Follow the Codes - Medizin trifft Krieg

Erinnerungsort

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Herzog-Leopold-Straße 7 und 11 Wiener Neustadt ‒ China: „Medizin trifft Krieg“ Die Adresse Herzog-Leopold-Straße 7 war ein Wohn- und Geschäftsort für einige Juden, denn hier befand sich zum Beispiel der Handelsbetrieb des Schuhfabrikinhabers Adolf Ehrenhaft und die Praxis der Zahnärztin Dr.in Sabine Rosenfeld. Ihr Bruder Jakob (*11.01.1903) ging in besonderer Weise in die Geschichte ein, als sein Leben eine Wende vollzog: Die Familie Rosenfeld lebte ab 1910 in Wöllersdorf bei Wiener Neustadt; Vater Michael engagierte sich Mitte der 1930er Jahre in der Israelitischen Kultusgemeinde Wiener Neustadt. Zu diesem Zeitpunkt hatte er viel in die Ausbildung seiner Kinder investiert: Nachdem Sohn Jakob das Staatsgymnasium in Wiener Neustadt absolviert hatte, studierte er in Wien Medizin und war kurzzeitig in den 1930er Jahren in der Herzog-Leopold-Straße 7, dann in Wien als Urologe und Gynäkologe tätig. Nach seiner Inhaftierung im Konzentrationslager Dachau und Buchenwald gelang es ihm, nach Shanghai zu entkommen, wo er alsbald in die Volksarmee eintrat und 1942 der Kommunistischen Partei Chinas beitrat. Er verschaffte sich aufgrund seiner medizinischen Leistungen und mit seinem Einsatz den größten Respekt. Seine Heilkünste wurden zum Mythos und er erhielt Namen wie „Tigerbalsamdoktor“ oder „Retter der Mütter“. Zweifellos waren seine exzellenten Kenntnisse der Medizin, die er an der Wiener Schule gelernt hatte, der Grund für die große Anerkennung. Dieses westliche Wissen war im China der 1930/40er Jahre neu. 1945 übernahm er die Leitung des Gesundheitswesens der sogenannten „Ersten Armee“ und avancierte zum (Brigade-)General der Roten Armee. Nach der Gründung der Volksrepublik China (1949) kehrte Rosenfeld 1949 nach Österreich zurück. Seinen Lebensabend verbrachte er in Israel und starb am 22. April 1952. Im Westen wurde Dr. Jakob Rosenfeld durch die umfassenden Forschungen von Dr. Gerd Kaminski bekannt. In Österreich erinnern nicht nur der Rosenfeld-Gedenkstein in Wöllersdorf und der Jakob-Rosenfeld-Park in Wien an Dr. Jakob Rosenfeld, sondern auch eine Gedenktafel beim Unfallkrankenhaus Graz. In China verweist der Name des Rosenfeldspitals in Junan in der Provinz Shandong (Ostchina) an ihn, und Statuen, wie jene in Junan (1992) und zuletzt im „The Shanghai Jewish Refugee Museum“ (2016) stellen bekannte Denkmäler von Dr. Rosenfeld dar.   Exkurs: Die Firma Kerö, Herzog-Leopold-Straße 11, war in den 1930er Jahren in Wiener Neustadt sehr präsent, weil der Eigentümer Ludwig Kerö nicht nur große Inserate in lokalen Zeitungen und Adressenbüchern schaltete, sondern zum Beispiel auch beim Bahnhof eine riesige Werbetafel hatte und große Werbebilder die Hausfassade in der Herzog-Leopold-Straße (über dem Geschäft) zierten. Daher war vielen Menschen der Name Kerö nicht unbekannt.  Ludwig Kerö hatte mit dem „Anschluss“ 1938 alle Mittel verloren und versuchte im Mai 1938 mit seiner Tochter nach Australien auszuwandern. Doch er wurde inhaftiert, während seine Tochter in Wien bleiben konnte. Am 18. Februar 1939 soll Ludwig Kerö, laut Auskunft der Gestapo Wiener Neustadt, Selbstmord verübt haben. Die damals 21-jährige Tochter Helga schaffte es, nach Australien zu gelangen, wo sie 1996 verstarb.

