Follow the Codes - Schlummernde Geheimnisse

Erinnerungsort

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Allerheiligenplatz „Schlummernde Geheimnisse“ Der Allerheiligenplatz bildete einst das Zentrum des mittelalterlichen Judenviertels der Neustadt. Im Gegensatz zu heute gab hier keinen offenen Platz (und daher auch keinen „Judenplatz“ – dieser war in der Judengasse gewesen), sondern das Areal war dicht verbaut. Das Zentrum des Judenviertels war es deshalb, weil die mittelalterliche Synagoge hier stand (Allerheiligenplatz 1), genau dort, wo sich heute das Café Witetschka befindet. Obgleich sich das Viertel in der Zeit seiner größten Ausdehnung vom Hauptplatz bis fast zur westlichen Stadtmauer zog und nördlich von der Herrengasse und südlich von der Lange Gasse begrenzt war, fanden sich die wichtigen Einrichtung der jüdischen Gemeinde im Bereich der Judenschulgasse: die Synagoge („judenschul“), ihr gegenüberliegend ein Spital, eine Mikwa (Tauchbad) und eine Fleischbank. 2014 stieß man im Rahmen der Sanierung des Allerheiligenplatzes auf einen mittelalterlichen Brunnen und den Rest einer Mauer, möglicherweise Überbleibsel eines „Brunnenhauses“. Dieser Fund war der Anlass dafür, erstmals die Bausubstanz des gesamten Areals näher wissenschaftlich zu untersuchen („Allerheiligenplatz-Initiative“), indem unter anderem alle Höfe und Keller des Platzes und der angrenzenden Allerheiligengasse begangen wurden, um etwaige mittelalterliche Mauerreste zu finden. Das Ergebnis überraschte, denn zum einen wurden einzelne Behauptungen (im Keller Allerheiligenplatz 1 wären noch Reste des Synagogenfundaments vorhanden) widerlegt und zum anderen stieß man am Allerheiligenplatz 3 auf einen massiv abgedeckten „Brunnen“. Es könnte sich um die gesuchte Mikwa handeln, die sich in mittelalterlicher Zeit in diesem Bereich befunden hat. Das ist aber durch eine weitere Untersuchung zu prüfen, bei welcher der „Brunnen“ geöffnet und das Schuttmaterial (mit dem man ihn aufgefüllt hatte) entfernt werden muss, um zu sehen, ob er eine solche Funktion gehabt haben könnte. Das Beispiel der Mikwa von Ödenburg (Sopron) zeigt, dass solche Mikwaot auch brunnenartig angelegt waren. Steht uns also ein sensationeller Fund bevor? Wie wir beispielsweise zuletzt auch im Rahmen der Ausgrabungen im Stadtpark-Gebiet sehen konnten, schlummern so manche Geheimnisse unter der Erdoberfläche Wiener Neustadts. Unter der Allerheiligengasse verläuft ein Rinnsal, ausgelegt mit mittelalterlichem Steingut. Es könnte ein Rest eines Kehrbach-Armes sein. Der Kehrbach wurde von der Schwarza abgeleitet („abgekehrt“) und mittels Holzrinnen über den Stadtgraben in die Stadt geführt. So floss er über die Lederergasse (wohl schon verunreinigt durch die Gerbereien und die dort eingesetzten Giftstoffe) und verlief dann entlang der heutigen Allerheiligengasse, wo die jüdische Fleischbank lag, auf den Pfarrplatz. Die Adresse Allerheiligenplatz 1 ist für Wiener Neustadt ein einzigartiger Ort hinsichtlich der im Laufe der Zeit in der Stadt lebenden Glaubensgemeinschaften: Nachdem sich hier bis zum Ende des 15. Jahrhunderts die Synagoge befunden hatte, wurde die Fläche zum Standort einer christlichen Kirche (die dem Platz seinen Namen gab: Allerheiligenkirche und -platz). Von 1837 bis 1911 hatte hier die evangelische Gemeinde ihr Bethaus.

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Allerheiligenplatz

„Schlummernde Geheimnisse“

Der Allerheiligenplatz bildete einst das Zentrum des mittelalterlichen Judenviertels der Neustadt. Im Gegensatz zu heute gab hier keinen offenen Platz (und daher auch keinen „Judenplatz“ – dieser war in der Judengasse gewesen), sondern das Areal war dicht verbaut. Das Zentrum des Judenviertels war es deshalb, weil die mittelalterliche Synagoge hier stand (Allerheiligenplatz 1), genau dort, wo sich heute das Café Witetschka befindet. Obgleich sich das Viertel in der Zeit seiner größten Ausdehnung vom Hauptplatz bis fast zur westlichen Stadtmauer zog und nördlich von der Herrengasse und südlich von der Lange Gasse begrenzt war, fanden sich die wichtigen Einrichtung der jüdischen Gemeinde im Bereich der Judenschulgasse: die Synagoge („judenschul“), ihr gegenüberliegend ein Spital, eine Mikwa (Tauchbad) und eine Fleischbank.

2014 stieß man im Rahmen der Sanierung des Allerheiligenplatzes auf einen mittelalterlichen Brunnen und den Rest einer Mauer, möglicherweise Überbleibsel eines „Brunnenhauses“. Dieser Fund war der Anlass dafür, erstmals die Bausubstanz des gesamten Areals näher wissenschaftlich zu untersuchen („Allerheiligenplatz-Initiative“), indem unter anderem alle Höfe und Keller des Platzes und der angrenzenden Allerheiligengasse begangen wurden, um etwaige mittelalterliche Mauerreste zu finden.

