Follow the Codes - Von Kunst und Gelehrsamkeit

Erinnerungsort

Follow the Codes - Von Kunst und Gelehrsamkeit

47.810303

16.240460

Elazar-Benyoëtz-Gasse Wiener Neustadt – Jerusalem: „Von Kunst und Gelehrsamkeit“ Nicht ohne Grund hat eine Verkehrsverbindung von der Bahngasse in den Stadtpark 2019 die Bezeichnung „Elazar-Benyoëtz-Gasse“ erhalten, trägt sie damit doch den Namen eines bekannten Literaturschaffenden, der 1937 in Wiener Neustadt das Licht der Welt erblickte: Paul Koppel alias Elazar Benyoëtz. Die vierköpfige Familie Koppel hatte im Sommer 1938 die Stadt verlassen müssen und gelangte 1939 nach Palästina. Paul Koppel, der seither in Israel lebt, hatte schon früh begonnen, hebräisch zu dichten. In den 1960er Jahren gründete er die Bibliographia Judaica, eine Dokumentation deutsch-jüdischer Literatur, und schrieb künftig fast ausschließlich in deutscher Sprache: Kurzprosa und Lyrik, bevorzugt Aphorismen. Als Literaturschaffender trug er fortan den Namen Elazar Benyoëtz – in bewusster Erinnerung an seine familiären Wurzeln: „Elazar“ bildet nämlich die Verbindung zu seinem Großvater, Alois Elazar Koppel, und „Ben Yoëtz“ – in der Bedeutung „Sohn des Ratgebers“ – bestätigt ihn als Sohn des (Gottlieb) Yoëtz Koppel. Für sein Schaffen erhielt er zahlreiche Auszeichnungen: den Adalbert-von-Chamisso-Preis (1988), den Joseph-Breitenbach-Preis (2004), das Bundesverdienstkreuz für Verdienste um die deutsche Sprache (1997), das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse (2009), das Ehrenzeichen seiner Geburtsstadt Wiener Neustadt (2009) und den Theodor-Kramer-Preis (2010) – um einige zu nennen. Schon die Titel seiner Werke weisen auf sein Spiel mit der Bedeutung der Worte hin, beispielsweise „Filigranit“ (1997), „Der Mensch besteht von Fall zu Fall“ (2002), „Finden macht das Suchen leichter“ (2003), „Scheinhellig“ (2009), „Am Anfang steht das Ziel und legt die Wege frei“ (2015), Beteuert & Gebilligt (2016), „Gottik“ (2019) etc. Sein Anspruch ist es, alles in einem Satz zum Ausdruck zu bringen. Auf jedes Wort kommt es an, keine „Sprachialgewalt“, sondern das „geschliffene Wort“. Aufgrund der Knappheit der Sätze gewinnt jedes einzelne Wort bei ihm eine besondere Aufmerksamkeit. Seine „Einsatzgedichte“ können Lebensweisheiten sein: „Die Zukunft erwacht in Erinnerung, darum wissen wir von ihr“, „Schalom ist einer der Namen Gottes“, „Alles hat seine Zeit“ etc. Kaum bekannt ist, dass Benyoëtz' Gattin ebenfalls als Künstlerin tätig ist, wenn auch in einem gänzlich anderen Metier. Denn für sie sind die Miniatur und die Kalligrafie die Herausforderungen. Unter dem Künstlernamen Metavel schafft René Koppel kleine Kunstwerke: beispielsweise in feinsten Linien gearbeitete Farb-Bilder und Illustrationen, bis hin zu ganzen Büchern. Die Themen entnimmt sie gerne dem Alten Testament und stellt Bezüge zu Themen des jüdischen Glaubens und Lebens her. Sie erschafft ihre Bilder konzentriert mit ruhiger Hand und mit Blick auf das kleinste Detail unter einer Lupe. Das freie Auge sieht die Elemente erst gar nicht, um die sie sich bemüht, sondern man muss schon genau darauf hingelenkt werden, wenn man die „kleinen Schätze“ (bisweilen in Handflächen-Größe) besieht. So entstanden Karten, Aquarelle, Miniatur-Bücher und vieles mehr. Ihre Werke schmücken auch Bücher ihres Ehemannes, beispielsweise am Cover. Da aller guten Dinge bekanntlich drei sind, wenden wir unseren Blick auch Benyoëtz' Schwester zu: Ruth (*15.07.1934). Vor ihrem Bruder wurde sie in Wiener Neustadt geboren und musste mit ihm Österreich verlassen. In Palästina fand die Familie eine neue Heimat. Ab den späten 1950er Jahren begann ihre berufliche Karriere als Angehörige der israelischen Botschaft in Brüssel und führte sie dann in die Kulturabteilung des israelischen Außenministeriums. Nach der Heirat mit dem Theater-Regisseur Etienne Debel hatte sie von 1966 bis 1970 die Leitung des Künstlerhauses in Jerusalem über. Rund 20 Jahre engagierte sie sich für die Debel-Galerie in Jerusalem und machte das Haus zu einer renommierten Einrichtung und dem Treffpunkt der Künstlerszene Jerusalems schlechthin. Über viele Jahre präsentierten namhafte Künstler aus aller Welt in der Debel-Galerie. Ruth Debel lebt heute, wie ihr Bruder und ihre Schwägerin, in Jerusalem.   Exkurs I: Der Verkehrsweg, der heute also Elazar-Benyoëtz-Gasse heißt, war einst der „Kapuzinerplatz“ und verband die Bahngasse mit der Bräuhausgasse, wo sich der Brauhof und seine Gastwirtschaft befanden. Über viele Jahre war der Platz ein Gastgarten des beliebten Café Bank (Bahngasse 17-21), fast prunkhaft mit Balustraden und Musikpavillon für die Gäste ausgebaut. Eigentümer des Café Bank war eine jüdische Familie. Exkurs II: Würde man die Elazar-Benyoëtz-Gasse verlängern, dann führe sie zu jenem Ort, an dem sich in mittelalterlicher Zeit der Friedhof der jüdischen Gemeinde der Neustadt befand: eine Gemeinde, die wegen seiner Rabbiner über die Grenzen der Stadt hinaus Bekanntheit genoss. Allen voran ist Rabbi Isserlein (Israel ben Patachia) zu nennen, dessen Werke bis heute zitiert werden. Der jüdische Friedhof lag in mittelalterlicher Zeit im Bereich des Stadtparks (von der Elazar-Benyoëtz-Gasse in Richtung Maria-Theresien-Ring gesehen).

