Der Neustädter Rathaus-Turm – der „Stadtturm“

Erinnerungsort

Der Neustädter Rathaus-Turm – der „Stadtturm“

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Hauptplatz 1 Der Neustädter Rathaus-Turm – „Stadtturm“   Auch das Rathaus von Wiener Neustadt hat einen Turm – und noch dazu von wirklich ungewöhnlicher Gestalt. So mancher Besucher liest die Jahreszahl an der Wetterfahne (1903) und meint, dass der Turm damals errichtet worden wäre. Aber das Rathaus hat seine baulichen Ursprünge im 15. Jahrhundert, als es als „Stadthaus“ bezeichnet wurde. 1401 findet es erstmals urkundlich Erwähnung. Der Turm, also der „Stadtturm“, wurde im Rahmen der Neugestaltung des Gebäudes zur Zeit der Renaissance erbaut. Auf diese Umbauphase weisen uns die Jahreszahlen 1596 und 1615 auf dem Schlussstein über dem Portal des Rathauses hin. Schon 1587 hatte der Steinmetzmeister Max Pagamin den Auftrag bekommen, einen Turm zu errichten, den er in wenigen Jahren 1590 fertig stellte. (In seinem obersten Geschoß weist der Turm deshalb die Jahreszahl 1590 auf.) Damals hatte der Turm einen pyramidenförmigen Abschluss.  Es wird ein älterer „Stadtturm“ vermutet, der sich auf dem Hauptplatz befunden hatte: nämlich an der Nordost-Ecke des „Grätzls“ (also der Bebauung des Hauptplatzes). Dieser ältere „Stadtturm“ könnte auf einer Achse nach Norden („gegen Mittag“) – als Linie zwischen der Neunkirchner Straße und Wiener Straße – gestanden sein. Deshalb könnte die Ostwand dieses älteren „Stadtturms“ (wie auch die der „Grätzl-“Ecke) als Sonnenuhr genützt worden sein. Auch in anderen Städten Niederösterreichs gab es solch einen „Stadtturm“ auf dem Hauptplatz, wie er beispielsweise in Enns und Retz noch heute zu sehen ist.  In den Jahren 1625 und 1699 richteten Stadtbrände am Rathaus Schäden an, wodurch Ornamente und Malereien verloren gingen. Nach dem „Großen Stadtbrand von Wiener Neustadt“ von 1834 mussten die Fassade und der obere Bauteil des Turmes völlig neu hergestellt werden. Nun bekam der Rathaus-Turm einen „Turmhelm“, also eine Kuppel aus Kupfer (die 1903 saniert wurde). Sein ungewöhnliches Aussehen gab Anlass zu Spekulationen, wie zum Beispiel, dass von dort aus die Gestirne beobachtet würden. Aber der Turm hatte nie eine besondere Funktion, denn für die Beobachtung des Stadtgebiets war er zu klein, weshalb bekanntlich im südlichen Domturm die Feuerwache gehalten wurde. Der Neustädter Rathaus-Turm diente schlichtweg der architektonischen Erhöhung und Kennzeichnung des zentralen Verwaltungsgebäudes der Stadt. Das alte Rathaus ist ein höchst verwinkelter Bau und ein Produkt zahlreicher Umbauten. Erwähnenswert ist beispielsweise der kleine Hof mit Lauben mit toskanischen Säulen. Aber natürlich auch auf die Wappen und Insignien an der Front zum Hauptplatz ist hinzuweisen. Diese befanden sich ursprünglich bis ins 19. Jahrhundert an Stadttoren (wie am Neunkirchner Tor) und wurden nach deren Abriss an der Fassade des Rathausgebäudes angebracht. Zuvor waren sie übrigens im Innenhof einer Schule in der Herzog-Leopold-Straße eingemauert gewesen. An der Ostseite des Rathauses erkennt man, dass ein Fenster zugemauert ist. Der Überlieferung nach soll Kaiser Ferdinand I. 1522 anlässlich des „Wiener Neustädter Blutgerichts“ (der Bestrafung von Wiener Ratsherren – wegen des Widerstandes gegen die kaiserliche Autorität – mit dem Tode) von diesem Standort aus die Hinrichtung auf dem freien Platz beobachtet und anschließend befohlen haben, dass dieses Fenster fortan vermauert sein solle, was auch geschah.   Tipps für nahe Sehenswürdigkeiten:  - Bombengedenksäule am Hauptplatz 3 - Mariensäule am Hauptplatz - Alte Kronen-Apotheke = QR-Code Station mit mehr Informationen: http://www.zeitgeschichte-wn.at/stadt-spaziergaenge/qr-code-stationen-in-town/pplace/503?pfadid=10 - Schrauthammer-Brunnen am nordwestlichen Hauptplatz   Quellen/Literatur: Otto Aull, Die Kunstdenkmäler Wiener-Neustadts. Wien 1930. Bundesdenkmalamt (Hg.), Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Topographisches Denkmälerinventar. Niederösterreich südlich der Donau. Teil 2, Horn/Wien 2003. Gerhard Geissl, Denkmäler in Wiener Neustadt. Orte des Erinnerns. Berndorf 2013. Gertrude Gerhartl, Wiener Neustadt. Wien/München 1983 [Niederösterreichischer Kulturführer]. Leopold Hinner, Unser Heimatort Wiener-Neustadt. Ortsbeschreibung und Bilder aus der Geschichte und Sage der Stadt. Wien 1913. Adolf Höggerl, Alt-Neustadt. Kunstdenkmäler und historische Gedenkstätten der autonomen Stadt Wiener Neustadt. Wiener Neustadt 1954. Erwin Reidinger, Planung oder Zufall. Wiener Neustadt 1192. Wiener Neustadt 1995. Leo Woerl (Hg.), Führer durch Wiener-Neustadt. Wien/Würzburg 1892 [Woerl's Reisehandbücher].  

