies. Gute Gründe dafür waren wahrscheinlich die weiten Handelsverbindungen der Firma und dass die drei Geschäftspartner als Zwischenhändler viele andere jüdische Händler in der Region mit Waren belieferten. Im Fokus standen Lebensmittel und Kolonialwaren, außerdem wurde mit Haushaltswaren gehandelt. Das Geschäft in der Wiener Straße, ein zirka 9,5 Meter breites Geschäftsgebäude, bot mit den angeschlossenen Lagerräumlichkeiten genügend Fläche. Mit einem LKW wurden die Einkäufe getätigt und die Lieferungen bis ins Südburgenland und südlichste Niederösterreich durchgeführt. In der Wiener Straße gab es eine ganze Reihe von jüdischen Geschäften. In unmittelbarer Nähe zur Firma „Blum & Jaul“ waren dies das „Mode-Kleiderhaus Posthof“ von Alfred Grünhut (Nr. 17), das „Schuhhaus Brod“ von Dipl.-Ing. Josef und Irma Brod (Nr. 17) und die Parfümerie von Josef Fruchter (Nr. 26). Gleich um die Ecke in der Rosengasse gab es den Kaufmann Karl Breuer mit chemisch-technischen Produkten (Rosengasse Nr. 3) und in der Domgasse den Kleiderhandel von Wilhelm Schischa (Nr. 3). Auch jüdische Rechtsanwälte hatten hier ihre Kanzleien, wie beispielsweise Dr. jur. Fritz Aufricht (Domgasse 2) und Dr. jur. Sigmund Reichard (Wiener Straße 20). Ein solch gut funktionierender Betrieb wie die Firma „Blum & Jaul“ weckte im März 1938 schnell das Interesse von Mitgliedern der NSDAP an einer Übernahme, die auch prompt Mitte März 1938 stattfand. Der „Generalabwickler“ von Wiener Neustadt, Ing. Fritz Helmling, hatte wie auch bei anderen jüdischen Betrieben im Verfahren der „Arisierung“ seine Finger im Spiel. Jakob Blum und seine Familie konnten entkommen und gelangten bis vor die Küste Palästinas – auf der bekannten „Patria“. Sie zählten aber nicht zu den Glücklichen, die von der britischen Mandatsregierung aufgenommen wurden, sondern zu jenen, die man dazu zwang, Schiffe nach Mauritius zu besteigen, wo sie bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs interniert waren. Sie waren nicht die einzigen Wiener Neustädter, denn auch Mitglieder der Familien Boskowitz, Jaul und Winkler hielt man auf Mauritius fest. 

Follow the Codes - Ort des Gebets, der Haft und der Erinnerung

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Ecke Wiener Straße / Rosengasse

Wiener Neustadt ‒ Region: „Blum-reiche Familienverhältnisse“

Die Familie Blum war eine Großfamilie mit zahlreichen Kindern und Kindeskindern. So verwundert es nicht, dass sich einzelne Familienmitglieder in diversen Funktionen (in der IKG) und im Wirtschaftsleben der Stadt Wiener Neustadt finden. Bei den Blums handelte es sich um eine orthodoxe Familie aus Westungarn, die in die Region und die Stadt Wiener Neustadt kam, um hier durch den Gemischtwarenhandel Einkommen zu erwirtschaften. Jener Teil der Familie, der in Krumbach in der Buckligen Welt (im südlichen Niederösterreich) sesshaft geworden war, errichtete sogar eine private Synagoge, um den Geboten folgen zu können.

In Wiener Neustadt schlossen sich Familienmitglieder zusammen und gründeten in den frühen 1920er Jahren einen Handelsbetrieb in der Wiener Straße 22: „Blum & Jaul“. Es waren dies Jakob Blum (Ehemann von Rosa Jaul), Fritz Jaul und Moritz Jaul – Letztere Ehemänner von Schwestern Jakob Blums. Ein solcher Zusammenschluss bot zweifellos eine bessere Grundlage, um einen Betrieb durch die wirtschaftlich keinesfalls einfachen 1920er und 1930er Jahre zu führen. Mit der Firma „Blum & Jaul“ gelang dies.

Gute Gründe dafür waren wahrscheinlich die weiten Handelsverbindungen der Firma und dass die drei Geschäftspartner als Zwischenhändler viele andere jüdische Händler in der Region mit Waren belieferten. Im Fokus standen Lebensmittel und Kolonialwaren, außerdem wurde mit Haushaltswaren gehandelt. Das Geschäft in der Wiener Straße, ein zirka 9,5 Meter breites Geschäftsgebäude, bot mit den angeschlossenen Lagerräumlichkeiten genügend Fläche. Mit einem LKW wurden die Einkäufe getätigt und die Lieferungen bis ins Südburgenland und südlichste Niederösterreich durchgeführt.