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Herzog-Leopold-Straße 7 und 11

Wiener Neustadt ‒ China: „Medizin trifft Krieg“

Die Adresse Herzog-Leopold-Straße 7 war ein Wohn- und Geschäftsort für einige Juden, denn hier befand sich zum Beispiel der Handelsbetrieb des Schuhfabrikinhabers Adolf Ehrenhaft und die Praxis der Zahnärztin Dr.in Sabine Rosenfeld. Ihr Bruder Jakob (*11.01.1903) ging in besonderer Weise in die Geschichte ein, als sein Leben eine Wende vollzog:

Die Familie Rosenfeld lebte ab 1910 in Wöllersdorf bei Wiener Neustadt; Vater Michael engagierte sich Mitte der 1930er Jahre in der Israelitischen Kultusgemeinde Wiener Neustadt. Zu diesem Zeitpunkt hatte er viel in die Ausbildung seiner Kinder investiert: Nachdem Sohn Jakob das Staatsgymnasium in Wiener Neustadt absolviert hatte, studierte er in Wien Medizin und war kurzzeitig in den 1930er Jahren in der Herzog-Leopold-Straße 7, dann in Wien als Urologe und Gynäkologe tätig.

Nach seiner Inhaftierung im Konzentrationslager Dachau und Buchenwald gelang es ihm, nach Shanghai zu entkommen, wo er alsbald in die Volksarmee eintrat und 1942 der Kommunistischen Partei Chinas beitrat. Er verschaffte sich aufgrund seiner medizinischen Leistungen und mit seinem Einsatz den größten Respekt. Seine Heilkünste wurden zum Mythos und er erhielt Namen wie „Tigerbalsamdoktor“ oder „Retter der Mütter“. Zweifellos waren seine exzellenten Kenntnisse der Medizin, die er an der Wiener Schule gelernt hatte, der Grund für die große Anerkennung. Dieses westliche Wissen war im China der 1930/40er Jahre neu.

1945 übernahm er die Leitung des Gesundheitswesens der sogenannten „Ersten Armee“ und avancierte zum (Brigade-)General der Roten Armee. Nach der Gründung der Volksrepublik China (1949) kehrte Rosenfeld 1949 nach Österreich zurück. Seinen Lebensabend verbrachte er in Israel und starb am 22. April 1952.

Im Westen wurde Dr. Jakob Rosenfeld durch die umfassenden Forschungen von Dr. Gerd Kaminski bekannt. In Österreich erinnern nicht nur der Rosenfeld-Gedenkstein in Wöllersdorf und der Jakob-Rosenfeld-Park in Wien an Dr. Jakob Rosenfeld, sondern auch eine Gedenktafel beim Unfallkrankenhaus Graz. In China verweist der Name des Rosenfeldspitals in Junan in der Provinz Shandong (Ostchina) an ihn, und Statuen, wie jene in Junan (1992) und zuletzt im „The Shanghai Jewish Refugee Museum“ (2016) stellen bekannte Denkmäler von Dr. Rosenfeld dar.

 

Exkurs:

Die Firma Kerö, Herzog-Leopold-Straße 11, war in den 1930er Jahren in Wiener Neustadt sehr präsent, weil der Eigentümer Ludwig Kerö nicht nur große Inserate in lokalen Zeitungen und Adressenbüchern schaltete, sondern zum Beispiel auch beim Bahnhof eine riesige Werbetafel hatte und große Werbebilder die Hausfassade in der Herzog-Leopold-Straße (über dem Geschäft) zierten. Daher war vielen Menschen der Name Kerö nicht unbekannt. 

Ludwig Kerö hatte mit dem „Anschluss“ 1938 alle Mittel verloren und versuchte im Mai 1938 mit seiner Tochter nach Australien auszuwandern. Doch er wurde inhaftiert, während seine Tochter in Wien bleiben konnte. Am 18. Februar 1939 soll Ludwig Kerö, laut Auskunft der Gestapo Wiener Neustadt, Selbstmord verübt haben. Die damals 21-jährige Tochter Helga schaffte es, nach Australien zu gelangen, wo sie 1996 verstarb.