Das Ergebnis überraschte, denn zum einen wurden einzelne Behauptungen (im Keller Allerheiligenplatz 1 wären noch Reste des Synagogenfundaments vorhanden) widerlegt und zum anderen stieß man am Allerheiligenplatz 3 auf einen massiv abgedeckten „Brunnen“. Es könnte sich um die gesuchte Mikwa handeln, die sich in mittelalterlicher Zeit in diesem Bereich befunden hat. Das ist aber durch eine weitere Untersuchung zu prüfen, bei welcher der „Brunnen“ geöffnet und das Schuttmaterial (mit dem man ihn aufgefüllt hatte) entfernt werden muss, um zu sehen, ob er eine solche Funktion gehabt haben könnte. Das Beispiel der Mikwa von Ödenburg (Sopron) zeigt, dass solche Mikwaot auch brunnenartig angelegt waren. Steht uns also ein sensationeller Fund bevor? Wie wir beispielsweise zuletzt auch im Rahmen der Ausgrabungen im Stadtpark-Gebiet sehen konnten, schlummern so manche Geheimnisse unter der Erdoberfläche Wiener Neustadts.

Unter der Allerheiligengasse verläuft ein Rinnsal, ausgelegt mit mittelalterlichem Steingut. Es könnte ein Rest eines Kehrbach-Armes sein. Der Kehrbach wurde von der Schwarza abgeleitet („abgekehrt“) und mittels Holzrinnen über den Stadtgraben in die Stadt geführt. So floss er über die Lederergasse (wohl schon verunreinigt durch die Gerbereien und die dort eingesetzten Giftstoffe) und verlief dann entlang der heutigen Allerheiligengasse, wo die jüdische Fleischbank lag, auf den Pfarrplatz.

Die Adresse Allerheiligenplatz 1 ist für Wiener Neustadt ein einzigartiger Ort hinsichtlich der im Laufe der Zeit in der Stadt lebenden Glaubensgemeinschaften: Nachdem sich hier bis zum Ende des 15. Jahrhunderts die Synagoge befunden hatte, wurde die Fläche zum Standort einer christlichen Kirche (die dem Platz seinen Namen gab: Allerheiligenkirche und -platz). Von 1837 bis 1911 hatte hier die evangelische Gemeinde ihr Bethaus.

Bilder

Plan des jüdischen Viertels zu seiner größten Ausdehnung im 15. Jh.

Mit den Nummern sind die Synagoge (1), das Spital (2), die Fleischbank (3) und die Mikwa (4) eingezeichnet und verortet.
Datierung: 2014 neu erstellt Quelle: Sammlung Werner Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Copyright: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Plan

Ausschnitt aus dem Baualterplan, der das Judenviertel zeigt, 1970

Die Haggenmüllergasse war einst die Judengasse. Die Herzog-Leopold-Straße hieß Neue Judengasse. Doch der Allerheiligenplatz war bis ins 15. Jh. kein Platz (er trug auch nicht diesen Namen, der nämlich erst zur Jahrhundertwende aufkam) und war schon gar kein Ghetto. In der Neustadt gab es bis 1496 ein offenes Judenviertel.
Datierung: 1970 Quelle: Stadtarchiv Wiener Neustadt Autor: Inst. f. Kartografie der Österr. Akadmie d. Wiss. Zusatzinfo: Fotografie

Blick auf den Allerheiligenplatz von Osten, um 1905

Datierung: um 1905 Quelle: Stadtarchiv Wiener Neustadt Autor: unbekannt Zusatzinfo: Postkarte - Ausschnitt

Das evangelische Bethaus am Allerheiligenplatz 1, um 1900

Datierung: um 1900 Quelle: Kappus, evang. Gemeinde Autor: unbekannt Zusatzinfo: Scan des Originals

Entdeckter mittelalterlicher Brunnen am Allerheiligenplatz, 2014

Datierung: 2014 Quelle: Grabungsbericht Autor: Novetus Copyright: Novetus Zusatzinfo: Fotografie

Aufnahme des größeren Kellerraumes Allerheiligenplatz 3, 2014

Der Keller weist mittelalterliche Bausubstanz auf; ein vermeintlicher Brunnen ist mit Holz zugedeckt.
Datierung: 2014 Quelle: Sammlung Werner Sulzgruber Autor: Marcel Billaudet Copyright: Marcel Billaudet Zusatzinfo: Fotografie

Mit Holz verschlossener Brunnen - vielleicht ein Tauchbad, eine Mikwa, 2014

Eine Öffnung des Brunnens und eine wissenschaftliche Untersuchung rückt näher, um zu prüfen, ob es sich um ein rituelles Tauchbad (eine Mikwa) - oder doch nur einen Brunnen - gehandelt haben könnte.
Datierung: 2014 Quelle: Sammlung Werner Sulzgruber Autor: Marcel Billaudet Copyright: Marcel Billaudet Zusatzinfo: Fotografie

Zugang zur Mikwa in Sopron, 2019

Die Mikwa im nahen Sopron stellt eine interessante Form dar, weil sie in einem kleinen Häuschen untergebracht ist.
Datierung: 2019 Quelle: Sammlung Werner Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Copyright: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Fotografie

Abstiegsleiter in die brunnenartige Mikwa von Sopron, 2019

Datierung: 2019 Quelle: Sammlung Werner Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Copyright: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Fotografie

Blick in die Mikwa von Sopron bis zur Wasseroberfläche, 2019

Datierung: 2019 Quelle: Sammlung Werner Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Copyright: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Fotografie

Gerinne unter der Allerheiligengasse nach Norden, 2013

Der obere Pfeil weist auf den Ziegel-Bogen des Kanals hin, der unter Pfeil auf das mittelalterliche Steinmaterial, das gefunden wurde.
Datierung: 2013 Quelle: Grabungsbericht Autor: Novetus Copyright: Novetus Zusatzinfo: Scan