Follow the Codes - Bilder von Juden

47.809609

16.243776

47.810303

16.240460

47.809381

16.240285

47.809077

16.240808

47.808670

16.243364

47.808785

16.243665

47.809609

16.243776

Elazar-Benyoëtz-Gasse

Wiener Neustadt Jerusalem: „Von Kunst und Gelehrsamkeit“

Nicht ohne Grund hat eine Verkehrsverbindung von der Bahngasse in den Stadtpark 2019 die Bezeichnung „Elazar-Benyoëtz-Gasse“ erhalten, trägt sie damit doch den Namen eines bekannten Literaturschaffenden, der 1937 in Wiener Neustadt das Licht der Welt erblickte: Paul Koppel alias Elazar Benyoëtz.

Die vierköpfige Familie Koppel hatte im Sommer 1938 die Stadt verlassen müssen und gelangte 1939 nach Palästina. Paul Koppel, der seither in Israel lebt, hatte schon früh begonnen, hebräisch zu dichten. In den 1960er Jahren gründete er die Bibliographia Judaica, eine Dokumentation deutsch-jüdischer Literatur, und schrieb künftig fast ausschließlich in deutscher Sprache: Kurzprosa und Lyrik, bevorzugt Aphorismen. Als Literaturschaffender trug er fortan den Namen Elazar Benyoëtz – in bewusster Erinnerung an seine familiären Wurzeln: „Elazar“ bildet nämlich die Verbindung zu seinem Großvater, Alois Elazar Koppel, und „Ben Yoëtz“ – in der Bedeutung „Sohn des Ratgebers“ – bestätigt ihn als Sohn des (Gottlieb) Yoëtz Koppel.

Für sein Schaffen erhielt er zahlreiche Auszeichnungen: den Adalbert-von-Chamisso-Preis (1988), den Joseph-Breitenbach-Preis (2004), das Bundesverdienstkreuz für Verdienste um die deutsche Sprache (1997), das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse (2009), das Ehrenzeichen seiner Geburtsstadt Wiener Neustadt (2009) und den Theodor-Kramer-Preis (2010) – um einige zu nennen.

Schon die Titel seiner Werke weisen auf sein Spiel mit der Bedeutung der Worte hin, beispielsweise „Filigranit“ (1997), „Der Mensch besteht von Fall zu Fall“ (2002), „Finden macht das Suchen leichter“ (2003), „Scheinhellig“ (2009), „Am Anfang steht das Ziel und legt die Wege frei“ (2015), Beteuert & Gebilligt (2016), „Gottik“ (2019) etc.

Sein Anspruch ist es, alles in einem Satz zum Ausdruck zu bringen. Auf jedes Wort kommt es an, keine „Sprachialgewalt“, sondern das „geschliffene Wort“. Aufgrund der Knappheit der Sätze gewinnt jedes einzelne Wort bei ihm eine besondere Aufmerksamkeit. Seine „Einsatzgedichte“ können Lebensweisheiten sein: „Die Zukunft erwacht in Erinnerung, darum wissen wir von ihr“, „Schalom ist einer der Namen Gottes“, „Alles hat seine Zeit“ etc.