In der Wiener Straße gab es eine ganze Reihe von jüdischen Geschäften. In unmittelbarer Nähe zur Firma „Blum & Jaul“ waren dies das „Mode-Kleiderhaus Posthof“ von Alfred Grünhut (Nr. 17), das „Schuhhaus Brod“ von Dipl.-Ing. Josef und Irma Brod (Nr. 17) und die Parfümerie von Josef Fruchter (Nr. 26). Gleich um die Ecke in der Rosengasse gab es den Kaufmann Karl Breuer mit chemisch-technischen Produkten (Rosengasse Nr. 3) und in der Domgasse den Kleiderhandel von Wilhelm Schischa (Nr. 3). Auch jüdische Rechtsanwälte hatten hier ihre Kanzleien, wie beispielsweise Dr. jur. Fritz Aufricht (Domgasse 2) und Dr. jur. Sigmund Reichard (Wiener Straße 20).

Ein solch gut funktionierender Betrieb wie die Firma „Blum & Jaul“ weckte im März 1938 schnell das Interesse von Mitgliedern der NSDAP an einer Übernahme, die auch prompt Mitte März 1938 stattfand. Der „Generalabwickler“ von Wiener Neustadt, Ing. Fritz Helmling, hatte wie auch bei anderen jüdischen Betrieben im Verfahren der „Arisierung“ seine Finger im Spiel.

Jakob Blum und seine Familie konnten entkommen und gelangten bis vor die Küste Palästinas – auf der bekannten „Patria“. Sie zählten aber nicht zu den Glücklichen, die von der britischen Mandatsregierung aufgenommen wurden, sondern zu jenen, die man dazu zwang, Schiffe nach Mauritius zu besteigen, wo sie bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs interniert waren. Sie waren nicht die einzigen Wiener Neustädter, denn auch Mitglieder der Familien Boskowitz, Jaul und Winkler hielt man auf Mauritius fest. 

Bilder

Familienbild der Familie Blum, Krumbach, 1938

Datierung: 1938 Quelle: Sammlung Rainer Holzbauer Autor: unbekannt Zusatzinfo: Fotografie

Mitglieder der Familie Blum vor der Krumbacher Synagoge, vor 1938

Datierung: vor 1938 Quelle: Sammlung Rainer Holzbauer Autor: unbekannt Zusatzinfo: Fotografie

Innenaufnahme der Krumbacher Privatsynagoge, vor 1938

Datierung: vor 1938 Quelle: Sammlung Rainer Holzbauer Autor: unbekannt Zusatzinfo: Fotografie

Be- bzw. Entladen eines LKWs vor dem Geschäft „Blum & Jaul“ in der Wiener Straße 22, 1930

Datierung: 1930 Quelle: Sammlung Wilhelm Geel Autor: unbekannt Zusatzinfo: Fotografie - Ausschnitt

Etikett der Firma „Blum & Jaul“, o. J.

Datierung: o. J. Quelle: Sammlung Werner Sulzgruber Autor: unbekannt Copyright: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Scan

Beispiel einer Geburtsanzeige der IKG Wr. Neustadt: Robert Blum, 1922

Datierung: 1922 Quelle: Stadtarchiv Wiener Neustadt Autor: unbekannt Copyright: Stadtarchiv Wiener Neustadt Zusatzinfo: Fotografie

Blick von Osten in die Rosengasse zum Dom, 1931

Datierung: 1931 Quelle: Sammlung Erwin Wrenkh Autor: Verlag Eisenmenger, Wien Copyright: Verlag Eisenmenger Zusatzinfo: Postkarte - Ausschnitt

Blick über den Pfarrplatz in die Pfarr-/Domgasse, 1917

Datierung: 1917 Quelle: Sammlung Erwin Wrenkh Autor: Verlag Dietz Copyright: Verlag Dietz Zusatzinfo: Postkarte

Blick in die Wiener Straße von Norden, Höhe Deutschgasse, 1960er Jahre

Datierung: 1960er Jahre Quelle: Sammlung Wilhelm Geel Autor: unbekannt Zusatzinfo: Postkarte - Ausschnitt

Kuvert Modehaus „femina“ - Otto Grünhut und Leander Leidenfrost, Wiener Straße 19, 1936

Datierung: 1936 Quelle: Sammlung Rudolf Setznagl Autor: unbekannt Zusatzinfo: Scan des Originals