Postkarten über Wiener Neustadt unter der Lupe

Kuriositäten aus der Welt der Correspondenz-, Post- und Ansichtskarten
Über 100 Jahre alte Raritäten!

Über die Stadt Wiener Neustadt gibt es zwar hunderte Postkarten, aber einige haben zweifellos Seltenheitswert: wegen ihrer Gestaltungsform, wegen des abgebildeten Motivs, wegen ihres außergewöhnlichen Alters oder anderer Gründe. Im folgenden Teil unserer Website finden Sie rund 50 Postkarten der besonderen Art. Sie wurden in ihrer Originalgröße, also nicht nur mit ihrem Motiv, sondern mit dem Kartenrand abgebildet. Teils wurde die etwas schiefe Form des Originals belassen, sodass dem Betrachter auch die noch fehlende Perfektion mancher damaliger Druckwerke vor Augen geführt wird. Unser Dank gilt Herrn Heinrich Witetschka, aber auch Herrn Rudolf Setznagl und Herrn Erwin Wrenkh, die diese Raritäten aus ihren Privatsammlungen zur Verfügung gestellt haben! Wenn Sie weitere Kuriositäten besitzen, dann würden wir uns freuen, sie hier ergänzen zu dürfen.

Wiener Neustadt und der Alkohol (Karte 1-2)

Da in Wiener Neustadt beispielsweise ein großer Brauhof und eine ganze Reihe von Gaststätten bestanden, regelmäßige Bierfeste veranstaltet wurden und eine größere Anzahl von Weinhändlern situiert war, gab es für die Einwohner und Einwohnerinnen genügend Möglichkeiten, Alkohol zu konsumieren. Unter den Konsumenten waren Männer und „Studenten“, also auch Schüler in den örtlichen Verbindungen.
Dass es in „Wr. Neustadt bei Nacht“ wohl turbulent und keineswegs leise zuging, wurde beispielsweise in einer Postkarte von 1911 dargestellt. Böse Zungen behaupten, dass es der Neunkirchner Verlag Seiser war, der damit der konkurrierenden Nachbarstadt Wiener Neustadt „ein's auswischen“ wollte.

Geschichte und Zukunft (Karte 3-6)

In sehr vielen Postkarten-Motiven greift man auf Historisches, also die Geschichte der Stadt zurück, was nicht ungewöhnlich ist, denn damit konnte man mit Stolz auf eine lange Tradition hinweisen und auch schon vor hundert Jahren eine gute „Tourismus“-Werbung für die Steinfeldstadt nahe Wien und die Zielgruppe der Reisenden und „Sommerfrischler“ machen. In einigen Fällen wählten die Postkarten-Produzenten Motive aus nahen vergangenen Jahrhunderten, indem man beispielsweise dem Käufer bzw. der Käuferin einer solchen „Correspondenz-Karte“ eine Stadtansicht von Wiener Neustadt im 17. Jahrhundert bot.
Im Gegensatz dazu durfte kurz nach der Jahrhundertwende der Blick auf „Wr. Neustadt in der Zukunft“ nicht fehlen. Aus heutiger Sicht mutet dieses „Schmankerl“ einer Postkarte (mit Stempel von 1910) etwas wirr an, wenn sich am Wiener Neustädter Hauptplatz die unterschiedlichsten Fahrzeuge (Straßenbahn, Autobus, Motorrad etc.) – keineswegs unfallfrei – tummeln und der Himmel voll von verschiedenen Fahrzeugen (Flugzeug, Ballon, Luftschiff etc.) ist. Dennoch spiegeln sich in dieser Postkarte die technischen Innovationen wider, die Bezug zu Wiener Neustadt hatten. Die gezeichnete „schwebenden Eisenbahn“ ist nur ein Zeichen für die vielen Neuerungen, die sich am Beginn des 20. Jahrhunderts in Wiener Neustadt auftaten. Einiges davon wurde jedoch nie realisiert.

Manipulation und Übertreibung (Karte 7-11)

Bei Fotografien und Postkarten etwas zu retuschieren, war stets Teil des Handwerks. Die Ansichten sollten auf diese Weise zumeist optimiert werden oder man musste Kundenwünschen nachkommen. Die Eingriffe in das Original konnten dezent sein und zum Beispiel nur den Himmel im Hintergrund einer Stadtansicht betreffen. Zeichnerisches konnte deutlich erkennbar eingefügt werden oder aber kaum ersichtlich involviert sein. Da der Schneeberg ein weithin sichtbares Zeichen war, durfte er bisweilen nicht fehlen und wurde vereinzelt auch in besonderem Maße hervorgehoben, teils auch sehr übertrieben hinsichtlich seiner Höhe.

Verwechslungen (Karte 12-13)

Irritierend wird es, wenn sich plötzlich Postkarten mit Bezeichnungen und Motiven finden, die auf den ersten Blick Wiener Neustadt zugeordnet werden könnten. Bei genauerer Betrachtung kann gut und gerne ein Fehler zu Tage treten, entweder auf Seiten des Postkarten-Produzenten oder des Betrachters. Als Beispiele sind ein „Neustadt“ mit einer „Mariensäule“ zu nennen, das eigentlich Mährisch Neustadt zeigt, und die „Promenade am Wr.-Neustädter-Kanal“, die in Wiener Neustadt gewesen sein soll und die man von der Hohen Brücke in Richtung Norden eingesehen haben soll. Letzte befand sich in Guntramsdorf.

