Der Rákóczi-Turm

Erinnerungsort

Der Rákóczi-Turm

47.810280

16.245451

Burgplatz 1 Der Rákóczi-Turm   Die Militärakademie bestimmt das Bild auf dem Burgplatz. Der Platz selbst trägt seinen Namen aus alter Zeit, denn die Militärakademie war einst die Burg der Neustadt und Sitz der Habsburger Kaiser am Ende des Mittelalters. Hier ist in der St.-Georgs-Kirche Kaiser Maximilian I., der letzte Ritter, begraben. Es heißt, seine letzte Ruhestätte befindet sich „zwischen Himmel und Erde“, und unter seinem Grab kann ein Heuwagen durchfahren. Denn er ist tatsächlich im Boden der Kirche bestattet, die inmitten des West-Trakts und oberhalb der Haupteinfahrt in den Innenhof angelegt ist. Im 15. Jahrhundert wird uns die Burg so beschrieben: „An dem Eck [der Stadt] gegen Ungarn zu, liegt ein Schloß auf Pfeilern gebaut, auf demselbst sind schöne Gärten gepflanzt, und hat ringsumher einen weiten tiefen Graben, ist auch ein Viereck, an welchem einer Seits sich ein hoher Thurm und rückwärts des Kaisers Lust- und Thiergarten befindet. Dieser ist mit einer Mauer umschlossen, und haben die Thiere Platz genug, sich darin zu erlustigen, indem er 15.000 Schritte weit ist, darin befinden sich heimische und wilde Thiere von allerlei Art.“ Obgleich hier nur von einem Turm die Rede ist, so zeigen spätere Abbildungen der Burg vier Türme. Von diesen ist – nach einem schweren Erdbeben im Jahre 1768 – noch nur noch ein einziger heute übrig, und er entspricht auch nicht mehr dem einstigen Aussehen. Der Nordwest-Turm der Burg trägt den Namen des Fürsten von Siebenbürgen Franz II. Rákóczi: Rákóczi-Turm. Franz II. Rákóczi war 1701 in der Burg gefangen gesetzt worden. Ihm war vorgeworfen worden, gemeinsam mit den Franzosen eine Verschwörung gegen die Habsburger angezettelt zu haben. Ihn erwartete lebenslange Haft (im Schloss Rattenberg in Tirol). Aber es kam völlig anders, denn am 9. November gelang Rákóczi aus seinem Gefängnis im ersten Stock des Nordwestturms die Flucht. Der Hauptmann der Burg hatte ihm dies ermöglicht, jener war nämlich mit einer hohen Geldsumme bestochen worden. Der korrupte Hauptmann wurde alsdann durch Vierteilung am 14. Dezember 1701 auf dem Hauptplatz gerichtet. Ein wenig bekanntes Detail dieser Geschichte ist, dass schon Rákóczis Großvater in der Burg zu Neustadt eingesperrt gewesen war und hier genau im selben Raum auf seine Todesstrafe warten musste. Rákóczi war durch die Inhaftierung keineswegs eingeschüchtert worden, sondern übernahm bald die Führung der größten Erhebung des ungarischen Adels gegen die Habsburger-Herrschaft, des berühmten Kuruzzen-Aufstandes (1703-1711). 1617 hatte der Eckturm der Burg vier Glocken erhalten. Der Turm diente der Militärakademie als Wachturm, da man den städtischen Raum von hier aus sehr gut überblicken konnte. Um zirka 1800 war er Standort für ein astronomisches Observatorium, später auch einer von mehreren Orten, an dem meteorologische Messungen vorgenommen wurden.  Am Beginn des 20. Jahrhunderts beherbergte er im oberen Bereich einen Glockenstuhl und Glocken (im fünften und sechsten Stock) sowie ein Wasserreservoire (im siebenten Stock). Über eine ostseitig integrierte Wendeltreppe gelangte man bis auf die Plattform auf die höchste Turm-Ebene.  In der Zwischenkriegszeit des 20. Jahrhunderts beherbergte der Rákóczi-Turm die geologische Sammlung der Stadt Wiener Neustadt. Über die Zeitspanne von 1919 bis 1934 befand sich in der Burg kein militärisches Ausbildungszentrum, sondern stattdessen eine höchst innovative Bundeserziehungsanstalt (BEA), die den Namen „Schule am Turm“ trug.   Tipps für nahe Sehenswürdigkeiten:  - Innenhof der Burg mit Wappenwand - Museum der Militärakademie - Sgraffito-Haus in der Neunkirchner Straße 19 = QR-Code-Station mit mehr Informationen: http://www.zeitgeschichte-wn.at/stadt-spaziergaenge/qr-code-stationen-in-town/pplace/509?pfadid=10   Quellen/Literatur: Otto Aull, Die Kunstdenkmäler Wiener-Neustadts. Wien 1930. Ferdinand Carl Böheim, Chronik von Wiener-Neustadt. Wien 1830. Karl Flanner, Wiener Neustadt: G’schichtln & Geschichte. Wiener Neustadt 1998. Gerhard Geissl, Denkmäler in Wiener Neustadt. Orte des Erinnerns. Berndorf 2013. Gertrud Gerhartl, Wiener Neustadt. Geschichte, Kunst, Kultur, Wirtschaft. Wien 1993. Leopold Hinner, Unser Heimatort Wiener-Neustadt. Ortsbeschreibung und Bilder aus der Geschichte und Sage der Stadt. Wien 1913. Alfred Hrubant/Brigitta Listmayr, Die Burg zu Wiener Neustadt. Wiener Neustadt 2005. Johann Jobst (Hg.), Die Neustädter Burg und K. u. k. Theresianische Militärakademie. Wien/Leipzig 1908.  

