Die Domtürme

Erinnerungsort

Die Domtürme

47.814840

16.242426

Domplatz Die Domtürme   Die spätromanische Pfarrkirche (Liebfrauendom) wurde als zentrales Kirchengebäude für die neu gegründete Stadt über Jahrzehnte gebaut. Begonnen hatte man mit der Vermessung im Jahre 1192. Zum Bau der Kirche wurden Fachleute in die Stadt geholt, die das Gotteshaus mit ihrem außerordentlichen mathematischen und technischen Wissen in größter Perfektion in den Himmel bauten. Dieses Wissen wurde innerhalb der Zunft bzw. der Bauhütte geheim gehalten. 1279 wurde das Gotteshaus schließlich zu Ehren der Jungfrau („lieben Frau“) Maria und des Heiligen Rupert geweiht. Neben dem Haupttor ist das romanische Tor an der Südseite – das sogenannte „Brauttor“ – erwähnenswert. 1469 wurde die Neustadt zum Bistum erhoben, wodurch die Kirche den Status einer Kathedrale erhielt. (Übrigens verlor die Stadt 1785 diesen Stellenwert, wurde aber 1989 vom Heiligen Stuhl in Rom als Titularbistum anerkannt.) Die beiden zirka 65 Meter hohen Türme des Wiener Neustädter Doms sind, wie ein erster Blick auf die Vorderseite sofort bestätigt, äußerlich nicht gleich. Sie weisen einige Unterschiede auf und sind, was der/die Passant/in vom Boden aus nicht sehen kann, nicht gleich hoch. Können Sie die Differenzen erkennen? Einst verband eine sichtbare freie Brücke die beiden Türme. Aus diesem Umstand erklärt sich eines der vermeintlichen „Wunder“ von Wiener Neustadt, nämlich dass hierorts eine Brücke über eine Kirche führt. Diese verlief knapp oberhalb des Daches des Langschiffs auf der Geschoß-Ebene unterhalb der hohen Fenster des Glockenstuhls bzw. -werks. Ende des 19. Jahrhunderts entfernte man diesen nicht ungefährlichen Übergang – der eigentlich ein kräftesparendes Wechseln von einem Turm auf den anderen ermöglichen sollte.  Über die Jahrhunderte wurden die Türme zunehmend baufällig, und so entschied man sich notgedrungen dazu, umfassende Maßnahmen zu setzen, um die Türme für die Nachwelt zu retten. Fast unglaublich erscheint es heute, dass man 1886 begann, die Türme bis zu ihrer Basis abzubauen: ein wahres Kunststück der Bautechnik. Der Pfarrplatz wurde damals zu einer Großbaustelle; und es war das Ziel der Verantwortlichen, die Türme wieder vollends zu rekonstruieren. Von 1892 bis 1899 wurden die Türme neu aufgebaut. Die feierliche Schlusssteinlegung am 28. November 1899 beehrte Kaiser Franz Joseph I. mit seiner persönlichen Anwesenheit. In der Zeit des Zweiten Weltkrieges war der Dom wegen der Bombardements der Stadt durch die Alliierten schwer gefährdet. Bombeneinschläge in der Umgebung des Doms führten dazu, dass das Dach teilweise abgedeckt war und Fenster durch die Druckwellen zerborsten waren, aber die Kirche wurde nicht getroffen – ein wahres Wunder bei rund 52.000 Bomben, die auf Wiener Neustadt fielen und angesichts der vielen völlig zerstörten Gebäude in der nahen Umgebung. Dennoch schlugen Splitter, Geschossteile und Trümmer in die Außenwände des Gotteshauses. Ein Geschoss durchschlug am 1. April 1945 (als die Truppen der Sowjets das Stadtgebiet beschossen und überrollten) sogar das Dach des Südturmes. Die Sowjets vermuteten nämlich Artilleriebeobachter auf den Türmen und hätten daher wohl bei einem längeren Kampfverlauf die Türme zerschossen. Der südliche Domturm hat an seiner Seite ein kleines Türmchen (ein sogenanntes „gotisches Treppentürmchen“) gesetzt. Über seinen Eingang gelangt man in das Innere des Südturms und kann über 230 Stufen zu den Glocken und in eine Turmwachstube hochsteigen. Von dort aus überwachte ein Türmer das Stadtgebiet, dessen Aufgabe es war, Gefahren zu melden. Nach einer großen Zahl von Stadtbränden – zuletzt 1834 („Großer Stadtbrand“) – kam der Feuerwache eine wichtige Bedeutung zu. Deshalb war in Wiener Neustadt bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts ein solcher Türmer tätig.   Das Turmmuseum im Dom und damit die Türmerstube, also der Arbeitsplatz des Türmers, können bei trockenen Wetterverhältnissen besucht werden.  Öffnungszeiten: ACHTUNG: Zur Zeit wegen notwendiger Renovierungsarbeiten geschlossen! Mai bis Oktober, bei Schönwetter nach Anmeldung im Stadtmuseum, 10.30 Uhr und 14.30 Uhr, für Gruppen nach Terminabsprache auch außerhalb dieser Zeiten Eintrittspreise: 2,00 € Erwachsene; 1,00 € Schüler, Studenten, Senioren, Grundwehrdiener Anmeldung: Stadtmuseum Wiener Neustadt, Petersgasse2a, Tel: 02622/373-950 oder -951   Tipps für nahe Sehenswürdigkeiten:  - Stadtmuseum Wiener Neustadt, Petersgasse 2 -  ACHTUNG: Zur Zeit wegen Umbauarbeiten für die Landesausstellung 2019 geschlossen! - Propstei, Domplatz 1 = QR-Code-Station mit mehr Information: http://www.zeitgeschichte-wn.at/stadt-spaziergaenge/qr-code-stationen-in-town/pplace/502?pfadid=10   Quellen/Literatur: Karl Flanner, Wiener Neustadt: G’schichtln & Geschichte. Wiener Neustadt 1998. Gertrud Gerhartl, Der Dom zu Wiener Neustadt. Wien/Köln/Graz 1979. Gertrud Gerhartl, Wiener Neustadt. Geschichte, Kunst, Kultur, Wirtschaft. Wien 1993. Leo Woerl (Hg.), Führer durch Wiener-Neustadt. Wien/Würzburg 1892 [Woerl's Reisehandbücher].  