Kaum bekannt ist, dass Benyoëtz' Gattin ebenfalls als Künstlerin tätig ist, wenn auch in einem gänzlich anderen Metier. Denn für sie sind die Miniatur und die Kalligrafie die Herausforderungen. Unter dem Künstlernamen Metavel schafft René Koppel kleine Kunstwerke: beispielsweise in feinsten Linien gearbeitete Farb-Bilder und Illustrationen, bis hin zu ganzen Büchern. Die Themen entnimmt sie gerne dem Alten Testament und stellt Bezüge zu Themen des jüdischen Glaubens und Lebens her.

Sie erschafft ihre Bilder konzentriert mit ruhiger Hand und mit Blick auf das kleinste Detail unter einer Lupe. Das freie Auge sieht die Elemente erst gar nicht, um die sie sich bemüht, sondern man muss schon genau darauf hingelenkt werden, wenn man die „kleinen Schätze“ (bisweilen in Handflächen-Größe) besieht. So entstanden Karten, Aquarelle, Miniatur-Bücher und vieles mehr. Ihre Werke schmücken auch Bücher ihres Ehemannes, beispielsweise am Cover.

Da aller guten Dinge bekanntlich drei sind, wenden wir unseren Blick auch Benyoëtz' Schwester zu: Ruth (*15.07.1934). Vor ihrem Bruder wurde sie in Wiener Neustadt geboren und musste mit ihm Österreich verlassen. In Palästina fand die Familie eine neue Heimat. Ab den späten 1950er Jahren begann ihre berufliche Karriere als Angehörige der israelischen Botschaft in Brüssel und führte sie dann in die Kulturabteilung des israelischen Außenministeriums. Nach der Heirat mit dem Theater-Regisseur Etienne Debel hatte sie von 1966 bis 1970 die Leitung des Künstlerhauses in Jerusalem über. Rund 20 Jahre engagierte sie sich für die Debel-Galerie in Jerusalem und machte das Haus zu einer renommierten Einrichtung und dem Treffpunkt der Künstlerszene Jerusalems schlechthin. Über viele Jahre präsentierten namhafte Künstler aus aller Welt in der Debel-Galerie. Ruth Debel lebt heute, wie ihr Bruder und ihre Schwägerin, in Jerusalem.

 

Exkurs I:

Der Verkehrsweg, der heute also Elazar-Benyoëtz-Gasse heißt, war einst der „Kapuzinerplatz“ und verband die Bahngasse mit der Bräuhausgasse, wo sich der Brauhof und seine Gastwirtschaft befanden. Über viele Jahre war der Platz ein Gastgarten des beliebten Café Bank (Bahngasse 17-21), fast prunkhaft mit Balustraden und Musikpavillon für die Gäste ausgebaut. Eigentümer des Café Bank war eine jüdische Familie.

Exkurs II:

Würde man die Elazar-Benyoëtz-Gasse verlängern, dann führe sie zu jenem Ort, an dem sich in mittelalterlicher Zeit der Friedhof der jüdischen Gemeinde der Neustadt befand: eine Gemeinde, die wegen seiner Rabbiner über die Grenzen der Stadt hinaus Bekanntheit genoss. Allen voran ist Rabbi Isserlein (Israel ben Patachia) zu nennen, dessen Werke bis heute zitiert werden. Der jüdische Friedhof lag in mittelalterlicher Zeit im Bereich des Stadtparks (von der Elazar-Benyoëtz-Gasse in Richtung Maria-Theresien-Ring gesehen).

Bilder

Literat Elazar Benyoëtz in Wiener Neustadt, Dezember 2018

Die Fotografie entstand anlässlich der Lesung von Elazar Benyoëtz am 12. Dezember 2018, als ihm auch der Gemeinderatsbeschluss mitgeteilt wurde, dass man eine Gasse in der Stadt nach ihm benenne. Vom Bürgermeister der Stadt Wiener Neustadt wurde ihm damals symbolisch das Straßenschild mit seinem Namen übergeben. 
Datierung: 12.12.2018 Quelle: Dr. Wladimir Fried - Wowa Autor: Dr. Wladimir Fried - Wowa Copyright: Dr. Wladimir Fried - Wowa Zusatzinfo: Fotografie

Cover des Buches "Gottik", 2019

2019 erschien das Buch "Gottik" - nicht Gotik - im Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg.
Datierung: 2019 Quelle: Königshausen & Neumann, Würzburg Autor: Königshausen & Neumann Copyright: Königshausen & Neumann Zusatzinfo: Buchcover

Elazar Benyoëtz und seine Gattin Rene, o. J.