Stadtansichten der anderen Art (Karte 14-18)

Grundsätzlich erwartet man sich, dass man bei Postkarten gewinnende, liebliche Motive vor die Augen bekommt und sich ein Bild machen kann. Doch scheinen einige Postkarten-Produzenten auf ihrer Suche nach neuen Motiven für ihre Ansichtskarten ein bisschen zu viel ins Grün geblickt und auf die Baulichkeiten vergessen zu haben. Vereinzelt wurden sogar Postkarten veröffentlicht, bei denen man sichtlich vergessen hatte, dass neben dem Hauptmotiv (zum Beispiel dem Liebfrauendom) Bretterzäune, Hinterhöfe und Holzhäuser abgelichtet wurden, sodass man quasi nur noch „Bretter“ sieht.

Kreative Grußkarten – oder nicht (Karte 19-26)

Zweifellos war man darum bemüht, neben den gängigen Postkarten auch Ungewöhnliches, Kreatives anzubieten. Dabei war es offenbar gleichgültig, ob die Perspektive passte oder noch etwas von der Stadt zu erkennen war: „Hauptsache anders“ schien die Devise zu lauten.
Stadtansichten wurden zum Beispiel nicht mehr nur in der üblichen Postkartengröße abgedruckt, sondern gerne in kleineren Formaten, sodass mehrere Stadtansichten auf einer einzigen Karte Platz fanden. Auch neuartige Arrangements wurden verwirklicht, beispielsweise Ansichten in die Blätter eines vierblättrigen Kleeblattes einzusetzen oder Motive durch einen Ausschnitt (eine Sicht-Öffnung) betrachten zu lassen.
Die mit Einzelbildern aufgebauten Karten beinhalteten Ansichten, die unterschiedlich eingefasst wurden, durch Verzierungen ergänzt sein konnten und vielleicht noch jeweils Bezeichnungen zu jeder bildlichen Kleindarstellungen enthielten. Sogar in Farbe waren diese besonderen Postkarten gehalten, die quasi bis zu neun Ansichten auf nur einer einzigen Karte erfassten.

Wiener Neustadt & die Eisenbahn (Karte 27-28)

Die Stadt Wiener Neustadt hatte bekanntlich im 19. Jahrhundert durch den Bau der Südbahnstrecke und die Anbindung an das Schienennetz nach Wien und in den Süden an Bedeutung gewonnen. Der Hauptbahnhof der Stadt hieß einst „Südbahnhof“ und deutete auf die weitreichende verkehrstechnische Verbindung hin. Aber nicht nur das, denn die Produktion von Lokomotiven war ein wichtiger Teil der Schwer- bzw. Metallindustrie der Stadt. Auf den lokalen Lokomotivbau war man zu Recht besonders stolz und wollte dies auch zum Ausdruck bringen. Heute mutet es vielleicht eigenartig an, dass man eine Lokomotive und ein Bahnhofsgebäude auf einer Postkarte abdruckt, aber vor über 100 Jahren war dies ein Symbol für technischen Fortschritt und Modernität in der Industriestadt Wiener Neustadt.

Farbenspiel bei Tag und Nacht (Karte 29-39)

Der Wiener Verlag Braun setzte auf Stadtansichten, in denen man sich kleinen Gassen, schmalen Straßen, alten Baulichkeiten, Durchgängen und vielem mehr widmete. Dabei wurde auf den Aufnahmen dem Himmel immer die Farbe Blau zugeschrieben, allem anderen – ob Gebäude, Mensch oder Tier – ein angenehmer brauner Farbton, der allen Ansichten den Ausdruck des Vergangenen verlieh. Diese Postkarten lebten gleichsam auch vom Kontrast zwischen Himmel und Erde, zwischen der Kombination von Blau und Weiß und von Braun.
Wiener Neustädter Verleger überboten sich nahezu im Farbenspiel. Schon um die Jahrhundertwende waren Postkarten in Mode gekommen, die Stadtansichten in einen zentralen Farbton getaucht zeigten, darunter auch Bilder im vermeintlich perfekten Vollmond, in eine etwas düstere, geheimnisvolle Aura getaucht. Es finden sich etwa Karten in Blaugrau, Blaugrün, aber auch im frischen Orange.

Kleine Kunstwerke (Karte 40-47)

Der Wiener Neustädter Verlag Anton Folk hatte bereits Ende des 19. Jahrhunderts auf ungewöhnliche Farben gesetzt und veröffentlichte – nach einer nicht näher ausgewiesenen Aquarell- Vorlage – Farbdruckpostkarten im Rosa-Ton.
Er brachte zirka 1899 exklusive Kunst-Postkarten auf den Markt. Es handelte sich dabei um Farbdrucke (Lithografien von E. Nister, Nürnberg), die als kleine Serie herausgebracht wurden und beispielsweise die Militärakademie, den Hauptplatz, den Dom und das Neukloster zeigten. Fast zur selben Zeit kamen optisch nahezu idente Karten vom Wiener Neustädter Fotografen und Verleger S. Ferber in die Auslagen.
Darüber hinaus lassen sich sogar handgezeichnete Ansichtskarten zu Wiener Neustadt sowie Malereien bzw. Drucke auf Seide entdecken: einmalige Originale. 

Postkarten sind eine interessante und wertvolle Quelle für jeden Historiker!
Die auf der Website von TOWN zu findenden Postkarten dienen dazu, die vielen Motive bzw. 
Ansichten von Wiener Neustadt aus alter Zeit vor Augen zu führen!