Der Turm des Neu-/Fischauer-/Fleischhacker-Tors

Erinnerungsort

Der Turm des Neu-/Fischauer-/Fleischhacker-Tors

47.813580

16.239551

Herzog-Leopold-Straße/Platz vor dem BORG Wiener Neustadt Der Turm des Neu-/Fischauer-/Fleischhacker-Tors   Auf dem Weg zum nächsten Turm geht man über die Herzog-Leopold-Straße, wo sich unweit der letzten Häuser der Fußgängerzone auf dem sich öffnenden Platz eine Bodenkennzeichnung in der Straßenpflasterung erkennen lässt. Diese erinnert an den Standort von einem der vier Stadttore (hier eines äußeren Tores): an das Neu-/Fischauer-/Fleischhacker-Tor mit dem Neu-/Fischauer-Turm. Die Bezeichnungen dieses Tores bzw. Turmes leitet sich davon ab, dass das Tor den Weg in Richtung Westen, nach Fischau, freigab. Vor dem Stadttor befanden sich Hütten der Fleischhauer bzw. Metzker – daher auch Fleischhacker Tor („Mezker portten“). Die heutige Herzog-Leopold-Straße hieß früher Neue Judengasse bzw. verkürzt später Neugasse, weshalb zur entsprechenden Zeit auch vom Neutor die Rede war. Die vier Stadttore muss man sich als wuchtige Bollwerke vorstellen. Die Tore waren keine einfachen Torbögen, sondern in hohe Türme eingefasst. Wurden sie als Doppel-Türme realisiert, dann überragte der innere Turm den äußeren. Über dem Torbogen des äußeren Fischauertors befand sich ein Wappen-Stein aus dem Jahr 1613, der 1936, gemeinsam mit anderen Wappen-Steinen der abgerissenen Stadttore, in die Fassade des Rathauses eingemauert wurde. In der lateinischen Inschrift unter dem Wappen heißt es: „Dieses Tor wurde von Grund auf errichtet aus Mitteln der Neustädter Sparkasse unter dem Bürgermeister Simon Tollasch und dem Stadtkämmerer Laurenz Fellner. 1613“ 1713 schlug ein Blitz in die Pulverstampfe vor dem Fleischhacker-Tor (Neutor) ein, wodurch eine Dörrhütte in die Luft ging und ein Schafstall abbrannte; die Stampfe selbst mit 15 Zentnern Schwarzpulver und 5 Zentnern Salpeter blieb allerdings unversehrt, sodass es zu keiner Brandkatastrophe kam. Zur Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in Wiener Neustadt eine Bewegung zur Moderne, in der man sich von „Altem“ trennen wollte. Unter der Regierungszeit von Bürgermeister Johann Kindler wurden alle Tor-Türme und große Bereiche der Stadtmauer abgerissen. In den frühen 1860er Jahre kam es zum Abriss des Neutors, zeitgleich mit dem Neunkirchner Tor (im Süden). Das Abbruchmaterial wurde zum Zuschütten des Stadtgrabens verwendet. Auch die kleinere Zwingermauer fiel den Erneuerungsmaßnahmen zum Opfer. 1863 wurde das Ungartor (im Osten) geschleift, und 1864 begann man das Wiener Tor (im Norden) zu zerstören: unwiederbringliche Verluste historischer Bauten der Neustadt. 1998 stieß man beim Bau der Tiefgarage auf bauliche Reste des äußeren Turms des einst (ab 1613) doppeltürmigen Tores. Die Ausgrabungen wurden vom Stadtbau-Experten Dipl.-Ing. Dr. Reidinger genauestens dokumentiert. Die mit grauen Natursteinen markierte Fläche spiegelt den Grundriss der entdeckten Bauteile vor 1613 wider: die Mauern des Stadtgrabens, der auf einer Brücke überwunden wurde. Die Bodenkennzeichnung mit roten Natursteinen markiert die baulichen Reste ab 1613, konkret Bereiche des äußeren Tores und der Zwingermauer. Zur Zeit des Abbruchs aller Stadttore (1851/1861-64) schuf man entlang der Westmauer (zwischen Herzog-Leopold-Straße und Bahngasse) eine Baum-Allee und eine blumenreiche Grünzone. Musik-Veranstaltungen im Stadtpark lockten viele Bewohner auf der „Beethovenallee“ dorthin.   Ein abschließender Hinweis: Sehen Sie sich die Vitrine des Treppenhauses zur Tiefgarage an, denn dort finden Sie interessante Abbildungen, ein Modell des Tores u. v. a.    Tipps für nahe Sehenswürdigkeiten:  - Stadttheater, Herzog-Leopold-Straße 17 - Evangelische Kirche (Auferstehungskirche), Ferdinand-Porsche-Ring 4   Quellen/Literatur: Bundesdenkmalamt (Hg.), Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Topographisches Denkmälerinventar. Niederösterreich südlich der Donau. Teil 2, Horn/Wien 2003. Karl Flanner, Wiener Neustadt: G’schichtln & Geschichte. Wiener Neustadt 1998. Ferdinand Carl Böheim, Chronik von Wiener-Neustadt. Wien 1830. Gerhard Geissl, Denkmäler in Wiener Neustadt. Orte des Erinnerns. Berndorf 2013. Gertrud Gerhartl, Wiener Neustadt. Geschichte, Kunst, Kultur, Wirtschaft. Wien 1993. Erwin Reidinger, Planung oder Zufall. Wiener Neustadt 1192. Wiener Neustadt 1995. Erwin Reidinger/Werner Jobst, Archäologische Bauforschungen in Wiener Neustadt. In: Carnuntum-Jahrbuch 1999. Zeitschrift für Archäologie und Kulturgeschichte des Donauraumes. Wien 2000.  