Elazar Benyoëtz ist mit René Koppel (Künstlerinnen-Name Metavel) verheiratet. Beide leben in Israel. 
Datierung: o. J. Quelle: Privatbesitz Elazar Benyoëtz Autor: unbekannt Copyright: Elazar Benyoëtz Zusatzinfo: Fotografie

Werk-Beispiel I von Metavel, o. J.

Datierung: o. J. Quelle: Privatbesitz Metavel Autor: Metavel Copyright: Metavel Zusatzinfo: Fotografie

Werk-Beispiel II von Metavel, o. J.

Datierung: o. J. Quelle: Privatbesitz Metavel Autor: Metavel Copyright: Metavel Zusatzinfo: Fotografie

Werk-Beispiel III von Metavel, o. J.

Datierung: o. J. Quelle: Privatbesitz Metavel Autor: Metavel Copyright: Metavel Zusatzinfo: Fotografie

Werk-Beispiel IV von Metavel, o. J.

Datierung: o. J. Quelle: Privatbesitz Metavel Autor: Metavel Copyright: Metavel Zusatzinfo: Fotografie

Werk-Beispiel V von Metavel, 2018

Neujahrskarte 2018 von EB und Metavel
Datierung: 2018 Quelle: Privatbesitz Metavel Autor: Metavel Copyright: Metavel Zusatzinfo: Fotografie

Logo der Debel-Galerie, Jerusalem, 2011

Datierung: 2011 Quelle: Debel-Galerie, Jerusalem Autor: Debel-Galerie Copyright: Debel-Galerie Zusatzinfo: Fotografie

Ruth Debel und Yehiel Shemi, Kabri, Israel, 1965

Yehiel Shemi (1922-2003) war ein bekannter israelischer Bildhauer.
Datierung: 1965 Quelle: Israel Museum Autor: unbekannt Copyright: Israel Museum Zusatzinfo: Fotografie

Ruth Debel mit ihrem Ehemann Etienne Debel, 1987

Datierung: 1987 Quelle: Privatbesitz Ruth Debel Autor: unbekannt Copyright: Ruth Debel Zusatzinfo: Fotografie

Ruth Debel mit Teddy Kollek, Jerusalem, o. J.

Teddy Kollek (1911-2007), geboren in Ungarn und aufgewachsen in Wien, war langjähriger Bürgermeister von Jerusalem.
Datierung: o. J. Quelle: Privatbesitz Ruth Debel Autor: Debel-Galerie Copyright: Debel-Galerie Zusatzinfo: Fotografie

Ruth Debel mit Joshua Neustein, Jerusalem, 2012

Joshua Neustein am Tag der Ausstellungseröffnung am 18. Mai 2012 in der Debel-Galerie.
Datierung: 18.05.2012 Quelle: Privatbesitz Ruth Debel Autor: Yair Talmor Copyright: Debel-Galerie Zusatzinfo: Fotografie

Postkarte des Cafè Bank, Bahngasse 17, 1918

Datierung: 1918 Quelle: Sammlung Erwin Wrenkh Autor: unbekannt Zusatzinfo: Postkarte - gedruckt 1918

Ansicht des Kapuzinerplatzes von der Bäuhausgasse, 1931

Der Kapuzinerplatz wurde von der Familie Bank als "Kaffeehausgarten" genutzt. Der Musikpavillon war neu errichtet worden und diente für Veranstaltungen.
Datierung: 1931 Quelle: Sammlung Rudolf Setznagl Autor: Verlag Eisenmenger, Wien Copyright: Verlag Eisenmenger, Wien Zusatzinfo: Postkarte - gedruckt 1931

Kaffeehausbetreiber Josef Bank mit Freunden, vor 1918

Josef "Pepi" Bank (2. Reihe, rechts) übernahm von seinem Vater das Kaffeehaus und führte es bis 1938.
Datierung: vor 1918 Quelle: Privatbesitz Peter Bank Autor: unbekannt Copyright: Peter Bank, USA Zusatzinfo: Fotografie

Robert Bank und Alfred Lewin, o. J.

Eine tiefe Freundschaft verband Robert Bank (links im Bild), ein Bruder von Josef, mit Alfred Lewin - seinerseits verwandt mit dem berühmten Pionier der Sozialpsychologie Kurt Lewin (1890-1947).
Datierung: o. J. Quelle: Privatbesitz Peter Bank Autor: unbekannt Copyright: Peter Bank, USA Zusatzinfo: Fotografie

Nahaufnahme des Café Bank in der Bahngasse, ca. 1950er Jahre

Datierung: ca. 1950er Jahre Quelle: Sammlung Rudolf Setznagl Autor: Verlag Egelseer Copyright: Verlag Egelseer Zusatzinfo: Postkarte