Der Reckturm

47.816510

16.240953

Domplatz

Die Domtürme

 

Die spätromanische Pfarrkirche (Liebfrauendom) wurde als zentrales Kirchengebäude für die neu gegründete Stadt über Jahrzehnte gebaut. Begonnen hatte man mit der Vermessung im Jahre 1192. Zum Bau der Kirche wurden Fachleute in die Stadt geholt, die das Gotteshaus mit ihrem außerordentlichen mathematischen und technischen Wissen in größter Perfektion in den Himmel bauten. Dieses Wissen wurde innerhalb der Zunft bzw. der Bauhütte geheim gehalten. 1279 wurde das Gotteshaus schließlich zu Ehren der Jungfrau („lieben Frau“) Maria und des Heiligen Rupert geweiht. Neben dem Haupttor ist das romanische Tor an der Südseite – das sogenannte „Brauttor“ – erwähnenswert. 1469 wurde die Neustadt zum Bistum erhoben, wodurch die Kirche den Status einer Kathedrale erhielt. (Übrigens verlor die Stadt 1785 diesen Stellenwert, wurde aber 1989 vom Heiligen Stuhl in Rom als Titularbistum anerkannt.)

Die beiden zirka 65 Meter hohen Türme des Wiener Neustädter Doms sind, wie ein erster Blick auf die Vorderseite sofort bestätigt, äußerlich nicht gleich. Sie weisen einige Unterschiede auf und sind, was der/die Passant/in vom Boden aus nicht sehen kann, nicht gleich hoch. Können Sie die Differenzen erkennen?