Bilder

Dr. Jakob Rosenfeld in Uniform, 4. Armee, 1942

Datierung: 1942 Quelle: IVM Autor: unbekannt Zusatzinfo: Fotografie

Dr. Rosenfeld (2. v. l.) in Junan, 1944

1944 baute Dr. Rosenfeld im alten Wohnsitz der Familie Chen in Junan ein Militärspital auf. Rosenfeld (2. v. l.) mit dem Leiter des Gesundheitsministeriums Bai Beiwu (3. v. r.), Huang Nong (1. v. r.), Gu Guangshan (5. v. r.) und anderen im alten Wohnsitz der Familie Chen.
Datierung: 1944 Quelle: ÖGCF Autor: unbekannt Copyright: ÖGCF Zusatzinfo: Fotografie

Dr. Rosenfeld (1. Reihe, 2. v. r.) in Tonghua, 1946

Dr. Rosenfeld mit dem Abteilungsleiter für Gesundheitswesen des Militärbezirks Tonghua, Zhang Qin (1. Reihe, 2. v. l.), sowie Li Guang (1. v. l.) und Fan Lumin, der Gattin von Zhang Qin (1. v. r.). in der zweiten Reihe stehen: unbekannt, Tang Jingzhong, Wei Shide, Huang Wenxiu und Zhang Yide (v. l. n. r.).
Datierung: 1946 Quelle: ÖGCF Copyright: ÖGCF Zusatzinfo: Fotografie

Dr. Rosenfeld mit hohen Beamten des Gesundheitswesen, Winter 1941

Dr. Rosenfeld (Mitte) mit dem stellvertretenden Gesundheitsminister Cui Yitian (links) und Qi Zhonghuan, dem ärztlichen Direktor bei der Neuen Vierten Armee (rechts).
Datierung: 1941 Quelle: ÖGCF Copyright: ÖGCF Zusatzinfo: Fotografie

Dr. Rosenfeld vor seiner Rückreise nach Österreich, Shanghai, Oktober 1949

Datierung: 1949 Quelle: ÖGCF Autor: unbekannt Copyright: ÖGCF Zusatzinfo: Fotografie

Rosenfeld-Feier in Junan, Provinz Shandong - mit der Enthüllung einer Statue, 1992

Datierung: 1992 Quelle: ÖGCF Autor: unbekannt Copyright: ÖGCF Zusatzinfo: Fotografie

Ansicht der Herzog-Leopold-Straße stadtauswärts, 1916

Die Wohnadresse der Ordination der Geschwister Rosenfeld war in der Herzog-Leopold-Straße 7 - ein hohes Gebäude an der Südseite mit auffälligem Rundbogen über dem Tor. In diesem Haus befand sich zum Beispiel auch das Schuhhaus Ehrenhaft.
Datierung: 1916 Quelle: Sammlung Heinrich Witetschka Autor: Verlag Kuderna Copyright: Verlag Kuderna Zusatzinfo: Postkarte

Herzog-Leopold-Straße 7, Gebäude am linken Bildrand, 1904

Datierung: 1904 Quelle: Sammlung Heinrich Witetschka Autor: Verlag Josef Popper Copyright: Verlag Josef Popper Zusatzinfo: Postkarte

Inserat der Firma Kerö, 1923

Datierung: 1923 Quelle: Adressenbuch 1923 Autor: unbekannt Zusatzinfo: Scan des Originals

„Kleiderhaus“ Kerö, Herzog-Leopold-Straße 11, 1927

Datierung: 1927 Quelle: Sammlung Heinrich Witetschka Autor: Verlag Kuderna Copyright: Verlag Kuderna Zusatzinfo: Postkarte - Ausschnitt

Helga Kerö im Exil, Australien, ca. 1943

Datierung: ca. 1943 Quelle: Sammlung Werner Sulzgruber Autor: unbekannt Zusatzinfo: Fotografie