Der Rabenturm

47.812070

16.239022

Herzog-Leopold-Straße/Platz vor dem BORG Wiener Neustadt

Der Turm des Neu-/Fischauer-/Fleischhacker-Tors

 

Auf dem Weg zum nächsten Turm geht man über die Herzog-Leopold-Straße, wo sich unweit der letzten Häuser der Fußgängerzone auf dem sich öffnenden Platz eine Bodenkennzeichnung in der Straßenpflasterung erkennen lässt. Diese erinnert an den Standort von einem der vier Stadttore (hier eines äußeren Tores): an das Neu-/Fischauer-/Fleischhacker-Tor mit dem Neu-/Fischauer-Turm. Die Bezeichnungen dieses Tores bzw. Turmes leitet sich davon ab, dass das Tor den Weg in Richtung Westen, nach Fischau, freigab. Vor dem Stadttor befanden sich Hütten der Fleischhauer bzw. Metzker – daher auch Fleischhacker Tor („Mezker portten“). Die heutige Herzog-Leopold-Straße hieß früher Neue Judengasse bzw. verkürzt später Neugasse, weshalb zur entsprechenden Zeit auch vom Neutor die Rede war.

Die vier Stadttore muss man sich als wuchtige Bollwerke vorstellen. Die Tore waren keine einfachen Torbögen, sondern in hohe Türme eingefasst. Wurden sie als Doppel-Türme realisiert, dann überragte der innere Turm den äußeren.

Über dem Torbogen des äußeren Fischauertors befand sich ein Wappen-Stein aus dem Jahr 1613, der 1936, gemeinsam mit anderen Wappen-Steinen der abgerissenen Stadttore, in die Fassade des Rathauses eingemauert wurde. In der lateinischen Inschrift unter dem Wappen heißt es: „Dieses Tor wurde von Grund auf errichtet aus Mitteln der Neustädter Sparkasse unter dem Bürgermeister Simon Tollasch und dem Stadtkämmerer Laurenz Fellner. 1613“

1713 schlug ein Blitz in die Pulverstampfe vor dem Fleischhacker-Tor (Neutor) ein, wodurch eine Dörrhütte in die Luft ging und ein Schafstall abbrannte; die Stampfe selbst mit 15 Zentnern Schwarzpulver und 5 Zentnern Salpeter blieb allerdings unversehrt, sodass es zu keiner Brandkatastrophe kam.