Einst verband eine sichtbare freie Brücke die beiden Türme. Aus diesem Umstand erklärt sich eines der vermeintlichen „Wunder“ von Wiener Neustadt, nämlich dass hierorts eine Brücke über eine Kirche führt. Diese verlief knapp oberhalb des Daches des Langschiffs auf der Geschoß-Ebene unterhalb der hohen Fenster des Glockenstuhls bzw. -werks. Ende des 19. Jahrhunderts entfernte man diesen nicht ungefährlichen Übergang – der eigentlich ein kräftesparendes Wechseln von einem Turm auf den anderen ermöglichen sollte. 

Über die Jahrhunderte wurden die Türme zunehmend baufällig, und so entschied man sich notgedrungen dazu, umfassende Maßnahmen zu setzen, um die Türme für die Nachwelt zu retten. Fast unglaublich erscheint es heute, dass man 1886 begann, die Türme bis zu ihrer Basis abzubauen: ein wahres Kunststück der Bautechnik. Der Pfarrplatz wurde damals zu einer Großbaustelle; und es war das Ziel der Verantwortlichen, die Türme wieder vollends zu rekonstruieren. Von 1892 bis 1899 wurden die Türme neu aufgebaut. Die feierliche Schlusssteinlegung am 28. November 1899 beehrte Kaiser Franz Joseph I. mit seiner persönlichen Anwesenheit.

In der Zeit des Zweiten Weltkrieges war der Dom wegen der Bombardements der Stadt durch die Alliierten schwer gefährdet. Bombeneinschläge in der Umgebung des Doms führten dazu, dass das Dach teilweise abgedeckt war und Fenster durch die Druckwellen zerborsten waren, aber die Kirche wurde nicht getroffen – ein wahres Wunder bei rund 52.000 Bomben, die auf Wiener Neustadt fielen und angesichts der vielen völlig zerstörten Gebäude in der nahen Umgebung. Dennoch schlugen Splitter, Geschossteile und Trümmer in die Außenwände des Gotteshauses. Ein Geschoss durchschlug am 1. April 1945 (als die Truppen der Sowjets das Stadtgebiet beschossen und überrollten) sogar das Dach des Südturmes. Die Sowjets vermuteten nämlich Artilleriebeobachter auf den Türmen und hätten daher wohl bei einem längeren Kampfverlauf die Türme zerschossen.

Der südliche Domturm hat an seiner Seite ein kleines Türmchen (ein sogenanntes „gotisches Treppentürmchen“) gesetzt. Über seinen Eingang gelangt man in das Innere des Südturms und kann über 230 Stufen zu den Glocken und in eine Turmwachstube hochsteigen. Von dort aus überwachte ein Türmer das Stadtgebiet, dessen Aufgabe es war, Gefahren zu melden. Nach einer großen Zahl von Stadtbränden – zuletzt 1834 („Großer Stadtbrand“) – kam der Feuerwache eine wichtige Bedeutung zu. Deshalb war in Wiener Neustadt bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts ein solcher Türmer tätig.

 

Das Turmmuseum im Dom und damit die Türmerstube, also der Arbeitsplatz des Türmers, können bei trockenen Wetterverhältnissen besucht werden. 

Öffnungszeiten: ACHTUNG: Zur Zeit wegen notwendiger Renovierungsarbeiten geschlossen!

Mai bis Oktober, bei Schönwetter nach Anmeldung im Stadtmuseum,

10.30 Uhr und 14.30 Uhr, für Gruppen nach Terminabsprache auch außerhalb dieser Zeiten

Eintrittspreise: 2,00 € Erwachsene; 1,00 € Schüler, Studenten, Senioren, Grundwehrdiener

Anmeldung: Stadtmuseum Wiener Neustadt, Petersgasse2a, Tel: 02622/373-950 oder -951

 

Tipps für nahe Sehenswürdigkeiten: 

- Stadtmuseum Wiener Neustadt, Petersgasse 2 -  ACHTUNG: Zur Zeit wegen Umbauarbeiten für die Landesausstellung 2019 geschlossen!