Der Schlegelgarten-Turm

47.814010

16.247949

Hauptplatz 1

Der Neustädter Rathaus-Turm – „Stadtturm“

 

Auch das Rathaus von Wiener Neustadt hat einen Turm – und noch dazu von wirklich ungewöhnlicher Gestalt. So mancher Besucher liest die Jahreszahl an der Wetterfahne (1903) und meint, dass der Turm damals errichtet worden wäre. Aber das Rathaus hat seine baulichen Ursprünge im 15. Jahrhundert, als es als „Stadthaus“ bezeichnet wurde. 1401 findet es erstmals urkundlich Erwähnung.

Der Turm, also der „Stadtturm“, wurde im Rahmen der Neugestaltung des Gebäudes zur Zeit der Renaissance erbaut. Auf diese Umbauphase weisen uns die Jahreszahlen 1596 und 1615 auf dem Schlussstein über dem Portal des Rathauses hin. Schon 1587 hatte der Steinmetzmeister Max Pagamin den Auftrag bekommen, einen Turm zu errichten, den er in wenigen Jahren 1590 fertig stellte. (In seinem obersten Geschoß weist der Turm deshalb die Jahreszahl 1590 auf.) Damals hatte der Turm einen pyramidenförmigen Abschluss. 

Es wird ein älterer „Stadtturm“ vermutet, der sich auf dem Hauptplatz befunden hatte: nämlich an der Nordost-Ecke des „Grätzls“ (also der Bebauung des Hauptplatzes). Dieser ältere „Stadtturm“ könnte auf einer Achse nach Norden („gegen Mittag“) – als Linie zwischen der Neunkirchner Straße und Wiener Straße – gestanden sein. Deshalb könnte die Ostwand dieses älteren „Stadtturms“ (wie auch die der „Grätzl-“Ecke) als Sonnenuhr genützt worden sein. Auch in anderen Städten Niederösterreichs gab es solch einen „Stadtturm“ auf dem Hauptplatz, wie er beispielsweise in Enns und Retz noch heute zu sehen ist. 

In den Jahren 1625 und 1699 richteten Stadtbrände am Rathaus Schäden an, wodurch Ornamente und Malereien verloren gingen. Nach dem „Großen Stadtbrand von Wiener Neustadt“ von 1834 mussten die Fassade und der obere Bauteil des Turmes völlig neu hergestellt werden. Nun bekam der Rathaus-Turm einen „Turmhelm“, also eine Kuppel aus Kupfer (die 1903 saniert wurde). Sein ungewöhnliches Aussehen gab Anlass zu Spekulationen, wie zum Beispiel, dass von dort aus die Gestirne beobachtet würden. Aber der Turm hatte nie eine besondere Funktion, denn für die Beobachtung des Stadtgebiets war er zu klein, weshalb bekanntlich im südlichen Domturm die Feuerwache gehalten wurde. Der Neustädter Rathaus-Turm diente schlichtweg der architektonischen Erhöhung und Kennzeichnung des zentralen Verwaltungsgebäudes der Stadt.