Zur Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in Wiener Neustadt eine Bewegung zur Moderne, in der man sich von „Altem“ trennen wollte. Unter der Regierungszeit von Bürgermeister Johann Kindler wurden alle Tor-Türme und große Bereiche der Stadtmauer abgerissen.

In den frühen 1860er Jahre kam es zum Abriss des Neutors, zeitgleich mit dem Neunkirchner Tor (im Süden). Das Abbruchmaterial wurde zum Zuschütten des Stadtgrabens verwendet. Auch die kleinere Zwingermauer fiel den Erneuerungsmaßnahmen zum Opfer. 1863 wurde das Ungartor (im Osten) geschleift, und 1864 begann man das Wiener Tor (im Norden) zu zerstören: unwiederbringliche Verluste historischer Bauten der Neustadt.

1998 stieß man beim Bau der Tiefgarage auf bauliche Reste des äußeren Turms des einst (ab 1613) doppeltürmigen Tores. Die Ausgrabungen wurden vom Stadtbau-Experten Dipl.-Ing. Dr. Reidinger genauestens dokumentiert. Die mit grauen Natursteinen markierte Fläche spiegelt den Grundriss der entdeckten Bauteile vor 1613 wider: die Mauern des Stadtgrabens, der auf einer Brücke überwunden wurde. Die Bodenkennzeichnung mit roten Natursteinen markiert die baulichen Reste ab 1613, konkret Bereiche des äußeren Tores und der Zwingermauer.

Zur Zeit des Abbruchs aller Stadttore (1851/1861-64) schuf man entlang der Westmauer (zwischen Herzog-Leopold-Straße und Bahngasse) eine Baum-Allee und eine blumenreiche Grünzone. Musik-Veranstaltungen im Stadtpark lockten viele Bewohner auf der „Beethovenallee“ dorthin.

 

Ein abschließender Hinweis:

Sehen Sie sich die Vitrine des Treppenhauses zur Tiefgarage an, denn dort finden Sie interessante Abbildungen, ein Modell des Tores u. v. a. 

 

Tipps für nahe Sehenswürdigkeiten: 

- Stadttheater, Herzog-Leopold-Straße 17

- Evangelische Kirche (Auferstehungskirche), Ferdinand-Porsche-Ring 4

 

Quellen/Literatur:

Bundesdenkmalamt (Hg.), Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Topographisches Denkmälerinventar. Niederösterreich südlich der Donau. Teil 2, Horn/Wien 2003.

Karl Flanner, Wiener Neustadt: G’schichtln & Geschichte. Wiener Neustadt 1998.

Ferdinand Carl Böheim, Chronik von Wiener-Neustadt. Wien 1830.

Gerhard Geissl, Denkmäler in Wiener Neustadt. Orte des Erinnerns. Berndorf 2013.

Gertrud Gerhartl, Wiener Neustadt. Geschichte, Kunst, Kultur, Wirtschaft. Wien 1993.

Erwin Reidinger, Planung oder Zufall. Wiener Neustadt 1192. Wiener Neustadt 1995.

Erwin Reidinger/Werner Jobst, Archäologische Bauforschungen in Wiener Neustadt. In: Carnuntum-Jahrbuch 1999. Zeitschrift für Archäologie und Kulturgeschichte des Donauraumes. Wien 2000.

 

Bilder

Historische Ansicht des Neu-/Fischauer-/Fleischhacker-Tors mit Turm, 1737

Datierung: 1737 Quelle: Sammlung Reidinger Zusatzinfo: Druck - Lithographie - bearbeitet

Bodenkennzeichnungen mit dem äußeren Tor und der Zwingermauer in Rot, 1999

Datierung: 1999 Quelle: Sammlung Reidinger Autor: Foto J. Reiner Zusatzinfo: Foto

Reste des mittelalterlichen Steinbelags der Straße zum Tor

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Copyright: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Steintafel mit Türmen und Toren der Stadt, Nord-Fassade des Hochhauses am Ferdinand-Porsche-Ring 1

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Copyright: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Zum Vergleich: das Wiener Tor - stadtauswärts, um 1910

Datierung: um 1910 Quelle: Sammlung Witetschka Autor: unbekannt Zusatzinfo: Postkarte