Der Neustädter Rathaus-Turm – der „Stadtturm“

47.812420

16.243642

Burgplatz 1

Der Rákóczi-Turm

 

Die Militärakademie bestimmt das Bild auf dem Burgplatz. Der Platz selbst trägt seinen Namen aus alter Zeit, denn die Militärakademie war einst die Burg der Neustadt und Sitz der Habsburger Kaiser am Ende des Mittelalters. Hier ist in der St.-Georgs-Kirche Kaiser Maximilian I., der letzte Ritter, begraben. Es heißt, seine letzte Ruhestätte befindet sich „zwischen Himmel und Erde“, und unter seinem Grab kann ein Heuwagen durchfahren. Denn er ist tatsächlich im Boden der Kirche bestattet, die inmitten des West-Trakts und oberhalb der Haupteinfahrt in den Innenhof angelegt ist.

Im 15. Jahrhundert wird uns die Burg so beschrieben: „An dem Eck [der Stadt] gegen Ungarn zu, liegt ein Schloß auf Pfeilern gebaut, auf demselbst sind schöne Gärten gepflanzt, und hat ringsumher einen weiten tiefen Graben, ist auch ein Viereck, an welchem einer Seits sich ein hoher Thurm und rückwärts des Kaisers Lust- und Thiergarten befindet. Dieser ist mit einer Mauer umschlossen, und haben die Thiere Platz genug, sich darin zu erlustigen, indem er 15.000 Schritte weit ist, darin befinden sich heimische und wilde Thiere von allerlei Art.“

Obgleich hier nur von einem Turm die Rede ist, so zeigen spätere Abbildungen der Burg vier Türme. Von diesen ist – nach einem schweren Erdbeben im Jahre 1768 – noch nur noch ein einziger heute übrig, und er entspricht auch nicht mehr dem einstigen Aussehen. Der Nordwest-Turm der Burg trägt den Namen des Fürsten von Siebenbürgen Franz II. Rákóczi: Rákóczi-Turm.

Franz II. Rákóczi war 1701 in der Burg gefangen gesetzt worden. Ihm war vorgeworfen worden, gemeinsam mit den Franzosen eine Verschwörung gegen die Habsburger angezettelt zu haben. Ihn erwartete lebenslange Haft (im Schloss Rattenberg in Tirol). Aber es kam völlig anders, denn am 9. November gelang Rákóczi aus seinem Gefängnis im ersten Stock des Nordwestturms die Flucht. Der Hauptmann der Burg hatte ihm dies ermöglicht, jener war nämlich mit einer hohen Geldsumme bestochen worden. Der korrupte Hauptmann wurde alsdann durch Vierteilung am 14. Dezember 1701 auf dem Hauptplatz gerichtet.

Ein wenig bekanntes Detail dieser Geschichte ist, dass schon Rákóczis Großvater in der Burg zu Neustadt eingesperrt gewesen war und hier genau im selben Raum auf seine Todesstrafe warten musste. Rákóczi war durch die Inhaftierung keineswegs eingeschüchtert worden, sondern übernahm bald die Führung der größten Erhebung des ungarischen Adels gegen die Habsburger-Herrschaft, des berühmten Kuruzzen-Aufstandes (1703-1711).

1617 hatte der Eckturm der Burg vier Glocken erhalten. Der Turm diente der Militärakademie als Wachturm, da man den städtischen Raum von hier aus sehr gut überblicken konnte. Um zirka 1800 war er Standort für ein astronomisches Observatorium, später auch einer von mehreren Orten, an dem meteorologische Messungen vorgenommen wurden. 

Am Beginn des 20. Jahrhunderts beherbergte er im oberen Bereich einen Glockenstuhl und Glocken (im fünften und sechsten Stock) sowie ein Wasserreservoire (im siebenten Stock). Über eine ostseitig integrierte Wendeltreppe gelangte man bis auf die Plattform auf die höchste Turm-Ebene. 

In der Zwischenkriegszeit des 20. Jahrhunderts beherbergte der Rákóczi-Turm die geologische Sammlung der Stadt Wiener Neustadt. Über die Zeitspanne von 1919 bis 1934 befand sich in der Burg kein militärisches Ausbildungszentrum, sondern stattdessen eine höchst innovative Bundeserziehungsanstalt (BEA), die den Namen „Schule am Turm“ trug.