Das alte Rathaus ist ein höchst verwinkelter Bau und ein Produkt zahlreicher Umbauten. Erwähnenswert ist beispielsweise der kleine Hof mit Lauben mit toskanischen Säulen. Aber natürlich auch auf die Wappen und Insignien an der Front zum Hauptplatz ist hinzuweisen. Diese befanden sich ursprünglich bis ins 19. Jahrhundert an Stadttoren (wie am Neunkirchner Tor) und wurden nach deren Abriss an der Fassade des Rathausgebäudes angebracht. Zuvor waren sie übrigens im Innenhof einer Schule in der Herzog-Leopold-Straße eingemauert gewesen.

An der Ostseite des Rathauses erkennt man, dass ein Fenster zugemauert ist. Der Überlieferung nach soll Kaiser Ferdinand I. 1522 anlässlich des „Wiener Neustädter Blutgerichts“ (der Bestrafung von Wiener Ratsherren – wegen des Widerstandes gegen die kaiserliche Autorität – mit dem Tode) von diesem Standort aus die Hinrichtung auf dem freien Platz beobachtet und anschließend befohlen haben, dass dieses Fenster fortan vermauert sein solle, was auch geschah.

 

Tipps für nahe Sehenswürdigkeiten: 

- Bombengedenksäule am Hauptplatz 3

- Mariensäule am Hauptplatz

- Alte Kronen-Apotheke = QR-Code Station mit mehr Informationen: http://www.zeitgeschichte-wn.at/stadt-spaziergaenge/qr-code-stationen-in-town/pplace/503?pfadid=10

- Schrauthammer-Brunnen am nordwestlichen Hauptplatz

 

Quellen/Literatur:

Otto Aull, Die Kunstdenkmäler Wiener-Neustadts. Wien 1930.

Bundesdenkmalamt (Hg.), Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Topographisches Denkmälerinventar. Niederösterreich südlich der Donau. Teil 2, Horn/Wien 2003.

Gerhard Geissl, Denkmäler in Wiener Neustadt. Orte des Erinnerns. Berndorf 2013.

Gertrude Gerhartl, Wiener Neustadt. Wien/München 1983 [Niederösterreichischer Kulturführer].

Leopold Hinner, Unser Heimatort Wiener-Neustadt. Ortsbeschreibung und Bilder aus der Geschichte und Sage der Stadt. Wien 1913.

Adolf Höggerl, Alt-Neustadt. Kunstdenkmäler und historische Gedenkstätten der autonomen Stadt Wiener Neustadt. Wiener Neustadt 1954.

Erwin Reidinger, Planung oder Zufall. Wiener Neustadt 1192. Wiener Neustadt 1995.

Leo Woerl (Hg.), Führer durch Wiener-Neustadt. Wien/Würzburg 1892 [Woerl's Reisehandbücher].

 

Bilder

Altes Rathaus von Wiener Neustadt mit dem Rathaus-Turm

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Copyright: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Ostseite des Alten Rathauses mit fehlendem, zugemauertem Fenster

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Copyright: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Südost-Ecke des Rathaus-Turms

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Copyright: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Südseite des Rathaus-Turms - Ecke Sparkassengasse/Neunkirchner Straße

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Copyright: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Kulturdenkmal-Tafel und Geschäftsschild an der SO-Ecke des Turms

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Copyright: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Details an der Südfassade des Rathaus-Turms

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Copyright: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Blick auf den Turmhelm - Kuppel des Alten Rathauses

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Copyright: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Hauptfassade des Alten Rathauses mit Wappen und Torzugang

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Copyright: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Informationstafel über das Rathaus

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Copyright: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Froschperspektive auf die Rathaus-Fassade

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Copyright: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Zugangstor in das Alte Rathaus, Hauptplatz 1

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Copyright: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Abschluss-Stein mit Wappen im Torbogen

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Copyright: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Hauptplatz mit dem alten und neuen Stadtturm, 1671

Datierung: 1671 Quelle: Erwin Reidinger Autor: bearbeitet Reidinger/Sulzgruber Zusatzinfo: Druck

Blick auf die Nordost-Ecke des Grätzls - wo der ehemalige alte Stadtturm stand, 1950er Jahre

Datierung: 1950er Jahre Quelle: Sammlung Witetschka Autor: Verlag Egelseer Zusatzinfo: Foto als Postkarte