- Propstei, Domplatz 1 = QR-Code-Station mit mehr Information: http://www.zeitgeschichte-wn.at/stadt-spaziergaenge/qr-code-stationen-in-town/pplace/502?pfadid=10

 

Quellen/Literatur:

Karl Flanner, Wiener Neustadt: G’schichtln & Geschichte. Wiener Neustadt 1998.

Gertrud Gerhartl, Der Dom zu Wiener Neustadt. Wien/Köln/Graz 1979.

Gertrud Gerhartl, Wiener Neustadt. Geschichte, Kunst, Kultur, Wirtschaft. Wien 1993.

Leo Woerl (Hg.), Führer durch Wiener-Neustadt. Wien/Würzburg 1892 [Woerl's Reisehandbücher].

 

Bilder

Der Wiener Neustädter Dom mit seinen beiden Türmen

Datierung: 2014 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Marcel Billaudet Copyright: Marcel Bilaudet Zusatzinfo: Foto

Das gotische Treppentürmchen des südlichen Domturms

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Copyright: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Dom-Türme mit Verbindungsbrücke sowie dem Michael-Karner, 1870

Datierung: 1870 Quelle: Sammlung Groll Autor: unbekannt Zusatzinfo: Foto-Repro

Feier des Baumeisters Koblizek im Rahmen des Wiederaufbaues, 1892-99

Datierung: 1892-99 Quelle: Sammlung Habitsch Autor: unbekannt Zusatzinfo: Foto-Digitalisat

Schlussstein-Legung auf den Domtürmen, 23. November 1899

Datierung: 1899 Quelle: Sammlung Groll Autor: unbekannt Zusatzinfo: Foto

Schlussstein-Legung - Kreuz und Wetterhahn, 23. November 1899

Kaum erkennbar ist ein Kind in weißer Kleidung, das auf der obersten Ebene steht und vom Erwachsenen an der Hand gehalten wird.
Datierung: 1899 Quelle: Sammlung Habitsch Autor: unbekannt Zusatzinfo: Foto-Digitalisat

Übung der Stadtfeuerwehr am südlichen Domplatz, 1907

Datierung: 1907 Quelle: Sammlung Habitsch Autor: unbekannt Zusatzinfo: Foto-Digitalisat

Abriss der Gebäude-Ziel am östlichen Pfarrplatz - zur Errichtung des Posthofs, 1908

Datierung: 1908 Quelle: Sammlung Habitsch Autor: unbekannt Zusatzinfo: Foto-Digitalisat

Dom und Domplatz mit den damaligen Fußwegen, 1918

Datierung: 1918 Quelle: Sammlung Witetschka Autor: Verlag Kuderna Zusatzinfo: Postkarte

Schema der Fassade der Türme der Pfarr- bzw. Domkirche, 1924

Datierung: 1924 Quelle: Mayer Band I, Teil 1, Tafel 8 Autor: Josef Mayer Zusatzinfo: Druck

Hauptplatz mit Zerstörungen und Domturm mit Loch im Dach, 1945

Datierung: 1945 Quelle: Sammlung Tomann Autor: unbekannt Zusatzinfo: Foto

Blick durch die Böheimgasse zum Dom, 1952

Datierung: 1952 Quelle: Sammlung Tschank Autor: Tschank Zusatzinfo: Foto

Blick durch die Rosengasse zum Dom, 1950er Jahre

Datierung: 1950er Jahre Quelle: Sammlung Wrenkh Autor: unbekannt Zusatzinfo: Foto

Gestalt der beiden Domtürme, 1960

Datierung: 1960 Quelle: Sammlung Tomann Autor: Tomann Zusatzinfo: Foto

Froschperspektive auf die Ostseite der Domtürme, 1960

Datierung: 1960 Quelle: Sammlung Tomann Autor: Tomann Zusatzinfo: Foto