 

Tipps für nahe Sehenswürdigkeiten: 

- Innenhof der Burg mit Wappenwand

- Museum der Militärakademie

- Sgraffito-Haus in der Neunkirchner Straße 19 = QR-Code-Station mit mehr Informationen: http://www.zeitgeschichte-wn.at/stadt-spaziergaenge/qr-code-stationen-in-town/pplace/509?pfadid=10

 

Quellen/Literatur:

Otto Aull, Die Kunstdenkmäler Wiener-Neustadts. Wien 1930.

Ferdinand Carl Böheim, Chronik von Wiener-Neustadt. Wien 1830.

Karl Flanner, Wiener Neustadt: G’schichtln & Geschichte. Wiener Neustadt 1998.

Gerhard Geissl, Denkmäler in Wiener Neustadt. Orte des Erinnerns. Berndorf 2013.

Gertrud Gerhartl, Wiener Neustadt. Geschichte, Kunst, Kultur, Wirtschaft. Wien 1993.

Leopold Hinner, Unser Heimatort Wiener-Neustadt. Ortsbeschreibung und Bilder aus der Geschichte und Sage der Stadt. Wien 1913.

Alfred Hrubant/Brigitta Listmayr, Die Burg zu Wiener Neustadt. Wiener Neustadt 2005.

Johann Jobst (Hg.), Die Neustädter Burg und K. u. k. Theresianische Militärakademie. Wien/Leipzig 1908.

 

Bilder

Westseite der Militärakademie mit dem Rákóczi-Turm

Datierung: 2014 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Marcel Billaudet Copyright: Marcel Billaudet Zusatzinfo: Foto

St.-Georgs-Kirche und Rákóczi-Turm

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Copyright: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Nahaufnahme des Rákóczi-Turms von Südwesten

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Copyright: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Blick auf die Nordwest-Seite des Rákóczi-Turms

Datierung: 2017 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Werner Sulzgruber Copyright: Werner Sulzgruber Zusatzinfo: Foto

Zeichnung von F. Fisch - die Burg vor dem Erdbeben von 1768

Datierung: 1903 Quelle: Sammlung Setznagl Autor: Verlag Anton Folk Zusatzinfo: Postkarte

Plan des 3. Stocks der MilAk mit allen Turmebenen, 1908

Datierung: 1908 Quelle: Sammlung Sulzgruber Autor: Johann Jobst Zusatzinfo: Druck

Aufstellung im Burg-Innenhof zur Ausmusterung, 1914

Datierung: 1914 Quelle: Sammlung Habitsch Autor: unbekannt Zusatzinfo: Foto-Digitalisat

Maria-Theresien-Platz östlich der Burg - Spital im Hintergrund, 1908

Datierung: 1908 Quelle: Sammlung Habitsch Autor: unbekannt Zusatzinfo: Postkarte

MilAk mit Rákóczi-Turm in seinem früheren Aussehen, 1908

Datierung: 1908 Quelle: Sammlung Setznagl Autor: Verlag Julius Seiser Zusatzinfo: Postkarte

Akademie mit Burgplatz und Schwimmschule, um 1920

Datierung: um 1920 Quelle: Sammlung Gerdenits Autor: unbekannt Zusatzinfo: Postkarte

Rákóczi-Turm an der NW-Ecke der Burg, um 1920

Datierung: um 1920 Quelle: Sammlung Gerdenits Autor: Verlag Kuderna Zusatzinfo: Postkarte

Burg als Bundeserziehungsanstalt "Schule am Turm", 1931

Datierung: 1931 Quelle: Sammlung Setznagl Autor: Verlag Josef Bauer Zusatzinfo: Postkarte

Rákóczi-Turm als Sitz der geologischen Sammlung der Stadt, 1927

Datierung: 1927 Quelle: Sammlung Setznagl Autor: Geologische Sammlung Wr. Neustadt Zusatzinfo: Kuvert

MilAk als "Kriegsschule" in Wiener Neustadt, 1938

Datierung: 1938 Quelle: Sammlung Setznagl Autor: Verlag Kuderna Zusatzinfo: Postkarte

Veränderungen an der Westseite der "Kriegsschule", 1939

Datierung: 1939 Quelle: Sammlung Setznagl Autor: Verlag Pompe Zusatzinfo: Postkarte

Rákóczi-Turm und MilAk nach ihrer Wiederherstellung, 1950er Jahre

Datierung: 1950er Jahre Quelle: Sammlung Gerdenits Autor: Verlag Kuderna - Foto Jezek Zusatzinfo: Foto als Postkarte

Blick auf den neuen Rákóczi-Turm von Nordwesten, 1950er Jahre

Datierung: 1950er Jahre Quelle: Sammlung Dresch Autor: Verlag Egelseer Zusatzinfo: Foto als Postkarte

Blick vom Wasserturm auf die MilAk mit dem Rákóczi-Turm, späte 1950er Jahre

Datierung: später 1950er Jahre Quelle: Sammlung Setznagl Autor: unbekannt Zusatzinfo: Foto